Der Helene Odilon Lauf

Der Helene Odilon Lauf

Gleich um 6 Uhr in der Früh los, weil’s heiß wird heute. Es ging in den Westen auf den Spuren der Schauspielerin Helene Odilon. Danach ging’s über die alte Pfarrwiese, wo ich erstmals die Gedenktafel gesehen habe und über den Flötzersteig zurück in die Stadt, wo die Schauspielerin in der Neustiftgasse 11 wohnte.

Helene Odilon wurde in Dresden geboren und begann ihre Laufbahn in Chemnitz. Mit 28 Jahren ging sie nach Wien. Sie galt als eine der interessantesten Schauspielerinnen ihrer Zeit und wurde auch in England und den USA gefeiert. Am Deutschen Volkstheater in Wien, dem sie über 13 Jahre hinweg angehörte, spielte sie Madame Dubarry und die Madame Sans-Gêne, die von manchen als ihre Glanzrolle angesehen wurde.

1893 heiratete sie Alexander Girardi. Die Ehe war unglücklich. Helene Odilon hatte viele Liebhaber, Alexander Girardi war eifersüchtig und sie versuchte, ihn entmündigen zu lassen und ließ ihn mithilfe eines Gefälligkeitsgutachtens des mit ihr befreundeten Psychiaters Julius Wagner-Jauregg in eine Nervenanstalt abschieben. Mit Unterstützung von Katharina Schratt wurde Girardi jedoch rehabilitiert. Helene Odilon ließ sich 1896 von ihm scheiden.

Im November 1893 erlitt sie einen Schlaganfall und war in weiterer Folge in ihren Bewegungen gehindert. Sie war schwer depressiv und wurde von ihrer Verwandtschaft unter Vormundschaft gestellt, da sie ein beträchtliches Vermögen hatte (eine halbe Million Kronen, ihr Haus in der Neustiftgasse und dessen „kostbare Einrichtung“). Gegen die Vormundschaft kämpfte sie jahrelang an und schrieb auch eine Autobiografie „Das Buch einer Schwachsinnigen“, das auf großes Interesse stieß. 1916 erblindete Helene Odilon, wurde von vielen Menschen ausgenutzt und um ihre letzte Habe gebracht. Sie war in weiterer Folge zum Betteln gezwungen. Helene Odilon erlag im 74. Lebensjahr einem Schlaganfall, „um vier Jahrzehnte zu spät und von einem Schattendasein erlöst.“

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