Schlagwort: Meidlinger Friedhof

Der Schani Breitwieser Lauf

Eigentlich wollte ich heute ja in die Donaustadt laufen, aber gestern Abend hab ich einen sehr interessanten Artikel über den Robin Hood von Wien gelesen und so begab ich mich auf seine Spuren nach Meidling.

Um Schani Breitwieser ranken sich viele Mythen. Als sicher gilt, dass er am 13. April 1891 in eine bitterarme Familie in Wien Meidling geboren wird. Angeblich hatte er noch 15 Geschwister, sieben sind verbrieft. Die Kinder schlafen auf Strohsäcken, in Waschtrögen. Schani hat in einem Koffer auf Lumpen geschlafen. Die Mutter ist Wäscherin, der Vater Hilfsarbeiter, der nebenbei auf dem Meidlinger Friedhof jobbt. Der Friedhof wird zur Spielwiese der Breitwieser-Bälge. Schani zieht aber bald weiter zum Gatterhölzl, einem kleinen Meidlinger Waldstück, wo zwielichtige Gestalten herumstrolchten.

Schani Breitwieser ist ein schlauer Bursch, aber auch jähzornig und herrschsüchtig. Als er mit 14 Jahren einmal von der versifften Meidlinger Vorstadt in die Wiener Innenstadt schlenderte, wurden ihm die zwei Welten Wiens bewusst. Am 5. Februar 1906 stand Schani erstmals vor einem Richter. Der Richter fragte ihn, warum er mehrere Paare Filzschuhe stehlen wollte. Schani antwortete nur knapp:“ Aus Not.“ Der Bursche kam danach einen Monat ins Gefängnis. Dieses Urteil vor 120 Jahren begründet den Beginn einer glamourösen kriminellen Karriere, die Breitwieser zur Wiener Legende machen wird.

Zwischen Gelegenheitsjobs als Tierpräparator, Markthelfer und Schirmfabrikhelfer dreht Breitwieser seine krummen Dinge bis er in seiner Platte (damals Bezeichnung für Bande) namens „Bruderschaft der schwarzen Larven“ zum Profiverbrecher heranreift. Schani ist brutal, aber gutherzig. Einen großen Teil seiner Beute gibt er Armen weiter.

Er liefert sich Verfolgungsjagden mit der Polizei. Als einmal die Polizei das „Räuber und Gendarm Spiel“ gewonnen hätten, täuscht Schani eine psychische Erkrankung vor um nach Steinhof versetzt zu werden. Wenig später bricht er dort aus. Ein anderes Mal meldet er sich zum Kriegsdienst, um einer Zwangsarbeit zu entgehen, und desertiert am ersten Tag.
Sein größter Coup gelingt ihm am 19. Jänner 1919, als er in die Hirtenberger Waffen- und Munitionsfabrik einbrach. Er stahl dort eine halbe Million Kronen.
Breitwieser wuchs in die Rolle des sozialen Rebellen und Wohltäters. Kurzum, er wurde für die Bevölkerung zu einem symbolträchtigen Hero, der nur stehle um andere zu beschenken.
Drei Monate nach dem Einbruch in die Hirtenberger Fabrik ist Schani tot. Von einem Polizisten wurde er in seiner Villa in St. Andrä-Wördern erschossen. Als er zu Grabe getragen wurde, haben dem Ganoven bis zu 40000 Menschen die letzte Ehre erwiesen. Nur am Begräbnis des Kaisers nahmen mehr Besucher teil als an jenem von Schani Breitwieser.

Der Schani Breitwieser Lauf: