Monat: November 2025

Der Walter Absil Lauf

Der heutige Morgenlauf ging durch das graue Wien, diesmal eher locker und langsam unterwegs. Wieder ging es in den dritten Bezirk, wo Walter Absil in der Bechardgasse 16 aufgewachsen ist. Walter Absil war ein österreichischer Holocaust-Überlebender, der nach Kanada ausgewandert ist. Vor dem Marxer-Hof in der Bechardgasse findet man leider keine Gedenktafeln oder Stolpersteine. Seine Eltern sind über das Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert worden, wo sie gleich nach der Ankunft vergast wurden.

Otto und Margarethe Bondy (der ursprüngliche Nachname von Walter war Bondy) lebten mit ihren Kindern Walter und Lieselotte in einer gutbürgerlichen Wohnung in Wien-Landstraße, Bechardgasse 16. Der Vater betrieb dort eine kleine Firma für Ledergürtel. Sein Sohn Walter beschrieb das Leben seiner Familie in Wien vor 1938 so: „Wir waren eine liberale jüdische ,middle class-family‘. Das frühere Leben in Wien, damals eine der lebendigsten Städte Europas wie Paris oder London, habe ich in angenehmer Erinnerung. Meine Schwester und ich hatten ein Kindermädchen, das mit uns in den Park ging, eine Haushaltshilfe unterstützte meine Mutter.“

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland verließ die Familie die Stadt Richtung Belgien. Nach der deutschen Invasion in Belgien wurde Walters Schule, die nur jüdische Kinder besuchten, sofort geschlossen. 1942 verhalf der Famile ein Schulfreund von Walter, dessen Vater Kommunist war und Verbindungen zum Widerstand hatte, zu einem Versteck in einem gemieteten Warenlager, das zum Wollgeschäft seiner Mutter gehörte. Schließlich versteckten die Lebruns, wie die Quartiergeber hießen, Otto und Margarethe Bondy sowie deren Kinder. Augusta Absil, die Tante von Frau Lebrun, adoptierte Walter, um ihm die belgische Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Aus Walter Bondy wurde nun Walter Siegfried Absil, wegen des Kontaktes zu seiner Wiener Familie lebte er weiter versteckt.

Eines Tages entdeckte Frau Lebruns Vermieter, dass sie den Lagerraum nicht, wie angegeben, als zweites Geschäft nutzte, sondern dort eine Familie versteckt hielt. Der Vermieter verriet die Familie Bondy zwar nicht, sie musste sich allerdings nach einer neuen Unterkunft umsehen. Im September 1943 wurden Otto und Margarethe Bondy im neuen Versteck verhaftet. Ihre Kinder Walter und
Lieselotte waren zu diesem Zeitpunkt zufälligerweise nicht anwesend, was deren Glück war.

Der Walter Absil Lauf:

Der Hans Holt Lauf

Sehr schöner Morgenlauf. Windig, bewölkt und kalt, was will man mehr. Sonnenaufgang gab’s halt keinen heute. Heute ging’s in die Dianagasse 5, wo der Schauspieler Hans Holt aufgewachsen ist, der heute seinen 116. Geburtstag gehabt hätte. Bevor er an der Akademie für Musik und darstellende Kunst inskribierte, wollte er Turnlehrer werden.

Über die Stadttheater Reichenberg und Mährisch-Ostrau kam er an die Wiener Scala, das Renaissance Theater in Berlin, das Theater an der Wien und 1940 schließlich an das Theater in der Josefstadt, wo er mit Unterbrechungen bis 1988 engagiert war. Noch bevor er an die Josefstadt kam wurde Hans Holt auch für den Film entdeckt, wo er besonders als „Musensohn“ eingesetzt wurde. So spielte er beispielsweise 1942 in „Brüderlein fein“ Ferdinand Raimund und in „Wen die Götter lieben“ den Mozart mit impulsiven Gefühlsbewegungen.

Mit Paula Wessely, Attila und Paul Hörbiger und Hans Moser gehörte Hans Holt zu den beliebtesten Wiener Filmdarstellern. In Serien wie „Die liebe Familie“ und „Der Leihopa“ mit Alfred Böhm hat sich Hans Holt ein breites Fernsehpublikum erobert. Gestorben ist Hans Holt als 91jähriger nach einer schweren Krankheit im Hilde Wagener-Künstlerheim in Baden bei Wien.

Alfons Haider, ein Freund der Familie Holt, sprach über ihn folgendes: „Hans Holt war wahrscheinlich der letzte große österreichische Schauspieler und er war als Mensch ein unvorstellbares Juwel. Was ihn gebrochen hat, das war der Abgang aus der ‚Josefstadt‘. Der war nicht ‚koscher‘.“ https://www.derstandard.at/story/669235/schauspiel-legende-hans-holt-verstorben

Der Hans Holt Lauf:

Der Adolf Anton Wohlbrück Lauf

Kalt und Sonne, optimales Wetter für einen kurzen Morgenlauf nach Wien Hernals, wo in der Jörgerstraße 32 mit Adolf Anton Wohlbrück „der berühmteste Frauenkenner“ zwischen London und Wien geboren ist. Er galt als „schönster Mann des deutschen Films“ und begann seine Karriere an den Bühnen von München und Berlin. Im Weimarer Tonfilm avancierte er zum Hauptdarsteller und Star. Der Max-Reinhardt-Schüler, bei dem immer ein leichter Hauch von Ironie mitschwang, wusste, wie man mit glühenden Blicken und Handküssen Herzen brach. Seine Paraderolle war die des elegant-unterkühlten Liebhabers.

Wohlbrück war überzeugter Nazigegner und Sohn einer jüdischen Mutter, der seine Homosexualität nicht verheimlichte. Deshalb emigrierte er auch 1937 nach London und nannte sich in Anton Walbrook um. Auch im Exil setzte er sich aktiv für jüdische Schauspieler und „nichtarische“ Angehörige deutscher Schauspieler ein, entweder finanziell oder er verhalf ihnen zur Flucht.

Im englischsprachigen Exil verzeichnete er beachtliche Erfolge. Eine seiner ersten Rollen war Prinz Albert im 1937 erschienenen Historienfilm Königin Viktoria. In dem britischen Psychothriller „Gaslight“ übernahm Walbrook die für ihn ungewöhnliche Rolle eines Mörders, der seine Ehefrau manipulierte, um sie nach und nach in den Wahnsinn zu treiben. Adolf Wohlbrück war mit dem Maler Ferdinand Finne liiert, den er 1938 auf einer Zugfahrt in Frankreich kennen gelernt hatte. Die Beziehung endete 1946, nachdem Wohlbrück eine Affäre mit dem Engländer Eugene Edwards begonnen hatte. Mit dem gut 30 Jahre jüngeren Mann, dem er einen Blumenladen einrichtete, blieb Wohlbrück bis zu seinem Tod verbunden. ( https://kurier.at/kultur/retro-ueber-schauspieler-adolf-wohlbrueck-im-filmarchiv-der-beruehmteste-frauenkenner-zwischen-wien/401804335 )

Der Adolf Anton Wohlbrück Lauf:

Der Emanuel Aloys Förster Lauf

Emanuel Aloys Förster war ein österreichischer Musikpädagoge und Komponist. Schon als Jugendlicher komponierte Förster Konzerte und Sonaten nach seinem Gehör. In Wien heiratete er Eleonore von Reczka, wodurch er Kontakte zu Wiener Adelshäusern erhielt. Dadurch wurde natürlich auch seine Bekanntheit gefördert. Die Familie Förster bekam 5 Kinder und lebte in der Judengasse 11. Tochter Eleonore wurde ebenfalls eine bekannte Pianistin.

Mit Mozart und Haydn pflegte er einen freundschaftlichen Umgang. Den 22 Jahre jüngeren Ludwig von Beethoven lernte er beim Fürsten Karl Lichnowsky kennen. Beethoven führte ihm auch Schüler zu. Ab 1800 veranstaltete Förster regelmäßig Hauskammermusikabende. Ludwig van Beethoven lernte er 1802 kennen, als er in Beethovens Wohnhaus am Petersplatz einzog. Auf Drängen von Beethoven veröffentlichte Förster das pädagogische Lehrwerk „Anleitung zum Generalbaß“.

Der Emanuel Aloys Förster Lauf:

Der Hansi Niese Lauf

Am 150. Geburtstag der Schauspielerin und Sängerin Hansi Niese verlief mein heutiger Morgenlauf wieder einmal durch Schönbrunn in die Speisinger Straße und dann noch den Hansi Niese Weg rauf zum ORF Zentrum. Das Geburtshaus von Hansi Niese befindet sich in der Kollergerngasse 3 in Mariahilf. Diese Adresse gibt es heute aber nicht mehr. Die gesamte Straßenseite wird von den Flagship Stores von Hema und Adidas besetzt.

Mit ihren Eltern wohnte sie später in einem Haus in der Speisinger Straße 28, wo sich auch eine Gedenktafel befindet. Bereits als 11jährige stand sie in einem Speisinger Gasthaus bereits auf der Bühne. Hansi Niese nahm niemals Schauspielunterricht und trotzdem trat sie schon früh in Schwenders Vergnügungsetablissement am Braunhirschengrund auf.
Hansi Niese trat in zahlreichen Operetten und volkstümlichen Stücken auf. Bald wurde sie zum Publikumsliebling. Durchschlagende Erfolge, unter anderem als Anna Birkmeier im „Pfarrer von Kirchfeld“ von Ludwig Anzengruber und als Rosl (an der Seite von Alexander Girardi) in Ferdinand Raimunds „Verschwender“, trieben ihre Karriere voran. Ihr Ehemann Josef Jarno, den sie in Budapest geheiratet hatte, übernahm später die Leitung des Volkstheaters. Daher ging sie auch auf die Bühne des Volkstheaters, wo sich auch ein Denkmal von Hansi Niese befindet.

Auch in männlichen Rollen begeisterte sie, wie beispielsweise als Knieriem in „Lumpazivagabundus“ oder als Willibald in „Die schlimmen Buben in der Schule“, beide von Johann Nestroy.

Als ihr Ehemann Josef Jarno zwei Jahre vor ihr starb, ließ er sie mit einer enormen Schuldenlast zurück und sie zog sich in bescheidene Verhältnisse zurück. Sie unternahm noch einige Gastspielreisen und widmete sich der Filmtätigkeit. Am 4. April 1934 brach sie im Foyer des Konzerthauses zusammen und starb auf dem Transport ins Sanatorium Loew.

Hansi Niese wurde immer wieder als „echte Wiener Schauspielerin“ beschrieben. Sobald sie eine Bühne betrat, strahlte sie eine herzliche Gemütlichkeit aus. Beliebt war sie auch für ihre komödiantischen Darstellungen und dem Schneiden von Grimassen. Auch einfache Gesten oder Handbewegungen von ihr sollen beim Publikum schon zu Gelächter geführt haben. Oft wurde sie deshalb auch als „weiblicher Clown“ bezeichnet. Für sie wurden auch eigene Theaterstücke geschrieben, die sogenannten Niese-Stücke, in denen sie das Publikum in Sekundenschnelle vom Lachen zum Weinen bringen konnte.

Der Hansi Niese Lauf:

Der Dominik Avanzo Lauf

Am Wochenende ging sich wieder einmal ein Long Run aus auf den Spuren des Architekten Dominik Avanzo, der heute seinen 115. Todestag hat. Die Familie von Dominik Avanzo stammte ursprünglich aus Südtirol. Er ist in Köln aufgewachsen, wo die Familie eine Papierhandlung und einen Kunstverlag betrieb. Nach dem Besuch der Architekturschule in Wien und einigen Studienreisen, ging Avanzo 1874 nach Wien ins Atelier von Friedrich von Schmidt, der damals bereits Dombaumeister des Wiener Stephansdomes war.

Einige Jahre später wurde Avanzo Professor am Technologischen Gewerbemuseum Wien. Zuerst war Avanzo Kunsttischler und wurde oft mit Innenausstattungen betraut. Avanzo war Restaurator von gotischen Kirchen. In Heiligenkreuz und Lilienfeld hat er die barocken Einbauten mit „stilgerechten“ neugotischen ersetzt. In Wien entwarf er die Schulgebäudekomplexe in der Hegelgasse 14, das Anatomische Institut in der Währinger Straße 13 und auch das populäre Einkehrwirtshaus „Zur goldenen Schnepfe“ in der Dornbacher Straße 88. Villen in Kaltenleutgeben entwarf er genauso wie Denkmale, wie beispielsweise das Ritter-von-Ghega-Grabdenkmal am Wiener Zentralfriedhof.

Dominik Avanzo war ein Architekt, der strikt der Tradition verpflichtet war. Daher findet man bei ihm kaum innovative Gestaltungselemente. Seine Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Anforderungen zeigt sich oft aber doch, wie etwa beim Bauvorhaben am Anatomischen Institut.

Der Dominik Avanzo Lauf:

Der Felix Braun Lauf

Zum 140. Geburtstag des Schriftstellers Felix Braun gab es heute einen flotteren Morgenlauf durch den 7. und 8. Bezirk, wo er in der Josefstädter Straße 87, in der Lammgasse 9 und in der Breitegasse 17 wohnte. In Döbling gibt es auch noch eine Felix Braun Gasse.

Felix Braun war das erste Kind von Karoline Braun und dem späteren Aufsichtsratspräsidenten der Ankerbrotfabrik Eduard Braun. Bereits im Gymnasium zeigte ihm sein Deutschlehrer den Weg zu seinem späteren Beruf. Erste Gedichte folgten bereits während des Studiums in diversen Zeitungen. Auch seinen ersten Roman hatte er bald fertig, doch er entschied sich vorerst doch für den Beruf als Journalist. Mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit hatte er schon während des ersten Weltkriegs Erfolg, und trotzdem entschied er sich oft auch für eine Festanstellung. So nahm er 1918 den Beruf als Lektor im Münchner Verlag von Georg Müller an. Dort verkehrte er mit literarischen Größen wie Hans Carossa, Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke.

Im Jahr 1927 erschien Brauns größtes Werk, der tausendseitige Roman „Agnes Altkircher“ über den Zusammenbruch der Donaumonarchie. 1939 flüchtete Felix Braun vor den Nationalsozialisten ins englische Exil, wohin ihn seine Schwester und seine Stiefmutter begleiteten. In England konnte er auf seine langjährige Lehrerfahrung zurückgreifen und wurde Volkshochschul-Dozent für Kunstgeschichte und Literatur in Durham, Oxford, Liverpool und London. Nach seiner Rückkehr nach Österreich im Jahr 1951 wurde er Dozent für Kunstgeschichte, Theater und dramatische Kunst am Reinhardt-Seminar. In der Nachkriegszeit erschienen auch zwei bis heute populäre Buchtitel, wo Braun allerdings als Herausgeber fungierte: „Der tausendjährige Rosenstrauch“ (Wien 1949) und „Die Lyra des Orpheus“ (Wien 1952). Von Brauns Freundschaften wie etwa zu Stefan Zweig erfährt man in seiner Autobiografie „Das Licht der Welt“ sowie in dem Band „Zeitgefährten“.

Der Felix Braun Lauf:

Der Franz von Zahlheim Lauf

Bei schönem Laufwetter gab es heute einen etwas ungewöhnlichen Lauf auf den Spuren eines Mörders durch den ersten Bezirk. Der Heiratsschwindler, Dieb und Mörder Franz von Zahlheim war in Österreich der letzte, der gerädert wurde. Dabei wurden dem Betroffenen mit einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen um sie danach zwischen die Radspeichen zu flechten und zur Absprechung auszustellen. Franz von Zahlheim wurde damit von der Schranne am Hohen Markt bis zur Hinrichtungsstätte am Rabenstein (Türkenstraße/Ecke Schlickplatz gebracht.

Von Zeitgenossen wurde Franz von Zahlheim wie folgt beschrieben: „… ein äußerst leichtsinniger und kolerischer Junge, in allen seinen Leidenschaften heftig, immer aber mehr ein Spiel der düsteren Affekten, nämlich: des Zorns, Furcht, Schwermuth, als den sanfteren Empfindungen“.

Seine Mutter starb 9 Tage nach seiner Geburt und da sein Vater mit der Erziehung überfordert war, schickte dieser ihn mit 16 Jahren in eine Jesuitenschule. Ab April 1776 war Franz von Zahlheim Praktikant und Kanzleianwärter beim Magistrat der Stadt Wien. Man rechnete ihm hohe Karrierechancen an und ab 1783 verdiente er 400 Gulden im Jahr als Beamter. Zuvor arbeitete er aber 8 Jahre als Praktikant ohne Verdienst, musste sich oft wegen Krätze im Spital behandeln lassen und pflegte einen gehobenen Lebensstil. Daher reichte sein Geld oft nicht und er verbrachte viel Zeit in Spelunken und beim Glücksspiel.

1776 lernte er auch Josefa Ambrokin, eine ehemalige Prostituierte, die von ihren ansehnlichen Ersparnissen lebte. Sie lebte im Haus neben Franz von Zahlheim, wo er mit seinem Vater lebte. Nach dem Tod seines Vaters erbte er kaum etwas, und er musste das Haus räumen. Er versprach Josefa Ambrokin die Ehe um sich ihr Vermögen zu sichern. Einige seiner Schulden zahlte sie, aber sie weigerte sich natürlich, alle seine Schulden zu übernehmen.

Eines Tages entwendete von Zahlheim eine größere Summe von Josefa Ambrokin, um Spitalskosten zu decken. Josefa Ambrokin fiel der Diebstahl nicht auf, doch er beschloss sie zu töten, da er den Diebstahl so verbergen wollte. Er lud Ambrokin in seine Wohnung in die Neutorgasse ein. Später ging sie auf seinen Dachboden um sich etwas auszuleihen. Zusätzlich räumte sie diesen auch auf. Als sie sich über eine Truhe lehnte, attackierte sie Zahlheim von hinten und schnitt ihr die Kehle mit einem Küchenmesser durch.

Erst zwei Wochen später wurde Ambrokins Verschwinden von ihrer Schwester der Polizei gemeldet und durch sein seltsames Verhalten geriet Zahlheim schnell in Verdacht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man die Leiche und den Rest des gestohlenen Bargelds. Der Fall gilt als einer der ersten Beispiele von systematischer Polizeiarbeit in Wien.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Prozess um Zahlheim im kollektiven Gedächtnis der Österreicher und er erhielt den Spitznamen „dernière roué de l’autriche“ (franz. das letzte Rad Österreichs). Die häufige Diskussion um Zahlheims Hinrichtung führte zudem dazu, dass man seine Straftat häufig verharmloste oder sogar sein Opfer, Josefa Ambrokin, ignorierte. Es gab dazu auch eine Vielzahl an Dramen und literarischen Verarbeitungen.

Der Franz von Zahlheim Lauf:

Der Curt Herzstark Lauf

Curt Herzstark, der Erfinder des ersten Taschenrechners der Welt, starb heute vor 37 Jahren in Liechtenstein. Sein Geburtshaus befindet sich in der Kopernikusgasse 10 im 6. Bezirk, wo sich keine Gedenktafel befindet. Sein Vater gründete die Firma Rechenmaschinenwerk Austria, Herzstark & Co., die ihren Sitz ab 1912 in der Linken Wienzeile 274 hatte. Obwohl Curt Herzstark sehr musikalisch war, sah ihn sein Vater in der Firma. Schon als Volksschüler konnte er in der Firma seines Vaters „basteln“. Schon alls Achtjähriger führte er auf der Internationalen Büroausstellung 1910 in Wien die Rechenmaschine Austria Modell III vor.

1924 nach seinen Ausbildungen trat er in den elterlichen Betrieb in der Wienzeile ein und war unter anderem als Konstrukteur tätig. Sein Vater starb 1937 und Curt sollte die Geschäftsführung übernehmen. Da Curt aber nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Halbjude“ galt, führte die Mutter die Firmal als Alleinerbin weiter, um diese vor der „Arisierung“ zu schützen. Berühmt wurde Curt durch die Erfindung des nach ihm benannten Curta, der kleinsten mechanischen Rechenmaschine der Welt, die von 1948 bis 1972 produziert wurde. 1943 wurden zwei seiner Arbeiter verhaftet, weil sie englische Sender gehört hatten und die Nachrichten vervielfältigt hatten. Curt Herzstark intervenierte deshalb bei der Gestapo und wurde deshalb selbst ins KZ Buchenwald deportiert.

Aufgrund seiner technischen Spezialkenntnisse kam er in das dem Lager angeschlossene Gustloff-Werk, wo er die Herstellung feinmechanischer Präzisionsteile für die Rüstungsmaschinerie beaufsichtigen musste. Curt Herzstark rettete vielen das Leben, indem er sie für die Fabrik als Arbeitskraft anforderte. Neben seiner Tätigkeit im Gustloff-Werk sollte er aber auch an der Umsetzung seiner Erfindung Curta arbeiten, damit man diese nach dem Ende des Krieges Adolf Hitler als Geschenk überreichen konnte. Curt Herzstark arbeitete daran aber so lang, dass er erst mit Ende des Krieges fertig wurde, was ihm vermutlich auch das Leben rettete. Im November 1945 floh er nach Wien, aus Angst, dass er aufgrund seiner fachlichen Expertise nach Russland deportiert werden könnte.

Nach Familienstreitigkeiten und der erfolglosen Suche nach Sponsoren für seine Erfindung zog Herzstark 1946 in Liechtenstein, wohin ihn Fürst Franz Joseph II. von Liechtenstein eingeladen hatte. Dort wurde für die Produktion der Curta die Firma Contina Bureaux und Rechenmaschinenfabrik in Mauren gegründet, Herzstark sollte Direktor werden. Im Herbst 1948 begann die Serienproduktion der Curta. 1965 wurde Contina an die Firma Hilti verkauft, die die Curta als einziges Produkt der Firma Contina weiter produzierte, bis sie 1972 von elektronischen Taschenrechnern eingeholt wurde.

Der Curt Herzstark Lauf

Der Adalbert Stifter Lauf

Nach dem 27 Kilometer vom Wolfgangsee erstmals wieder gelaufen zum 220. Geburtstag von Adalbert Stifter, dem Lieblingsschriftsteller meines ehemaligen Deutschlehrers. Adalbert Stifter Laufrunden könnte ich in Wien drei machen, hab mich diesmal aber nur auf ehemalige Wohnungen des Schriftstellers konzentriert. In der Brigittenau gäbe es noch eine Adalbert Stifter Straße und auf der Sofienalpe ein Denkmal. Eventuell dann beim nächsten Mal.

Nachdem Adalbert Stifter das Stiftsgymnasium Kremsmünster besuchte, begann er 1826 ein Studium der Rechte in Wien. Das Studium finanzierte er sich als Hauslehrer. Aufgrund einer unglücklichen Liebesbeziehung, die er mit Alkohol zu verdrängen versuchte, musste er sein Studium abbrechen. Da er immer öfters in finanziellen Schwierigkeiten steckte, musste er seinen Verleger um Vorschüsse bitten. Ab 1851 wurde er aber sogar Schulrat in Linz und später Hofrat. Diesen Posten erhielt er aufgrund seinen guten Beziehungen zu Metternich, da er seinen Sohn Richard drei Jahre als Hauslehrer unterrichtet hatte.

Nach seiner unglücklichen Liebe zu Fanny heiratete er die Putzmacherin Amalia Mohaupt. Über 30 Jahre waren die beiden verheiratet, die Kinderlosigkeit belastete das Paar aber schwer. Deshalb nahmen die Stifters Juliane, eine Nichte von Amalia als Ziehtochter auf. Die Ziehtochter riss aber mehrmals von zuhause aus. Als sie einmal mehrere Tage verschwunden war, fand man letztendlich ihre Leiche in der Donau. Ob Unfall oder Selbstmord blieb für immer ungeklärt. Der Verlust traf die Stifters schwer.

Gegen Ende der 1850er Jahre verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Adalbert Stifter schwer. Er nutzte öfters Kuraufenthalte und konnte auch seinen Lehrberuf nicht mehr ausüben. Stifter galt auch als übermäßiger Esser und Trinker, was seiner Gesundheit auch schadete. Von einem Wiener Freund ließ er sich regelmäßig Lahners Frankfurter Würstel senden. Stifter hat für gewöhnlich täglich sechs Mahlzeiten gegessen und es kam nicht selten vor, dass sein zweites Frühstück bereits ein Schnitzel mit Erdäpfelsalat war. Aufgrund einer Leberzirrhose fügte er sich in einem Spital eine Schnittwunde zu, durch die er letztendlich verstorben ist.

Adalbert Stifter gilt als Meister der biedermeierlichen Naturdarstellungen. Stifter hat die ländliche Lebenswelt in seinen Werken als Idylle idealisiert. Seine erste Nacht in Wien verbrachte Stifter im Gasthof „Roter Hahn“ (3, Landstraße Hauptstraße 40), das seit 2007 leer steht. Das Haus war eines der ältesten Wirtshäuser im dritten Bezirk. Das Haus in der Landstraßer Hauptstraße soll saniert werden. Nach Angaben der Baupolizei wird im Hof des Gebäudes ein Einfamilienhaus errichtet. Für die Zufahrt der Baufahrzeuge musste bereits die Hauseinfahrt des Straßentraktes vergrößert werden. Ein Totalabriss des Hotels kommt für den Eigentümer Alexander Proschofsky nach wie vor nicht in Frage. „Wir planen eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Apartments, Gewerbe und Geschäften, wie dies auch früher der Fall war“, erklärt er.

Seine letzte Wiener Wohnung, die er 1848 räumte, befand sich im vierten Stock der Seitenstettengasse 2. Dazwischen lebte er in Wien in 15 Wohnungen, wo er meist kurzweilig lebte, unter anderem zum Beispiel in der Beatrixgasse 4b. Die Sommermonate verbrachte er in Oberplan, Friedberg oder in Linz.

Der Adalbert Stifter Lauf: