Kategorie: Unternehmen

Der Curt Herzstark Lauf

Curt Herzstark, der Erfinder des ersten Taschenrechners der Welt, starb heute vor 37 Jahren in Liechtenstein. Sein Geburtshaus befindet sich in der Kopernikusgasse 10 im 6. Bezirk, wo sich keine Gedenktafel befindet. Sein Vater gründete die Firma Rechenmaschinenwerk Austria, Herzstark & Co., die ihren Sitz ab 1912 in der Linken Wienzeile 274 hatte. Obwohl Curt Herzstark sehr musikalisch war, sah ihn sein Vater in der Firma. Schon als Volksschüler konnte er in der Firma seines Vaters „basteln“. Schon alls Achtjähriger führte er auf der Internationalen Büroausstellung 1910 in Wien die Rechenmaschine Austria Modell III vor.

1924 nach seinen Ausbildungen trat er in den elterlichen Betrieb in der Wienzeile ein und war unter anderem als Konstrukteur tätig. Sein Vater starb 1937 und Curt sollte die Geschäftsführung übernehmen. Da Curt aber nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Halbjude“ galt, führte die Mutter die Firmal als Alleinerbin weiter, um diese vor der „Arisierung“ zu schützen. Berühmt wurde Curt durch die Erfindung des nach ihm benannten Curta, der kleinsten mechanischen Rechenmaschine der Welt, die von 1948 bis 1972 produziert wurde. 1943 wurden zwei seiner Arbeiter verhaftet, weil sie englische Sender gehört hatten und die Nachrichten vervielfältigt hatten. Curt Herzstark intervenierte deshalb bei der Gestapo und wurde deshalb selbst ins KZ Buchenwald deportiert.

Aufgrund seiner technischen Spezialkenntnisse kam er in das dem Lager angeschlossene Gustloff-Werk, wo er die Herstellung feinmechanischer Präzisionsteile für die Rüstungsmaschinerie beaufsichtigen musste. Curt Herzstark rettete vielen das Leben, indem er sie für die Fabrik als Arbeitskraft anforderte. Neben seiner Tätigkeit im Gustloff-Werk sollte er aber auch an der Umsetzung seiner Erfindung Curta arbeiten, damit man diese nach dem Ende des Krieges Adolf Hitler als Geschenk überreichen konnte. Curt Herzstark arbeitete daran aber so lang, dass er erst mit Ende des Krieges fertig wurde, was ihm vermutlich auch das Leben rettete. Im November 1945 floh er nach Wien, aus Angst, dass er aufgrund seiner fachlichen Expertise nach Russland deportiert werden könnte.

Nach Familienstreitigkeiten und der erfolglosen Suche nach Sponsoren für seine Erfindung zog Herzstark 1946 in Liechtenstein, wohin ihn Fürst Franz Joseph II. von Liechtenstein eingeladen hatte. Dort wurde für die Produktion der Curta die Firma Contina Bureaux und Rechenmaschinenfabrik in Mauren gegründet, Herzstark sollte Direktor werden. Im Herbst 1948 begann die Serienproduktion der Curta. 1965 wurde Contina an die Firma Hilti verkauft, die die Curta als einziges Produkt der Firma Contina weiter produzierte, bis sie 1972 von elektronischen Taschenrechnern eingeholt wurde.

Der Curt Herzstark Lauf

Der Paul Beiersdorf Lauf

Park, Gasse oder Straße, die nach Paul Beiersdorf benannt ist, gibt es in Wien nicht. Daher heute Morgen einfach zum Wien Standort gelaufen, der sich im Euro Plaza befindet. Etwas windig ist es heute, daher gefühlt auch etwas kühler.

Der deutsche Apotheker Paul Beiersdorf hätte heute seinen 188. Geburtstag gehabt. Mit 44 Jahren zog 1880 nach Hamburg und kaufte sich eine Apotheke in der Nähe der St. Michaeliskirche. Beiersdorfer war eher Wissenschaftler und kein strategisch denkender Unternehmer. Deshalb hatte er sich auch nicht über den wirtschaftlichen Status der Apotheke informiert. Sein Vorgänger hatte nämlich keinen guten Ruf bei den Ärzten, die ihre Patienten in andere Apotheken schickten. Auch die Menschen, die in diesem Viertel wohnten, waren eher ärmlich und verfügten über keine große Kaufkraft.

Seine naturwissenschaftlichen Eigenschaften halfen ihm aus der heiklen Situation, in der sich die Apotheke befand, aber wieder heraus. Beiersdorf bot Labordienstleistungen an, da die Apotheke über ein kleines Labor verfügte. Er sprach die Ärzte der Umgebung darauf an und konnte mit dem damals noch etwas ungewöhnlichen Konzept tatsächlich überzeugen.

Paul Beiersdorf entwickelte dann auch ein Verfahren zur Herstellung von selbstklebenden medizinischen Pflastern – und meldete das Guttaperchapflaster am 28. März 1882 zum Patent an. Dieses Datum der ersten Patentanmeldung gilt auch als Gründungsdatum der Firma Beiersdorf.

Bei seinen Produkten sprach sich Beiersdorf ausdrücklich gegen „Werbung machen“ aus. Er wollte mit Qualität überzeugen. Beiersdorf verwendete intuitiv eine Strategie aus dem heutigen Pharmamarketing zur Bekanntmachung seiner Produkte. Ärzte und andere Apotheker wurden auf die Produkte aufmerksam und vertrauten auf diese. Eine zentrale Marketingmaßnahme des heutigen Pharmamarketings bildet nämlich in der Tat die Bekanntmachung der Produkte über Meinungsbildner, also Ärzte und Ärztinnen, die Koryphäen auf ihrem Gebiet sind und deren Meinung einen hohen Stellenwert bei den Kollegen hat.

Am 29. März 1890 traf Beiersdorf dann ein extremer Schicksalsschlag: Sein 16-jähriger Sohn Carl erschoss sich mit der Pistole seines Vaters, weil er das Klassenziel nicht erreicht hatte und nicht versetzt wurde. Wegen des Selbstmordes seines Sohnes verkaufte er seine Firma am 21. Mai 1890 an Oskar Troplowitz, einem 27-jährigen Apotheker aus Breslau mit großem Interesse an Forschung und Entwicklung inklusive einer ausgeprägten unternehmerischen Denkweise. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hatte die kleine Manufaktur elf Angestellte: acht Arbeiter zur Herstellung der Pflaster, einen Laboranten und zwei Vertriebsmitarbeiter.

Paul Beiersdorf hatte sein Vermögen letztendlich an Bauspekulanten verloren und sein beruflicher Neustadt im Apothekenwesen scheiterte. Am 17.12.1896 verübte Beiersdorf mit Gift Selbstmord. ( https://www.laborjournal.de/rubric/funding/funding/2023_05.php )


Der Paul Beiersdorf Lauf

 

Der Piatnik Lauf

Angenehme Lauftemperaturen, nur beim Rückweg hat mich im Hadikpark ein Hund angesprungen. Jetzt hat eines meiner Lieblingsshirts ein Loch. Aber sonst ist nichts passiert. Da die Firma Piatnik vor 200 Jahren gegründet wurde, ging es über den 7. Bezirk heute nach Baumgarten und über den Wien-Fluß und die äußere Mariahilfer Straße zurück.

Piatnik wird heute in der 5. Generation von der Gründerfamilie geführt. 1824 wurde von einem gewissen Anton Moser eine Kartenmalerei in der Zieglergasse 66 gegründet. In diese Kartenmalerei tritt Ferdinand Piatniks nach seiner Lehre zum Spielkartenmacher als Geselle ein. Nach dem Tod Anton Mosers im Jahr 1842 übernimmt Ferdinand Piatnik den Betrieb und heiratet die Witwe seines vormaligen Arbeitgebers. Nach dem Tod seiner Frau heiratet er Johanna Rauchenegger, mit der er drei Söhne haben wird, die später alle in der Firma aktiv sein werden. 1862 übersiedelt Ferdinand Piatnik seine Kartenmacherwerkstatt in die Kaiserstraße 56. Es ist noch immer dasselbe Haus, das man heute noch sieht. Allerdings gibt es dort nur mehr zwei Auslagen mit Spielen der Firma Piatnik, da Piatnik 1891 die Firma in die Hütteldorfer Straße nach Baumgarten übersiedelte. Dort gab es damals weder Wasser noch Gas oder Elektrizität, geschweige denn eine gute Verkehrsanbindung.

192 Jahre später führen heute Ferdinand G. Piatnik (IV.) und Dieter Strehl (Ururenkel des Firmengründers) die Geschäfte des Traditionsbetriebes. Weltweit beschäftigt die Firma etwa 200 Mitarbeiter und produziert Spielkarten, Brettspiele und Puzzles. ( https://www.im7ten.com/die-geburtsstunde-eines-traditionsbetriebes-spielkartenfabrik-piatnik/ )

 

Der Piatnik Lauf