Der Erich Fried Lauf

Der Erich Fried Lauf

Heute war ich auf den Spuren des Schriftstellers Erich Fried unterwegs, der heute seinen 105. Geburtstag gehabt hätte. Letztendlich waren es doch 11 Kilometer, aber die haben gut getan. Wenn ich bei einer seiner Wohnadressen, Alserbachstraße 11, nicht vorbei gekommen wäre und mir das Haus nicht genauer angesehen hätte, hätte ich wohl nie den ersten Baummieter Österreichs entdeckt, der 1981 in eine Wohnung an dieser Adresse gepflanzt wurde. Ich bin mit Sicherheit schon relativ oft hier vorbei, aber den Baum, der aus dem Fenster wächst, habe ich vorher noch nie gesehen.

Erich Fried war das einzige Kind einer jüdischen Familie, der Vater war Spediteur und die Mutter Grafikerin. Fried besuchte das Gymnasium in der Wasagasse. Sein Vater starb bereits im Mai 1938 nach den Folgen einer Folter durch die Gestapo. Auf der Adresse Alserbachstraße 11 befindet sich auch eine Gedenktafel seines Vaters und einiger anderer Bewohner des Hauses, die im 2. Weltkrieg gestorben sind.

Daraufhin emigrierte Erich Fried über Belgien nach London, wo er bis zu seinem Tod wohnte. Er gründete dort die Selbsthilfegruppe Emigrantenjugend, der es gelang, viele Gefährdete, darunter auch seine Mutter, nach England zu bringen. Nach 1945 arbeitete er als politischer Kommentator für den German Service der BBC. Seine politische Botschaft war der Antistalinismus und er offenbarte eine kritische Haltung gegenüber der DDR.

Seine politische Lyrik beeindruckte und war umstritten. Zum einen war er der geehrte Dichter, der 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Gießen erhielt, zum anderen der scharfe öffentliche Kritiker politischer Zustände, der wegen seiner Aussagen verklagt wurde. Frieds Gedichtbände fanden auch in den 1970er Jahren ein breites Publikum. Sie begleiteten die Entwicklung linker, alternativer Bewegungen in der BRD, teilweise aber auch durchaus kritisch. Er unterstützte die Friedensbewegung und begrüßte die Perestroika Gorbatschows.

Seine Erzählung „Der große Tag von Linz“, die erst 1986 publiziert wurde, wurde während der Waldheim-Affäre zu einem wichtigen Zeitdokument, das die späte kritische Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich förderte. In dieser Erzählung erinnert sich Fried an den 12. März 1938 und die Live-Radioübertragung von Hitlers Triumphzug von Passau nach Linz, die er mit seinem Vater in deren Wiener Wohnung in der Alserbachstraße 11 wie gelähmt verfolgte. Sie existiert heute als Hörspiel und wird bei passenden Anlässen als Zeitdokument im Radio oft wiederholt.

Der Erich Fried Lauf:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert