Monat: September 2026

Der Corti Lauf

Am 17. September begab ich mich auf den Corti Lauf in die Wiener Innenstadt. Egon Caesar Conte Corti war ein österreichischer Offizier, Historiker und Schriftsteller. Er stammte aus einem alten lombardischen Adelsgeschlecht. Nach dem 1. Weltkrieg, als er aus der Armee verabschiedet wurde, war er auf der Suche nach einem neuen Broterwerb und fing an biographische Arbeiten zu verfassen. Er galt in der Zwischenkriegszeit als Spezialist für biographische Werke über Persönlichkeiten aus der europäischen Hocharistokratie. Corti war zwar Monarchist und trotzdem wurde er Mitglied des 1937 gegründeten „Volksbunds“, der als Tarnorganisation für die zu diesem Zeitpunkt illegale NSDAP in Österreich diente.

Ein Beitrittsgesuch Cortis in die NSDAP wurde mit Verweis auf seine jüdischstämmige Ehefrau Gertrud Mautner Markhof, von der er sich nicht trennen wollte, abgelehnt. Die beiden hatten auch einen Sohn, Ferrante, der 1940 als 15-Jähriger verhaftet und tagelang von der Gestapo unter dem Vorwurf verhört wurde, er habe gegen die Nationalsozialisten konspiriert. Was mit dem Sohn letztendlich geschehen ist, weiß niemand. Er gilt als vermisst im 2. Weltkrieg.

Corti nahm der Tod seines Sohnes den Lebenswillen. Er starb im September 1953, wenige Monate vor seiner Frau. Er wurde am Friedhof von Pressbaum bestattet. Gewohnt hat die Familie am Franziskanerplatz 1, wo sich auch eine Gedenktafel befindet.

Der Harald Serafin Lauf

Heute am 15. September vor einem Jahr ist Schauspieler und Sänger Harald Serafin mit 93 Jahren verstorben. Grund genug, eine kleine Laufrunde zu seiner ehemaligen Wohnung am Rudolfsplatz 2 zu machen bei perfekten Lauftemperaturen und strahlendem Sonnenschein.

Geboren wurde er in Litauen als Sohn eines Italieners und einer Salzburgerin. Die Familie musste 1940 nach der Besetzung von Litauen durch die Sowjetunion nach Bamberg flückten, wo Harald Serafin maturierte. Studiert hat er in Berlin zuerst 7 Semester Medizin, ehe er sich für die Sängerlaufbahn entschied. Am Opernhaus in Zürich lernte er Otto Schenk kennen, der ihm den Weg als „singender Bonvivant der Operette“ wies. Neben Engagements an den Opernhäusern von Köln, Frankfurt und München war er seit 1967 an die Wiener Volksoper gebunden, die zu seiner künstlerischen Heimat wurde.

1989 gab er seine Gesangskarriere nach einer Stimmbandoperation auf und er wechselte ins Schauspielfach. Sein Mentor Otto Schenk holte ihn an die Kammerspiele. 1992 übernahm er die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch, denen er sowohl im künstlerischen als auch im wirtschaftlichen Bereich neue Impulse verlieh. 1992 übernahm er die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch, denen er sowohl im künstlerischen als auch im wirtschaftlichen Bereich neue Impulse verlieh.

Dem breiten österreichischen Publikum ist Serafin spätestens seit seinen Auftritten als Juror in der zweiten Staffel der TV-Show Dancing Stars bekannt, die im Frühjahr 2006 im Programm ORF 1 ausgestrahlt wurde. Mit meist unverbindlichen, oft auch nichtssagenden Kommentaren gab er gekonnt den Part des „freundlichen“ Jurors, der auch schwächere Tanzdarbietungen mit guten Noten bewertete. Mit Fortdauer der mehrmonatigen Show erlangte sein häufig wiederkehrender Kommentar „“Es war wunderbar!“ den Status eines Running Gags. Danach wurde er von den Medien zum „Mister Wunderbar“ gekürt.

Der Josef Danhauser Lauf

In der Früh gab es diesmal eine kühle, angenehme Temperatur. Nach der Hitze war es wieder einmal toll, bei diesem Wetter zu laufen.

Der Maler Josef Danhauser wurde im Haus in der Linken Wienzeile 16 geboren und wuchs dort auf. Der Vater erteilte ihm den ersten Zeichenunterricht und ab 1820 besuchte er die Akademie der bildenden Künste Wien bei St. Anna. Mit 21 Jahren wurde er nach Venedig und Triest eingeladen, wo er die italienischen Meister studieren konnte. Einem Jahr später hielt er sich mit seinem Vater kurze Zeit in Prag auf, wo er dem verstorbenen Ludwig van Beethoven die Totenmaske abnahm.

Ab 1832 wandte er sich immer mehr der Genremalerei zu, wobei seine bedeutendsten Werke entstanden. 1841 wurde Danhauser Professor für Historienmalerei an der Akademie. Kurze Zeit später legte er aber sein Amt wieder nieder, um eine lange geplante Reise mit dem Wiener Fabrikanten und Kunstmäzen Rudolf von Arthaber zu unternehmen. Über Gastein reiste er nach Deutschland und Holland. In seinem Haus in der Paniglgasse 7 starb er im Alter von 40 Jahren an Typhus.

Danhauser war neben Ferdinand Georg Waldmüller der liebenswürdigste Sittenschilderer des Biedermeier. Seine Bedeutung liegt in der stärkeren individuellen Note und persönlichen Auffassung, die er in die bürgerliche Genremalerei brachte, sowie im koloristischen Wert seiner Bilder.

Der Josef Armin Lauf

Josef Armin wurde als Josef Rottenstein in Ungarn geboren und war ein ungarisch-österreichischer Komiker, Schriftsteller und Coupletsänger. Er war einer der „Hausautoren“ des Budapester Orpheums in Wien. Als Jugendlicher ging Josef Armin nach Wien, wo er seine Ausbildung fortsetzte.

Er schloss sich einer reisenden Volkssängergesellschaft an, mit der er in Galizien umherzog. In Lemberg lernte er das Gesangsduo und die Geschwister Käthe und Anna Rieder kennen, die als „Goldamseln“ ihre Auftritte absolvierten. Er schloss sich mit den beiden zusammen und heiratete Käthe. Zuerst zu dritt, später mit Käthe allein trat er in vielen Hallen auf, wie beispielsweise im Orpheum in der Wasagasse. Als Komiker bespielte er zudem unter anderem auch das Varieté Gartenbau und „Venedig in Wien“, einem der ersten Vergnügungsparks im Wiener Prater.

Um 1900 beendete er seine aktive Karriere und widmete sich nur mehr dem Schreiben von Lied- und Bühnentexten. Er schrieb zahlreiche Possen, Szenen und Couplets für Unterhaltungskünstler aller Art, die diese im gesamten deutschsprachigen Raum verbreiteten. Josef Armin gründete seine eigene Varietéschule: Josef Armin’s Institut für Varieté- und Kabarettkunst. Sitz dieser Ausbildungsstätte war das Apollo-Theater in der Kaunitzgasse 2, wo sich jetzt das Apollo Kino befindet. Zeitweise wohnte er auch dort, und auch in der Joanelligasse 3 und in der Wilhelm Exner Gasse 13.

Der Helene Odilon Lauf

Gleich um 6 Uhr in der Früh los, weil’s heiß wird heute. Es ging in den Westen auf den Spuren der Schauspielerin Helene Odilon. Danach ging’s über die alte Pfarrwiese, wo ich erstmals die Gedenktafel gesehen habe und über den Flötzersteig zurück in die Stadt, wo die Schauspielerin in der Neustiftgasse 11 wohnte.

Helene Odilon wurde in Dresden geboren und begann ihre Laufbahn in Chemnitz. Mit 28 Jahren ging sie nach Wien. Sie galt als eine der interessantesten Schauspielerinnen ihrer Zeit und wurde auch in England und den USA gefeiert. Am Deutschen Volkstheater in Wien, dem sie über 13 Jahre hinweg angehörte, spielte sie Madame Dubarry und die Madame Sans-Gêne, die von manchen als ihre Glanzrolle angesehen wurde.

1893 heiratete sie Alexander Girardi. Die Ehe war unglücklich. Helene Odilon hatte viele Liebhaber, Alexander Girardi war eifersüchtig und sie versuchte, ihn entmündigen zu lassen und ließ ihn mithilfe eines Gefälligkeitsgutachtens des mit ihr befreundeten Psychiaters Julius Wagner-Jauregg in eine Nervenanstalt abschieben. Mit Unterstützung von Katharina Schratt wurde Girardi jedoch rehabilitiert. Helene Odilon ließ sich 1896 von ihm scheiden.

Im November 1893 erlitt sie einen Schlaganfall und war in weiterer Folge in ihren Bewegungen gehindert. Sie war schwer depressiv und wurde von ihrer Verwandtschaft unter Vormundschaft gestellt, da sie ein beträchtliches Vermögen hatte (eine halbe Million Kronen, ihr Haus in der Neustiftgasse und dessen „kostbare Einrichtung“). Gegen die Vormundschaft kämpfte sie jahrelang an und schrieb auch eine Autobiografie „Das Buch einer Schwachsinnigen“, das auf großes Interesse stieß. 1916 erblindete Helene Odilon, wurde von vielen Menschen ausgenutzt und um ihre letzte Habe gebracht. Sie war in weiterer Folge zum Betteln gezwungen. Helene Odilon erlag im 74. Lebensjahr einem Schlaganfall, „um vier Jahrzehnte zu spät und von einem Schattendasein erlöst.“