Diesmal war ich bei meinem Morgenlauf auf den Spuren von Dionys Schönecker, der heute 138 Jahre alt geworden wäre. Schönecker beendete mit 22 Jahren seine Fussballkarriere mangels Talent und kümmerte sich fortan als Sektionsleiter um die Geschicke bei Rapid. Er kümmerte sich um Dinge, die heute in den Tätigkeitsbereich von Präsident, Manager, Sportdirektor, Trainer und Scout fallen würden. Der Arbeiterverein war damals nicht so breit aufgestellt wie heute und stand nach über einem Jahrzehnt Spielbetrieb knapp vor dem Aus.
Das Geld war also knapp und Spieler standen vor dem Absprung. Der Platz auf der Schmelz wurde gekündigt, nachdem Rapid längere Zeit keine Miete gezahlt hatte. Schönecker schaffte es trotzdem eine junge und günstige Mannschaft aufzubauen, die mit einem neuen Spielstil, dem Kurzpassspiel, sensationelle Erfolge feierte. Mit Hilfe von Beziehungen und seiner Familie pachtete er die Hütteldorfer Pfarrwiese. Das Stadion plante sein Bruder Eduard.
Die junge Mannschaft gewann völlig überraschend die erste offizielle Meisterschaft, die 1911/12 ausgespielt wurde. Im folgenden Jahr wurde der Titel ohne Niederlage verteidigt. In den 15 Trainerjahren von Dionys Schönecker holte er beeindruckende acht Meistertitel. Als Sektionsleiter blieb er dem Verein bis zu seinem frühen Tod, er erlag 1938 einer Bauchfellentzündung, erhalten.
Schönecker war neben der Rapid auch Geschäftsführer eines feinen Herrenausstatters in der Innenstadt und war stets adrett gekleidet. Das half dem von der Schmelz zugezogenen Repräsentanten eines Arbeitervereins die auch damals schon nobleren Bewohner des 14. Bezirks für die Rapid zu gewinnen. Schönecker konnte die noblen Penzinger in das Arbeitermilieu einbinden, indem er sie als „geistige Arbeiter“ adelte.
Der Dionys Schönecker Lauf:

