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Meine Motto-Läufe

Der Auguste Groner Lauf

Nach einigen Wanderungen endlich wieder einmal gelaufen, und zwar auf den Spuren der ersten Krimiautorin Österreichs, Auguste Groner, die in der Marchettigasse 14, in der Lainzer Straße 36 und 38 lebte.

Anfangs war sie als Volksschullehrerin tätig, doch ihr Ehemann, der Journalist Richard Groner, motivierte sie zum Schreiben. Auguste Groner schuf den ersten deutschsprachigen Seriendetektiv namens Joseph Müller, einen empathischen und sozialen Mann, der sich für seine Mitmenschen interessiert und Mitgefühl für die Verlierer in der Gesellschaft zeigt. Der Polizeidetektiv der k.u.k. Monarchie zeigt sich als würdiger kontinentaler Zeitgenosse von Sherlock Holmes, der in etwa zur gleichen Zeit erschien.

Auf dem Höhepunkt Ihrer Schriftstellerkarriere war sie beinahe populärer als Sir Arthur Conan Doyle. Ihre Bücher wurden auch übersetzt, sie geriet später jedoch für lange Zeit in Vergessenheit. Der Verein der „Mörderischen Schwestern“ verleiht alle drei Jahre die „Goldene Auguste“ an verdiente Krimiautorinnen im deutschsprachigen Raum. ( https://www.vhs.at/de/b/2021/09/08/auguste-groner )


Der Auguste Groner Lauf:

Der Alberta von Maytner Lauf

Perfektes Laufwetter heute morgen, strahlender Sonnenschein und frisch. Erstmals konnte ich heute auch eine Runde im Sternwartepark drehen, wo auch ein Fuchs meinen Weg kreuzte. Er schaute mich zwar kurz an, aber ich war leider zu langsam für ein Foto.

Die Schriftstellerin Alberta von Maytner wäre heute 191 Jahre alt geworden und lebte zuletzt in der Wiener Türkenschanzstraße 3. Sie veröffentlichte auch Werke und Bücher unter den Pseudonymen Margarethe Halm, A. v. Sandec und Paul Andow.

Ihr erster Ehemann Peter Kestřanek verstarb bereits relativ früh, so dass Alberta von Maytner mit ihren Kindern zu den Eltern nach Krakau zog. Die zweite Ehe mit Generalmajor Josef von Maytner hielt auch nicht lange, schon nach 5 Jahren trennte sich das Paar wieder.

Danach zog sie mit den Kindern nach Graz, wo sie auch zu schreiben begann. In den Jahren 1886 und 1887 verstarben ihr jüngster Sohn und ihr Vater. Für sie waren das „zwei Verluste, die sie auf das schwerste trafen und für lange Zeit der Welt entfremdeten.“

Kurz nach den beiden Todesfällen zog sie nach Wien in die Türkenschanzstraße 3, wo sie wieder zu schreiben begann, und auch nach 11 Jahren nach langem und schwerem Leiden verstarb.
Sie stand immer wieder mit zahlreichen Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Briefkontakt, darunter Hermann Conradi, Cajetan Cerri, Friedrich Schlögl oder Caroline Bruch-Sinn.

Der Alberta von Maytner Lauf:

Der Robert Hamerling Lauf

Nach dem Wien läuft Opening bin ich nicht mehr gelaufen, da mich ein kleiner Schnupfen etwas geärgert hat. Bei tollem Laufwetter war es aber heute endlich wieder so weit und es ging bis nach Hadersdorf und mit dem Zug zurück.

Der österreichische Schriftsteller und Dichter Robert Hamerling wurde heute vor 196 Jahren geboren. In mehren Städten und Ortschaften Österreichs gibt es Straßen, Gassen oder Parks, die nach ihm benannt wurden. So auch in Wien. Da gibt es den Hamerling Park in der Josefstadt, der mir aber heute nicht in meine Laufroute passte, da ich diesmal eher Richtung Westen wollte. Im 15. Bezirk gibt es noch die Robert Hammerling Gasse und in Hadersdorf eine kleine Sackgasse, die nach dem Schriftsteller benannt ist.

Robert Hamerling wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Waldviertel auf und besuchte mit Hilfe von Gönnern das Zisterzienserstift in Zwettl und danach das Schottengymnasium in Wien. Später begann er an der Universität Wien mit den Studienfächern Klassische Philologie, Philosophie, Geschichte und Medizin. Nach dem Studium arbeitete er als Aushilfslehrer in Wien, später am Akademischen Gymnasium in Graz. Wegen eines chronischen Magenleidens musste er 1866 pensioniert werden und lebte fortan in Graz, wo seine fruchtbarste literarische Schaffensphase begann.

Hamerling zählte zu seiner Zeit zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. Zu seinen Hauptwerken zählt das Epos Ahasverus in Rom, das ihn einer breiten Leserschaft erst bekannt machte, und Der König von Sion. In mehreren Werken, insbesondere in Homunculus, bediente sich Hamerling deutlicher antisemitischer Stereotype. Dies führte zu seiner Vereinnahmung durch führende Antisemiten seiner Zeit. Später wurde auch seine klischeehafte Darstellung von Frauen kritisiert. Inwiefern Hamerling aktiv zur Verbreitung antijüdischer Ressentiments beitrug, darüber gibt er unterschiedliche Auffassungen.

Eine Historikerkommission hat 2021 die nach ihm benannten Straßen als Fälle mit Diskussionsbedarf eingeordnet. Zusatztafeln wurden allerdings sowohl in der Straße in Wien Fünfhaus, als auch in der Gasse in Hadersdorf keine errichtet.

Der Robert Hamerling Lauf:

Der Neue Wiener Tagblatt Lauf

Heute ging’s bei meinem Morgenlauf in die City, wo am Steyrerhof 3, wo früher auch ein Durchhaus zum Hafnersteig bestand, das Neue Wiener Tagblatt Sitz, Verlagshaus und Druckerei hatte. Die erste Ausgabe des Neuen Wiener Tagblatt erschien heute vor 159 Jahren und war eine von 1867 bis 1945 in Wien erscheinende Tageszeitung. Es zählte zu den auflagenstärksten Zeitungen Österreichs vor 1938.

Die Zeitung hatte überregionale Bedeutung und war deutschliberal bzw. antimarxistisch eingestellt, entwickelte aber in der Monarchie keine klare Haltung zu den sich bildenden Massenparteien der Christlichsozialen und der Sozialdemokraten.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde die Zeitung enteignet und dem NS-Propagandaapparat sofort dienstbar gemacht. Mit 31. Jänner 1939 wurde das Neue Wiener Journal eingestellt und gemeinsam mit dem Traditionsblatt Neue Freie Presse in das Neue Wiener Tagblatt eingebunden. Die letzte Ausgabe der Zeitung erschien am 7. April 1945, als die Schlacht um Wien begann, mit der die Rote Armee die Stadt vom NS-Regime befreite.

Der Neue Wiener Tagblatt Lauf:

Der Joseph Sonnleithner Lauf

Nach dem Lauf Opening Mödling heute früh nur ein lockerer, langsamer Lauf in die City, bewölkt war’s diesmal wieder einmal wie zuletzt oft.

Joseph Sonnleithner war auf der Fischerstiege 2 geboren. Sein Vater war der Komponist Christoph Sonnleithner, dessen Kompositionen von Joseph II. sehr geschätzt wurden. Der Vater verstarb früh und der Kaiser förderte danach die Beamtenlaufbahn von Joseph Sonnleithner. Durch seine künstlerische Begabung und seine Kontakte zur Wiener Kulturszene wurde er 1804 zum Hoftheatersekretär ernannt, in dessen Funktion er bis 1814 das Burgtheater und das Kärntnertortheater leitete.

Sonnleithner war auch Schriftsteller und verfasste zahlreiche Operntextbücher, darunter 1805 „Fidelio oder Die eheliche Liebe“, den Text der Urfassung von Beethovens „Fidelio“.
Sonnleithner war auch einer der Mitbegründer der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und einer der frühesten Volksliedsammler in Österreich. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Franz Schubert und seinem Neffen Grillparzer. Sein Humor und seine Bonmots, die jahrzehntelang in der Wiener Gesellschaft kursierten, waren Legende.

Der Joseph Sonnleithner Lauf:

Der Fritz Bock Lauf

Letzter Lauf vor dem Lauf Opening in Mödling am Sonntag, und da war ich auf den Spuren von Fritz Bock unterwegs, einem Mitbegründer der ÖVP, der längstdienender Handelsminister Österreichs und Vizekanzler war.

Fritz Bock wuchs mit seinen Eltern in der Einwanggasse 14 auf. 1930 maturierte er am Gymnasium Fichtnergasse und engagierte sich in der Katholischen Mittelschülerbewegung. Danach studierte er Rechtswissenschaften und ließ sich zum Steuerberater ausbilden.

Während der Diktaturregierung Kurt Schuschnigg war Fritz Bock als Propagandaleiter der Vaterländischen Front für antinationalsozialistische Propaganda zuständig. Bis März 1938 war er stark an der Organisation der durch den Einmarsch der Wehrmacht verhinderten Volksabstimmung über den Erhalt der österreichischen Selbstständigkeit beteiligt. Nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde Bock am 15. März 1938 verhaftet und kam Anfang April mit dem Prominententransport ins KZ Dachau. Er wurde jedoch 1939 wegen Haftunfähigkeit entlassen.

Während des Zweiten Weltkriegs war er untauglich, mit Berufsverbot belegt und stand unter ständiger Überwachung der Gestapo. Trotzdem gelang es ihm, Kontakte zur österreichischen Widerstandsbewegung O5 zu knüpfen. Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs entzog er sich einer neuerlichen Verhaftung und floh ins Innviertel, das kurze Zeit später von der US Armee befreit wurde.

Nach dem Krieg gehörte Fritz Bock 1945 zu den Gründern der ÖVP, war Generalsekretär des Österreichischen Arbeiter- und Angestellten-Bundes (ÖAAB), Präsidiumsmitglied im Bundesverband österr. Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus (1946–1948), Generalrat der Nationalbank (1948–1953) und ab 1949 Abgeordneter zum Nationalrat.

Über elf Jahre lang, vom 29. Juni 1956 bis zum 19. Jänner 1968, war Fritz Bock dann in den Bundesregierungen Raab II, Raab III, Raab IV, Gorbach I, Gorbach II, Klaus I und Klaus II Bundesminister für Handel und Wiederaufbau bzw. für Handel, Gewerbe und Industrie (1966–1968). In seinen letzten beiden Regierungsjahren war er außerdem Vizekanzler.

Fritz Bock war mit Anna Dörrich verheiratet. Im 83. Lebensjahr erlag er am 12. Dezember 1993 einem Krebsleiden. Mit seiner Frau lebte er in Döbling, was mir aber für meinen heutigen Lauf zu weit war. Daher begab ich mich nur zum Geburtshaus in die Einwanggasse und in die Obere Amtshausgasse 37, wo er in jungen Jahren wohnte.

Der Fritz Bock Lauf:

Der Emma Mampe-Babnigg Lauf

Nach einem kurzen Hoyos Läuferl gestern, das ich nur auf meiner Homepage veröffentlichen werde, bin ich heute noch einmal in die City in Gedenken an die Opernsängerin Emma Mampe-Babnigg, die heute ihren 201. Geburtstag gehabt hätte.

Emma hatte schon als Kind eine sehr schöne Stimme und erhielt zuerst von ihrem Vater, dem Opernsänger Anton Babnigg, Gesangsunterricht. Schon im Alter von 18 Jahren wagte sie einen ersten Bühnenversuch als Rosina im „Barbier von Sevilla“ am Hoftheater Dresden. Danach wurde sie sofort engagiert. Nach drei Jahren in Dresden kam sie an das Stadttheater in Hamburg. In den darauffolgenden Jahren wurde sie an mehreren Theatern und Opern der Liebling des Publikums. Besonders die Opernsaison 1849 bis 1850 war ein Goldquelle für die Theaterkasse. Während der ganzen Zeit ihres dortigen Engagements sah man stets ausverkaufte Häuser, sobald der Name „Babnigg“ auf dem Zettel zu lesen war.

Nach ihrer Hochzeit mit Dr. Mampe zog sie sich von der Bühne zurück und zog nach Wien in die Riemergasse 14 bzw. Kumpfgasse 11 (das dortige Haus hat zwei Adressen). Sie gab aber weiterhin noch Gastspiele an diversen Bühnen. Ab 1867 bis in die 1890er Jahre war sie eine gesuchte Gesangspädagogin und bekam aufgrund ihrer Gesangskunst den Namen der „Schlesischen Nachtigall“. Insgesamt soll sie 220 Partien gesungen haben. . Zu ihren Schülerinnen zählte unter anderen Erzherzogin Maria Josepha, Mutter des späteren Kaisers Karl I..

Der Emma Mampe-Babnigg Lauf:

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf

Mein Lauf am Dienstag führte mich in die kleine Hoyosgasse hinter der Karlskirche. Wer war eigentlich dieser Hoyos? Johann Ernst Hoyos entstammte dem Adelsgeschlecht Hoyos, das im 16. Jahrhundert aus Spanien nach Niederösterreich eingewandert war. Im Alter von 20 Jahren trat er in die österreichische Landwehr ein und wurde Kommandeur eines Bataillons, das er aus eigener Tasche bezahlte. Mit seinem Bataillon nahm er an den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815 in Italien und Frankreich teil. 1836 wurde er Ritter des Goldenen Vlieses und Generalmajor, 1838 dann Feldmarschallleutnant.

Graf Hoyos war kein Berufssoldat, aber er nahm als Freiwilliger der Wiener Landwehr von 1809 bis 1815 an den Napoleonischen Kriegen teil. Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Wien wurde der bereits 70 Jahre alte Hoyos am 14. März 1848 zum Oberkommandanten der Wiener Nationalgarde ernannt, war aber mit seinen eher gemäßigten Methoden nicht in der Lage, Wien zu befrieden. Nach der Revolution zog sich Hoyos ins Privatleben auf sein Schloss bei Horn zurück, wo er am 23. Oktober 1849 einen Reitunfall im benachbarten Mold erlitt und an dessen Folgen verstarb. Eine Gedächtniskapelle an dieser Stelle erinnert heute daran. Vielleicht führt mich an dieser Kapelle auch einmal ein Lauf vorbei.

Bereits im Jahr 1900 wurde die kleine Hoyosgasse nach ihm benannt. Die Hoyosgasse wurde anstelle einer Gartenanlage hinter der Karlskirche angelegt. In der Hoyosgasse befinden sich zwei späthistorische Baublöcke: Der Kreuzherrenhof und das Mietpalais Hoyos-Sprinzenstein.

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf:

Der Resi Hammerer Lauf

Heute wieder einmal ein historischer Lauf in die Innenstadt auf den Spuren der österreichischen Skirennläuferin Therese „Resi“ Hammerer, die heute 101 Jahre alt geworden wäre. Gestorben ist sie allerdings im Juni 2010. Resi Hammerer gewann die Bronzemedaille in der Abfahrt bei den Olympischen Winterspielen 1948, wurde vierfache österreichische Meisterin und gewann mehrere internationale Rennen.

Die Vorarlbergerin Resi Hammerer stammte aus dem Kleinwalsertal. Unter anderem gewann Resi Hammerer im Winter 1948/49 in der Hahnenkammabfahrt von Kitzbühel und belegte dort Rang zwei im Slalom und in der Kombination.

Aufgrund ihrer Verdienste als Skirennläuferin erhielt Hammerer die damals noch notwendige Genehmigung für die Herstellung von Textilien. Nach dem Ende ihrer Skikarriere begann sie mit der Produktion eigener Skibekleidung und eröffnete in Bregenz ein Sport-Mode-Geschäft. In den 1950er- und 1960er-Jahren folgten weitere Filialen in Wien und Linz. Neben der Winterbekleidung wurde sie vor allem für ihre Trachten- und Loden-Kollektionen international bekannt und erhielt mehrere Auszeichnungen.

Nach ihrer Heirat mit einem Wiener Rechtsanwalt zog Therese Hammerer nach Wien. Dort entwickelte sie im Laufe der Zeit eine eigenständige hochwertige Kollektion: „Loden und Sportcouture“. Das Wesentliche an ihren Textilien waren die immer wiederkehrenden Farben, insbesondere das Hammerer-Oliv. Die Teile blieben über viele Saisonen kombinierbar. Sie verwendete in erster Linie hochwertigen österreichischen Loden im Winter und Leinen im Sommer. Die Kollektionen wurden in ihrem Atelier in der Wollzeile 17 entwickelt. Resi Hammerer eröffnete neben dem Ursprungsgeschäft in Bregenz eigene Boutiquen in Wien, Linz und Innsbruck. Die Boutique in Wien befand sich in der Himmelpfortgasse 6, wo sich jetzt neben dem Cafe Frauenhuber eine leere Geschäftsfläche befindet. In Köln und München wurden Geschäfte als Franchise betrieben.

Aufgrund ihres Alters verkaufte sie 1989 ihr Unternehmen an die Mode Holding in München. Von dort übernahm Dr. Peter Frey 1992 die Firma und brachte sie in die Gruppe Lodenfrey ein. (Quelle: https://www.resi-hammerer.com )

Der Resi Hammerer Lauf:

Der Schani Breitwieser Lauf

Eigentlich wollte ich heute ja in die Donaustadt laufen, aber gestern Abend hab ich einen sehr interessanten Artikel über den Robin Hood von Wien gelesen und so begab ich mich auf seine Spuren nach Meidling.

Um Schani Breitwieser ranken sich viele Mythen. Als sicher gilt, dass er am 13. April 1891 in eine bitterarme Familie in Wien Meidling geboren wird. Angeblich hatte er noch 15 Geschwister, sieben sind verbrieft. Die Kinder schlafen auf Strohsäcken, in Waschtrögen. Schani hat in einem Koffer auf Lumpen geschlafen. Die Mutter ist Wäscherin, der Vater Hilfsarbeiter, der nebenbei auf dem Meidlinger Friedhof jobbt. Der Friedhof wird zur Spielwiese der Breitwieser-Bälge. Schani zieht aber bald weiter zum Gatterhölzl, einem kleinen Meidlinger Waldstück, wo zwielichtige Gestalten herumstrolchten.

Schani Breitwieser ist ein schlauer Bursch, aber auch jähzornig und herrschsüchtig. Als er mit 14 Jahren einmal von der versifften Meidlinger Vorstadt in die Wiener Innenstadt schlenderte, wurden ihm die zwei Welten Wiens bewusst. Am 5. Februar 1906 stand Schani erstmals vor einem Richter. Der Richter fragte ihn, warum er mehrere Paare Filzschuhe stehlen wollte. Schani antwortete nur knapp:“ Aus Not.“ Der Bursche kam danach einen Monat ins Gefängnis. Dieses Urteil vor 120 Jahren begründet den Beginn einer glamourösen kriminellen Karriere, die Breitwieser zur Wiener Legende machen wird.

Zwischen Gelegenheitsjobs als Tierpräparator, Markthelfer und Schirmfabrikhelfer dreht Breitwieser seine krummen Dinge bis er in seiner Platte (damals Bezeichnung für Bande) namens „Bruderschaft der schwarzen Larven“ zum Profiverbrecher heranreift. Schani ist brutal, aber gutherzig. Einen großen Teil seiner Beute gibt er Armen weiter.

Er liefert sich Verfolgungsjagden mit der Polizei. Als einmal die Polizei das „Räuber und Gendarm Spiel“ gewonnen hätten, täuscht Schani eine psychische Erkrankung vor um nach Steinhof versetzt zu werden. Wenig später bricht er dort aus. Ein anderes Mal meldet er sich zum Kriegsdienst, um einer Zwangsarbeit zu entgehen, und desertiert am ersten Tag.
Sein größter Coup gelingt ihm am 19. Jänner 1919, als er in die Hirtenberger Waffen- und Munitionsfabrik einbrach. Er stahl dort eine halbe Million Kronen.
Breitwieser wuchs in die Rolle des sozialen Rebellen und Wohltäters. Kurzum, er wurde für die Bevölkerung zu einem symbolträchtigen Hero, der nur stehle um andere zu beschenken.
Drei Monate nach dem Einbruch in die Hirtenberger Fabrik ist Schani tot. Von einem Polizisten wurde er in seiner Villa in St. Andrä-Wördern erschossen. Als er zu Grabe getragen wurde, haben dem Ganoven bis zu 40000 Menschen die letzte Ehre erwiesen. Nur am Begräbnis des Kaisers nahmen mehr Besucher teil als an jenem von Schani Breitwieser.

Der Schani Breitwieser Lauf: