Schlagwort: Franz von Zahlheim

Der Franz von Zahlheim Lauf

Bei schönem Laufwetter gab es heute einen etwas ungewöhnlichen Lauf auf den Spuren eines Mörders durch den ersten Bezirk. Der Heiratsschwindler, Dieb und Mörder Franz von Zahlheim war in Österreich der letzte, der gerädert wurde. Dabei wurden dem Betroffenen mit einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen um sie danach zwischen die Radspeichen zu flechten und zur Absprechung auszustellen. Franz von Zahlheim wurde damit von der Schranne am Hohen Markt bis zur Hinrichtungsstätte am Rabenstein (Türkenstraße/Ecke Schlickplatz gebracht.

Von Zeitgenossen wurde Franz von Zahlheim wie folgt beschrieben: „… ein äußerst leichtsinniger und kolerischer Junge, in allen seinen Leidenschaften heftig, immer aber mehr ein Spiel der düsteren Affekten, nämlich: des Zorns, Furcht, Schwermuth, als den sanfteren Empfindungen“.

Seine Mutter starb 9 Tage nach seiner Geburt und da sein Vater mit der Erziehung überfordert war, schickte dieser ihn mit 16 Jahren in eine Jesuitenschule. Ab April 1776 war Franz von Zahlheim Praktikant und Kanzleianwärter beim Magistrat der Stadt Wien. Man rechnete ihm hohe Karrierechancen an und ab 1783 verdiente er 400 Gulden im Jahr als Beamter. Zuvor arbeitete er aber 8 Jahre als Praktikant ohne Verdienst, musste sich oft wegen Krätze im Spital behandeln lassen und pflegte einen gehobenen Lebensstil. Daher reichte sein Geld oft nicht und er verbrachte viel Zeit in Spelunken und beim Glücksspiel.

1776 lernte er auch Josefa Ambrokin, eine ehemalige Prostituierte, die von ihren ansehnlichen Ersparnissen lebte. Sie lebte im Haus neben Franz von Zahlheim, wo er mit seinem Vater lebte. Nach dem Tod seines Vaters erbte er kaum etwas, und er musste das Haus räumen. Er versprach Josefa Ambrokin die Ehe um sich ihr Vermögen zu sichern. Einige seiner Schulden zahlte sie, aber sie weigerte sich natürlich, alle seine Schulden zu übernehmen.

Eines Tages entwendete von Zahlheim eine größere Summe von Josefa Ambrokin, um Spitalskosten zu decken. Josefa Ambrokin fiel der Diebstahl nicht auf, doch er beschloss sie zu töten, da er den Diebstahl so verbergen wollte. Er lud Ambrokin in seine Wohnung in die Neutorgasse ein. Später ging sie auf seinen Dachboden um sich etwas auszuleihen. Zusätzlich räumte sie diesen auch auf. Als sie sich über eine Truhe lehnte, attackierte sie Zahlheim von hinten und schnitt ihr die Kehle mit einem Küchenmesser durch.

Erst zwei Wochen später wurde Ambrokins Verschwinden von ihrer Schwester der Polizei gemeldet und durch sein seltsames Verhalten geriet Zahlheim schnell in Verdacht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man die Leiche und den Rest des gestohlenen Bargelds. Der Fall gilt als einer der ersten Beispiele von systematischer Polizeiarbeit in Wien.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Prozess um Zahlheim im kollektiven Gedächtnis der Österreicher und er erhielt den Spitznamen „dernière roué de l’autriche“ (franz. das letzte Rad Österreichs). Die häufige Diskussion um Zahlheims Hinrichtung führte zudem dazu, dass man seine Straftat häufig verharmloste oder sogar sein Opfer, Josefa Ambrokin, ignorierte. Es gab dazu auch eine Vielzahl an Dramen und literarischen Verarbeitungen.

Der Franz von Zahlheim Lauf: