Monat: Mai 2026

Der Erich Fried Lauf

Heute war ich auf den Spuren des Schriftstellers Erich Fried unterwegs, der heute seinen 105. Geburtstag gehabt hätte. Letztendlich waren es doch 11 Kilometer, aber die haben gut getan. Wenn ich bei einer seiner Wohnadressen, Alserbachstraße 11, nicht vorbei gekommen wäre und mir das Haus nicht genauer angesehen hätte, hätte ich wohl nie den ersten Baummieter Österreichs entdeckt, der 1981 in eine Wohnung an dieser Adresse gepflanzt wurde. Ich bin mit Sicherheit schon relativ oft hier vorbei, aber den Baum, der aus dem Fenster wächst, habe ich vorher noch nie gesehen.

Erich Fried war das einzige Kind einer jüdischen Familie, der Vater war Spediteur und die Mutter Grafikerin. Fried besuchte das Gymnasium in der Wasagasse. Sein Vater starb bereits im Mai 1938 nach den Folgen einer Folter durch die Gestapo. Auf der Adresse Alserbachstraße 11 befindet sich auch eine Gedenktafel seines Vaters und einiger anderer Bewohner des Hauses, die im 2. Weltkrieg gestorben sind.

Daraufhin emigrierte Erich Fried über Belgien nach London, wo er bis zu seinem Tod wohnte. Er gründete dort die Selbsthilfegruppe Emigrantenjugend, der es gelang, viele Gefährdete, darunter auch seine Mutter, nach England zu bringen. Nach 1945 arbeitete er als politischer Kommentator für den German Service der BBC. Seine politische Botschaft war der Antistalinismus und er offenbarte eine kritische Haltung gegenüber der DDR.

Seine politische Lyrik beeindruckte und war umstritten. Zum einen war er der geehrte Dichter, der 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Gießen erhielt, zum anderen der scharfe öffentliche Kritiker politischer Zustände, der wegen seiner Aussagen verklagt wurde. Frieds Gedichtbände fanden auch in den 1970er Jahren ein breites Publikum. Sie begleiteten die Entwicklung linker, alternativer Bewegungen in der BRD, teilweise aber auch durchaus kritisch. Er unterstützte die Friedensbewegung und begrüßte die Perestroika Gorbatschows.

Seine Erzählung „Der große Tag von Linz“, die erst 1986 publiziert wurde, wurde während der Waldheim-Affäre zu einem wichtigen Zeitdokument, das die späte kritische Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich förderte. In dieser Erzählung erinnert sich Fried an den 12. März 1938 und die Live-Radioübertragung von Hitlers Triumphzug von Passau nach Linz, die er mit seinem Vater in deren Wiener Wohnung in der Alserbachstraße 11 wie gelähmt verfolgte. Sie existiert heute als Hörspiel und wird bei passenden Anlässen als Zeitdokument im Radio oft wiederholt.

Der Erich Fried Lauf:

Der Johann Florian Heller Lauf

Nach einem tollen Wochenende mit meinen Kindern in Lutzmannsburg ging es bei meinem heutigen Morgenlauf durch die Stadt auf den Spuren des Begründers der Klinischen Chemie, Johann Florian Heller, der in der Landstraßer Hauptstraße 62 lebte. Er entdeckte wichtige Reaktionen zum Nachweis von Zucker, Eiweiß und Blut im Harn.

Heller studierte in Prag Medizin und richtete ab 1842 ein pathologisch-chemisches Laboratorium im Wiener AKH ein, wo er zur Unterstützung der Kliniker umfangreiche Harn- und Blutanalysen durchführte. Heller ist der Pionier der chemischen Harndiagnostik und führte als erster die heute weltweit routinemäßig durchgeführte chemische und mikroskopische Harnanalyse in Österreich ein.

Der Johann Florian Heller Lauf:

Der Dionys Schönecker Lauf

Diesmal war ich bei meinem Morgenlauf auf den Spuren von Dionys Schönecker, der heute 138 Jahre alt geworden wäre. Schönecker beendete mit 22 Jahren seine Fussballkarriere mangels Talent und kümmerte sich fortan als Sektionsleiter um die Geschicke bei Rapid. Er kümmerte sich um Dinge, die heute in den Tätigkeitsbereich von Präsident, Manager, Sportdirektor, Trainer und Scout fallen würden. Der Arbeiterverein war damals nicht so breit aufgestellt wie heute und stand nach über einem Jahrzehnt Spielbetrieb knapp vor dem Aus.

Das Geld war also knapp und Spieler standen vor dem Absprung. Der Platz auf der Schmelz wurde gekündigt, nachdem Rapid längere Zeit keine Miete gezahlt hatte. Schönecker schaffte es trotzdem eine junge und günstige Mannschaft aufzubauen, die mit einem neuen Spielstil, dem Kurzpassspiel, sensationelle Erfolge feierte. Mit Hilfe von Beziehungen und seiner Familie pachtete er die Hütteldorfer Pfarrwiese. Das Stadion plante sein Bruder Eduard.

Die junge Mannschaft gewann völlig überraschend die erste offizielle Meisterschaft, die 1911/12 ausgespielt wurde. Im folgenden Jahr wurde der Titel ohne Niederlage verteidigt. In den 15 Trainerjahren von Dionys Schönecker holte er beeindruckende acht Meistertitel. Als Sektionsleiter blieb er dem Verein bis zu seinem frühen Tod, er erlag 1938 einer Bauchfellentzündung, erhalten.

Schönecker war neben der Rapid auch Geschäftsführer eines feinen Herrenausstatters in der Innenstadt und war stets adrett gekleidet. Das half dem von der Schmelz zugezogenen Repräsentanten eines Arbeitervereins die auch damals schon nobleren Bewohner des 14. Bezirks für die Rapid zu gewinnen. Schönecker konnte die noblen Penzinger in das Arbeitermilieu einbinden, indem er sie als „geistige Arbeiter“ adelte.

Der Dionys Schönecker Lauf:

Der Robert Barany Lauf

Diesmal ein Lauf in Gürtelnähe auf den Spuren von Robert Barany, der als erster Österreicher den Nobelpreis für Medizin erhielt. Gewohnt hat er in Wien in der Bartensteingasse 4, im Alten AKH, in der Mariannengasse 15 und der letzte Wohnsitz bevor er nach Schweden auswanderte war die Felix Mottl Straße 2. Die dortige Villa sieht aktuell etwas unbewohnt aus, aber wer weiß.

In jungen Jahren erkrankte Robert Barany an Knochentuberkulose im Kniegelenk, wodurch sein Interesse an der Medizin geweckt wurde. 1900 promovierte er in Wien und ging als Volontär nach Frankfurt zu dem Internisten Carl von Noorden und danach als Assistenzarzt zu dem Psychiater Emil Kraepelin in Heidelberg, bei dem er sich mit neurologischen Erkrankungen beschäftigte.

1903 erhielt er eine Assistenzstelle an der Universitäts-Ohrenklinik in Wien unter Leitung von Adam Politzer und ab 1907 von Viktor Urbantschitsch (1847–1921). Dort arbeitete, forschte und experimentierte Bárány über die Entstehung des kalorischen Nystagmus, der von ihm 1906 entdeckten kalorischen Reaktion des Innenohres, aus der als erste Darstellung einer exakten Funktionsprüfung der Bogengänge seine 1907 veröffentlichte Publikation Physiologie und Pathologie des Bogengangapparates hervorging. 1909 erlangte er seine Habilitation für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und lehrte als Privatdozent.

Für seine Arbeiten über Physiologie und Pathologie des Vestibularapparates erhielt er den Nobelpreis für Medizin des Jahres 1914. Aufgrund der Kriegsereignisse wurde der Preis jedoch erst 1915 zuerkannt und 1916 überreicht. Die Nachricht davon erreichte ihn im russischen Kriegsgefangenenlager Türkistan. Im Ersten Weltkrieg war Bárány als Chirurg in der k.u.k. Armee tätig und geriet mit dem Fall der Festung Przemyśl 1915 in russische Gefangenschaf. Über Intervention des damaligen schwedischen Kronprinzen und späteren Königs Gustav VI. Adolf und des Roten Kreuzes wurde er aber bereits 1916 entlassen und ging zurück nach Wien. Hier wurde er durch das Verhalten seiner österreichischen Kollegen enttäuscht, die ihm den Nobelpreis neideten.

Bárány verließ Wien und folgte einem Ruf an das Otologische Institut der Universität Uppsala in Schweden, wo er bis zu seinem Lebensende als erfolgreicher und angesehener Arzt, Lehrer und Forscher wirkte.


Der Robert Barany Lauf:

Der Auguste Groner Lauf

Nach einigen Wanderungen endlich wieder einmal gelaufen, und zwar auf den Spuren der ersten Krimiautorin Österreichs, Auguste Groner, die in der Marchettigasse 14, in der Lainzer Straße 36 und 38 lebte.

Anfangs war sie als Volksschullehrerin tätig, doch ihr Ehemann, der Journalist Richard Groner, motivierte sie zum Schreiben. Auguste Groner schuf den ersten deutschsprachigen Seriendetektiv namens Joseph Müller, einen empathischen und sozialen Mann, der sich für seine Mitmenschen interessiert und Mitgefühl für die Verlierer in der Gesellschaft zeigt. Der Polizeidetektiv der k.u.k. Monarchie zeigt sich als würdiger kontinentaler Zeitgenosse von Sherlock Holmes, der in etwa zur gleichen Zeit erschien.

Auf dem Höhepunkt Ihrer Schriftstellerkarriere war sie beinahe populärer als Sir Arthur Conan Doyle. Ihre Bücher wurden auch übersetzt, sie geriet später jedoch für lange Zeit in Vergessenheit. Der Verein der „Mörderischen Schwestern“ verleiht alle drei Jahre die „Goldene Auguste“ an verdiente Krimiautorinnen im deutschsprachigen Raum. ( https://www.vhs.at/de/b/2021/09/08/auguste-groner )


Der Auguste Groner Lauf:

Der Alberta von Maytner Lauf

Perfektes Laufwetter heute morgen, strahlender Sonnenschein und frisch. Erstmals konnte ich heute auch eine Runde im Sternwartepark drehen, wo auch ein Fuchs meinen Weg kreuzte. Er schaute mich zwar kurz an, aber ich war leider zu langsam für ein Foto.

Die Schriftstellerin Alberta von Maytner wäre heute 191 Jahre alt geworden und lebte zuletzt in der Wiener Türkenschanzstraße 3. Sie veröffentlichte auch Werke und Bücher unter den Pseudonymen Margarethe Halm, A. v. Sandec und Paul Andow.

Ihr erster Ehemann Peter Kestřanek verstarb bereits relativ früh, so dass Alberta von Maytner mit ihren Kindern zu den Eltern nach Krakau zog. Die zweite Ehe mit Generalmajor Josef von Maytner hielt auch nicht lange, schon nach 5 Jahren trennte sich das Paar wieder.

Danach zog sie mit den Kindern nach Graz, wo sie auch zu schreiben begann. In den Jahren 1886 und 1887 verstarben ihr jüngster Sohn und ihr Vater. Für sie waren das „zwei Verluste, die sie auf das schwerste trafen und für lange Zeit der Welt entfremdeten.“

Kurz nach den beiden Todesfällen zog sie nach Wien in die Türkenschanzstraße 3, wo sie wieder zu schreiben begann, und auch nach 11 Jahren nach langem und schwerem Leiden verstarb.
Sie stand immer wieder mit zahlreichen Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Briefkontakt, darunter Hermann Conradi, Cajetan Cerri, Friedrich Schlögl oder Caroline Bruch-Sinn.

Der Alberta von Maytner Lauf:

Der Robert Hamerling Lauf

Nach dem Wien läuft Opening bin ich nicht mehr gelaufen, da mich ein kleiner Schnupfen etwas geärgert hat. Bei tollem Laufwetter war es aber heute endlich wieder so weit und es ging bis nach Hadersdorf und mit dem Zug zurück.

Der österreichische Schriftsteller und Dichter Robert Hamerling wurde heute vor 196 Jahren geboren. In mehren Städten und Ortschaften Österreichs gibt es Straßen, Gassen oder Parks, die nach ihm benannt wurden. So auch in Wien. Da gibt es den Hamerling Park in der Josefstadt, der mir aber heute nicht in meine Laufroute passte, da ich diesmal eher Richtung Westen wollte. Im 15. Bezirk gibt es noch die Robert Hammerling Gasse und in Hadersdorf eine kleine Sackgasse, die nach dem Schriftsteller benannt ist.

Robert Hamerling wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Waldviertel auf und besuchte mit Hilfe von Gönnern das Zisterzienserstift in Zwettl und danach das Schottengymnasium in Wien. Später begann er an der Universität Wien mit den Studienfächern Klassische Philologie, Philosophie, Geschichte und Medizin. Nach dem Studium arbeitete er als Aushilfslehrer in Wien, später am Akademischen Gymnasium in Graz. Wegen eines chronischen Magenleidens musste er 1866 pensioniert werden und lebte fortan in Graz, wo seine fruchtbarste literarische Schaffensphase begann.

Hamerling zählte zu seiner Zeit zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. Zu seinen Hauptwerken zählt das Epos Ahasverus in Rom, das ihn einer breiten Leserschaft erst bekannt machte, und Der König von Sion. In mehreren Werken, insbesondere in Homunculus, bediente sich Hamerling deutlicher antisemitischer Stereotype. Dies führte zu seiner Vereinnahmung durch führende Antisemiten seiner Zeit. Später wurde auch seine klischeehafte Darstellung von Frauen kritisiert. Inwiefern Hamerling aktiv zur Verbreitung antijüdischer Ressentiments beitrug, darüber gibt er unterschiedliche Auffassungen.

Eine Historikerkommission hat 2021 die nach ihm benannten Straßen als Fälle mit Diskussionsbedarf eingeordnet. Zusatztafeln wurden allerdings sowohl in der Straße in Wien Fünfhaus, als auch in der Gasse in Hadersdorf keine errichtet.

Der Robert Hamerling Lauf:

Der Neue Wiener Tagblatt Lauf

Heute ging’s bei meinem Morgenlauf in die City, wo am Steyrerhof 3, wo früher auch ein Durchhaus zum Hafnersteig bestand, das Neue Wiener Tagblatt Sitz, Verlagshaus und Druckerei hatte. Die erste Ausgabe des Neuen Wiener Tagblatt erschien heute vor 159 Jahren und war eine von 1867 bis 1945 in Wien erscheinende Tageszeitung. Es zählte zu den auflagenstärksten Zeitungen Österreichs vor 1938.

Die Zeitung hatte überregionale Bedeutung und war deutschliberal bzw. antimarxistisch eingestellt, entwickelte aber in der Monarchie keine klare Haltung zu den sich bildenden Massenparteien der Christlichsozialen und der Sozialdemokraten.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde die Zeitung enteignet und dem NS-Propagandaapparat sofort dienstbar gemacht. Mit 31. Jänner 1939 wurde das Neue Wiener Journal eingestellt und gemeinsam mit dem Traditionsblatt Neue Freie Presse in das Neue Wiener Tagblatt eingebunden. Die letzte Ausgabe der Zeitung erschien am 7. April 1945, als die Schlacht um Wien begann, mit der die Rote Armee die Stadt vom NS-Regime befreite.

Der Neue Wiener Tagblatt Lauf: