Monat: Juli 2026

Der Ignaz Bösendorfer Lauf

Ein halbwegs flotter Morgenlauf durch die Stadt an jenem Tag, als der Gründer der Firma Bösendorfer, Ignaz Bösendorfer, vor 230 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Ignaz absolvierte seine ersten Lehrjahre in der Bautischlerei seines Vaters. Da er sich aber für Musik und Klavierbau interessierte, schickte ihn sein Vater zu Joseph Brodmann in die Lehre. Brodmann war ein bekannter Orgel- und Klavierbauer. Ignaz Bösendorfer galt als Brodmanns bester Schüler und wurde von diesem auch entsprechend gefördert. Als sich Brodmann zur Ruhe setzte, übernahm Ignaz Bösendorfer seinen Betrieb. Am 25. Juli 1828 erhielt er schließlich das Bürger- und das Meisterrecht und startete den Betrieb mit 500 Gulden und 2 Gehilfen.

Anfangs produzierte Ignaz Bösendorfer 4 Klaviere im Jahr. Nach und nach steigerte er die Produktion. 1835 fertigte er bereits ca. 200 Stück im Jahr. Einer der ersten von Ignaz Bösendorfer gebauten Flügel steht heute noch in Kärnten im Stift Millstatt und wird noch immer regelmäßig für Konzerte verwendet. Im Wien Museum befindet sich ein Hammerklavier von Ignaz Bösendorfer, das Franz Grillparzer gehörte.

Wien war damals eine Metropole der Musik und um 1825 gab es in Wien circa 140 Klavierbauer. Auch Franz Liszt versuchte es bald mit einem Bösendorfer Klavier. Liszt war dafür bekannt, dass er seinen Klavieren während eines Konzertes arg zusetzte. Er schaffte es regelmäßig, die Musikinstrumente bis zur Unbrauchbarkeit zu ramponieren. Die Klaviere von Bösendorfer waren allerdings derart robust und stabil gebaut, dass sie Liszts Spiel unbeschadet überstanden.

Klaviere aus der Werkstatt Bösendorfers wurden nach Deutschland, England, Italien, Russland, Brasilien und Ägypten exportiert. Ende 1850 erzeugte das Werk mehr als 3.000 Instrumente im Jahr.

Die Produktionsstätte der Firma Bösendorfer befand sich in der Lenaugasse 10. Nach dem Tod von Ignaz Bösendorfer übernahm der älteste Sohn Ludwig den Betrieb. In der Herrengasse 6-8 wurde der Bösendorfer Konzertsaal im November 1872 eröffnet. Bis zur Demolierung des Palais spielte der Saal in der Wiener Musikszene eine bedeutende Rolle. Das letzte Konzert fand am 2. Mai 1913 statt. Nachdem das Areal zwei Jahrzehnte unverbaut geblieben war, wurde 1933 das Hochhaus errichtet. ( https://www.karinkiradi.at/2023/07/18/ignaz-b%C3%B6sendorfer-1796-1859/ )

Der Hans Temple Lauf

Bei meinem heutigen Morgenlauf ging’s heute durch Meidling. Zuerst bergauf, danach ein Stückerl auf der Altmannsdorfer Straße (das Strava Segment hier heißt nicht umsonst „eine dumme Idee hier zu laufen“) und nach dem Wohnpark Alt Erlaa gings an der U6 entlang nach Siebenhirten bis zur Hans Temple Gasse. Am Ende habe ich noch den Schellensee umrundet, gesehen habe ich den See aber leider nicht. Offenbar ist der See in Privatbesitz und die Badehäuser können verpachtet werden. Dürfte eine nette Oase sein.

Der Maler Hans Temple hätte am 7. Juli seinen 169. Geburtstag gehabt, daher ging es fast bis nach Brunn im Gebirge. In diesem Viertel erinnern einige Straßen an Maler. Hans Temple studierte an der Wiener Akademie, später ging er auch nach Paris.

Das Hauptgebiet des Malers waren Bildnisse zeitgenössischer bekannter Künstler in der Umgebung ihres Ateliers. So malte er beispielsweise den Bildhauer Viktor Tilgner bei der Arbeit am Mozartdenkmal im Wiener Burggarten sowie seinen Lehrer Munkácsy in seinem Atelier bei der Arbeit an dessen Gemälde „Christus vor Pilatus“.
Er bekam auch Aufträge des Wiener Hofes, wie das Gemälde „Gratulation der k.u.k. Armee an Kaiser Franz Joseph I. zum 85. Geburtstag durch Erzherzog Friedrich“- Sein hauptsächliches Schaffen und Wirken fand in Wien statt, wo er auch im Dezember 1931 starb.

Der Karl Gröger Lauf

Nach knapp einer Woche wieder einmal laufen. Bei der Hitze in den letzten Tagen konnte ich irgendwie nicht und auch heute war es noch ziemlich warm. Dementsprechend langsam war ich auch unterwegs und beim Julius Tandler Platz bin ich dann in den 5er eingestiegen. Abends wird es sicher ein Gewitter geben.

Karl Gröger hätte heute seinen 83. Todestag gehabt. Er war ein Medizinstudent aus Wien und war während des zweiten Weltkriegs im niederländischen Widerstand aktiv. Nach dem Anschluss Österreichs floh Karl Gröger von Wien nach Amsterdam, wo er sein Studium fortsetzte. Dort wurde er auch zur Wehrmacht eingezogen, aber bald wieder entlassen, da er ein „Vierteljude“ war und deshalb als wehrunwürdig galt.

Ab August 1942 begann er mit einer Gruppe, eine Untergrundzeitung mit dem Namen Rattenkruit (dt.: „Rattengift“) herauszugeben, in der sie zum bewaffneten Kampf gegen die Besatzung aufriefen. Gemeinsam mit einer Widerstandsgruppe verübte Karl Gröger nach längeren Vorbereitungen am 27. März 1943 auch einen Anschlag auf das Einwohnermeldeamt Amsterdam.

Bei dem Anschlag, bei dem die Mitglieder der Gruppe als niederländische Polizisten verkleidet in das Gebäude eindrangen, konnten zahlreiche Akten zerstört werden, die für die Organisation der Deportation von Juden in Arbeits- oder Vernichtungslager benötigt wurden. Auch die Kontrolle von gefälschten Personalausweisen sollte so erschwert werden. Die SS verhaftete ihn am 8.4.1943, hingerichtet wurde er in Amsterdam am 1.7.1943. Zur Erinnerung an ihn gibt es vor der Jägerstraße 2 in der Brigittenau einen Gedenkstein.

Der Eugenie Goldstern Lauf

Bei meinem aktuellen Geschichtslauf war es schon etwas heiß, aber ich hab mich dann doch den Wilhelminenberg hinauf geschleppt und bin auf der anderen Seite über den Satzberg wieder hinunter zum Bahnhof Hütteldorf. Oben beim Satzberg befindet sich die Goldsterngasse, sogar mit einer Zusatztafel, die an die Ethnologin Eugenie Goldstern erinnert.

Eugenie Goldstern stammt aus Odessa und wird als jüngstes von 14 Kindern in eine wohlhabende jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Jenja, so ihr Rufname, besucht das Gymnasium, ihre Brüder studieren Medizin und Chemie. Jenja spricht fünf Sprachen, die Familie ist aufgeklärt liberal.

Um 1905 wird die politische Lage in Russland instabil. Immer wieder kommt es in der Provinz zu Übergriffen, auch gegen Juden. Die Familie Goldberg flüchtet nach Wien. Dort arbeitet einer der Brüder inzwischen als Zahnarzt, ein anderer hat eine Fango-Klinik für Haut- und Nervenkrankheiten eröffnet.

Eugenie studiert Volkskunde, darf sich als russische Staatsbürgerin aber nur als Gasthörerin einschreiben. Ihr Interesse gilt besonders den Menschen am Rande der Zivilisation, und sie beginnt, im Hochgebirge zu forschen. 1912 kommt sie zum ersten Mal ins Schweizer Wallis. Um das Leben der Bevölkerung wirklich zu verstehen, wohnt sie sogar gemeinsam mit den Leuten in einer “Stallwohnung”, einem gemeinsamen Raum für Mensch und Vieh. Aus dieser Erfahrung in dem kleinen Ort Bessans entsteht später eine der ersten Dorfmonographien überhaupt.

Nach dem ersten Weltkrieg studiert sie an der Universität Fribourg , wo sie 1920 ihre Doktorprüfung „summa cum laude“ besteht. Chancen auf eine wissenschaftliche Laufbahn hat sie als Frau und Jüdin dennoch kaum, schon gar nicht am Wiener Volkskundemuseum. Geschenke werden allerdings gern entgegen genommen: “Fräulein Dr. Goldstern” stiftet den Wienern ihre Sammlung zusammen mit 250.000 Kronen, um dem Museum über die Inflation zu helfen. Zum Vergleich: Die sieben großen Landesmuseen hatten damals ein Gesamtbudget von 400.000 Kronen.
Gründer und erster Direktor des Museums war Michael Haberlandt, der einst Goldsterns Vorbild war, später aber hemmungsloser Antisemit. 1924 übernimmt sein Sohn Arthur, ebenfalls vom nationalsozialistischen Rassenwahn durchdrungen, die Direktion und verbannt die Sammlung Goldstern, eine der umfangreichsten außerhalb Frankreichs, in kaum zugängliche Räume und ins Depot.

Nach dem Anschluss machen sich die Nazis auch über die Fangoklinik von Eugenies Bruder her. Ihr Neffe Alexander wird nach Dachau und Buchenwald deportiert – 1939 kommt er wieder frei, weil sein Vater das Sanatorium “für den Preis eines Spirituskochers” zwangsverkaufen musste. Bald darauf begeht Eugenies Schwager Leopold Wermer Selbstmord, um der Deportation zuvorzukommen. Für Eugenie ist es für eine Flucht zu spät – sie wird am 14. Juni 1942 nach Izbica in Polen deportiert, wo ihre Biographie endet und sie ermordert wurde. ( https://www.derstandard.at/story/242198/eugenie-goldstern-vergessen-verdraengt )

Der Friedrich von Gentz Lauf

Nach meinen beiden anstrengenden Läufen vom Wochenende, war ich heute früh etwas langsamer und gemütlicher unterwegs. Am 196. Todestag begab ich mich auf die Spuren von Friedrich von Gentz, dem Berater des Fürsten Metternich. Wo einst sein prachtvolles Biedermeier-Schlössl in Währing bzw. Weinhaus in der Währinger Straße 169 – 171 stand, ragt heute der rote Toepler-Hof-Gemeindebau empor. Als er beim Fürsten Metternich 1830 in Ungnade fiel, zog er sich mit der von ihm intensiv geförderten jungen Tänzerin Fanny Elßler bis zu seinem Tod im Sommer 1832 in sein Schlössel zurück. Damals hieß die Straße Herrengasse und nicht Währinger Straße. Die Straße war damals gründerzeitlich verbaut, irgendwann wurde das Schlössel demoliert (mehr konnte ich nicht herausfinden) und stattdessen der rote Toepler-Hof gebaut.

Nach Friedrich von Gentz wurde die Gentzgasse benannt, die ich im Anschluss zurückgelaufen bin. Auf Höhe des Aumannplatzes gibt es auch hier momentan eine riesige Baustelle.
Friedrich von Gentz war der engste Berater von Metternich und ihm wurde der Titel eines außerordentlichen Hofrates verliehen. Gentz nahm so als erster Sekretär und Protokollführer 1814/15 am Wiener Kongress teil und half Metternich bei der Formulierung und Durchsetzung der Repressionspolitik des Deutschen Bundes gegen die liberalen und nationalen Strömungen.

Friedrich von Gentz war leidenschaftlicher Theaterbesucher. Dabei lernte er 1829 die Tänzerin Fanny Elßler kennen. Der Altersunterschied war enorm, er war 65 Jahre alt und sie 19. Zwischen den beiden entstand eine enge Beziehung, die bis zum Tode von Gentz im Jahr 1832 dauerte. Gentz‘ politische Karriere endete abrupt, als er Anfang der 1830er Jahre Metternichs Kurs kritisierte und dieser ihm seine Gunst entzog.

Der Franz Gruss Lauf

Am Weltlauftag auf den Spuren des Malers und Zeichners Franz Gruss unterwegs, der sich am Haus der Wiener Tischlerinnung in der Ziegelofengasse mit einigen Graffitos verewigt hat. In diesem Haus machte übrigens auch Sir Karl Popper seine Tischlerlehre.

Franz Gruss wurde an der Akademie der bildenden Künste ausgebildet und von Alois Delug und Rudolf Jettmar gefördert. Zu Beginn des ersten Weltkriegs kam er in russische Kriegsgefangenschaft, die er in Sibirien verbringen musste. Dort schnitzte er für den Kriegsgefangenenfriedhof ein überlebensgroßes Kreuz. Im März 1918 gelang ihm die Flucht aus der Kriegsgefangenschaft und er kehrte noch vor Ende des ersten Weltkrieges nach Hause.

Nach Ende des ersten Weltkrieges stand Franz Gruss vor der Wahl, eine festbezahlte Stelle als Mittelschullehrer anzunehmen oder sich der freien Kunst zu widmen, und sich damit für eine materiell ungesicherte Zukunft zu entscheiden. 1924 errichtete er ein eigenes Atelier im selbst gebauten Blockhaus, östlich von Silberbach im Erzgebirge, inmitten von Bergen und Wäldern.
Im zweiten Weltkrieg wurde er als Sudetendeutscher mit seiner Familie aus seiner Heimat vertrieben und kehrte nach Wien zurück. 1947 gestaltete er dort das Haus der Tischlerinnung in der Ziegelofengasse 31 mit einem Sgraffito aus.

Der Rega Kreidl Lauf

Endlich wieder einmal ein Themenlauf, diesmal gleich mehr als 11 Kilometer und auf den Spuren der Malerin Rega Kreidl, die 1927 die erste Frau war, die mit dem Ehrenring der Stadt Wien ausgezeichnet wurde.

Die Künstlerin lebte davor sehr zurückgezogen, gehörte keinem Künstlerverband an und blieb dem Wiener Gesellschaftsleben fern. Sie war hauptsächlich als Kirchenmalerin bekannt. Rega Kreidl fehlte es nicht an Mut, auch Akt-Studien auszustellen. Sie schreckt vor keiner Aufgabe, vor keiner Technik zurück, malt mit gleichem Wagemut gute Bildnisse und Landschaften, Genreszenen und Volkstypen, Interieurs, sowie Blumenstücke. Kurzum, Rega Kreidl hätte ein viel angenehmeres Leben führen können, als in den kalten dunklen Kirchen stunden- ja sogar wochenlang mit ihrer Staffelei dort zu sitzen.

Es war hauptsächlich der Stephansdom, wo Rega Kreidl alle versteckten Winkel und Falten der Außen- und Innenarchitektur aufspürte. Im Dezember 1927 ist die 50jährige Kirchenmalerin Rega Kreidl in ihrer Wohnung in der Sechskrügelgasse 14 gestorben, da sie unvorsichtig war. Sie kam mit ihrer Kleidung zu nahe an den Zimmerofen und der Stoff fing sofort Feuer. Sie erlitt schwere Verbrennungen und wurde in das Sanatorium Fürth in die Schmidgasse 14 gebracht, wo sie trotz intensiver Pflege ihren Verbrennungen erlag.