Kategorie: Schriftsteller

Der Ödön von Horvath Lauf

Der ungarisch-österreichische Schriftsteller Ödön von Horvath lebte zwar nicht lange in Wien, doch ein Bezirk inspirierte ihn zu einem seiner größten Werke, und zwar die „Geschichten aus dem Wienerwald“. Deshalb begab ich mich an seinem 124. Geburtstag zu einem flotten Lauf durch die Josefstadt. Das Haus in der Lange Gasse 26 diente ihm als Vorlage für seine „Geschichten aus dem Wienerwald“. In dem Horvath Stück befindet sich in diesem Haus die Fleischerei von Oskar und das Geschäft des Zauberkönigs. Auch eine kleine Trafik gab es in dem Haus. Von diesen Geschäften gibt es in dem Haus nichts mehr, aber das Beisl „Das Lange“ ist hier eingemietet und eine Tafel erinnert an den Schriftsteller.

Einige Hausnummern weiter kommt man zum Hotel Zipser, in dem Horvath immer wieder wohnte, wenn er Wien besuchte. 1904 war es noch ein Heim für junge Mädchen, danach wurde es in eine Pension umgebaut und mittlerweile ist es ein Hotel. Das Wappen an der Gebäudefassade ist jenes der französischen Stadt Orsay. Weiter ging es in die Piaristengasse, wo Horvath als junger Maturant öfters bei seinem Onkel Josef Prehnal in der Piaristengasse 62 lebte.

Weiter ging es über das Rathaus zurück in die Josefstädter Straße, wo sich auf Nummer 9 zu Horvaths Zeiten ein Geschäft für Zauber- und Faschingsartikel befand. Heute befinden sich dort einige kulinarische Angebote. Im Lokal „Aloha Bowl“ gibt es schmackhafte hawaiianische Bowls, Pizzas bekommt man daneben und ein ehemaliges asiatisches Lokal steht mittlerweile leer.

Auch das Theater in der Josefstadt ist sehr mit Ödön von Horvath verbunden. Dort wurden seine Stücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Jugend ohne Gott“ und „Kasimir und Karoline“ aufgeführt. Im Theater in der Josefstadt wurde auch Horvaths verschollenes Stück „Niemand“ am 1. September 2016 uraufgeführt wurde. Das von Horvath als Tragödie bezeichnete Stück behandelt die Geschichte der unterschiedlichen BewohnerInnen eines Mietshauses und dessen Besitzer, sowie deren Konflikte und Einzelschicksale.

Der Ödön von Horvath Lauf:

Der Felix Braun Lauf

Zum 140. Geburtstag des Schriftstellers Felix Braun gab es heute einen flotteren Morgenlauf durch den 7. und 8. Bezirk, wo er in der Josefstädter Straße 87, in der Lammgasse 9 und in der Breitegasse 17 wohnte. In Döbling gibt es auch noch eine Felix Braun Gasse.

Felix Braun war das erste Kind von Karoline Braun und dem späteren Aufsichtsratspräsidenten der Ankerbrotfabrik Eduard Braun. Bereits im Gymnasium zeigte ihm sein Deutschlehrer den Weg zu seinem späteren Beruf. Erste Gedichte folgten bereits während des Studiums in diversen Zeitungen. Auch seinen ersten Roman hatte er bald fertig, doch er entschied sich vorerst doch für den Beruf als Journalist. Mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit hatte er schon während des ersten Weltkriegs Erfolg, und trotzdem entschied er sich oft auch für eine Festanstellung. So nahm er 1918 den Beruf als Lektor im Münchner Verlag von Georg Müller an. Dort verkehrte er mit literarischen Größen wie Hans Carossa, Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke.

Im Jahr 1927 erschien Brauns größtes Werk, der tausendseitige Roman „Agnes Altkircher“ über den Zusammenbruch der Donaumonarchie. 1939 flüchtete Felix Braun vor den Nationalsozialisten ins englische Exil, wohin ihn seine Schwester und seine Stiefmutter begleiteten. In England konnte er auf seine langjährige Lehrerfahrung zurückgreifen und wurde Volkshochschul-Dozent für Kunstgeschichte und Literatur in Durham, Oxford, Liverpool und London. Nach seiner Rückkehr nach Österreich im Jahr 1951 wurde er Dozent für Kunstgeschichte, Theater und dramatische Kunst am Reinhardt-Seminar. In der Nachkriegszeit erschienen auch zwei bis heute populäre Buchtitel, wo Braun allerdings als Herausgeber fungierte: „Der tausendjährige Rosenstrauch“ (Wien 1949) und „Die Lyra des Orpheus“ (Wien 1952). Von Brauns Freundschaften wie etwa zu Stefan Zweig erfährt man in seiner Autobiografie „Das Licht der Welt“ sowie in dem Band „Zeitgefährten“.

Der Felix Braun Lauf:

Der Adalbert Stifter Lauf

Nach dem 27 Kilometer vom Wolfgangsee erstmals wieder gelaufen zum 220. Geburtstag von Adalbert Stifter, dem Lieblingsschriftsteller meines ehemaligen Deutschlehrers. Adalbert Stifter Laufrunden könnte ich in Wien drei machen, hab mich diesmal aber nur auf ehemalige Wohnungen des Schriftstellers konzentriert. In der Brigittenau gäbe es noch eine Adalbert Stifter Straße und auf der Sofienalpe ein Denkmal. Eventuell dann beim nächsten Mal.

Nachdem Adalbert Stifter das Stiftsgymnasium Kremsmünster besuchte, begann er 1826 ein Studium der Rechte in Wien. Das Studium finanzierte er sich als Hauslehrer. Aufgrund einer unglücklichen Liebesbeziehung, die er mit Alkohol zu verdrängen versuchte, musste er sein Studium abbrechen. Da er immer öfters in finanziellen Schwierigkeiten steckte, musste er seinen Verleger um Vorschüsse bitten. Ab 1851 wurde er aber sogar Schulrat in Linz und später Hofrat. Diesen Posten erhielt er aufgrund seinen guten Beziehungen zu Metternich, da er seinen Sohn Richard drei Jahre als Hauslehrer unterrichtet hatte.

Nach seiner unglücklichen Liebe zu Fanny heiratete er die Putzmacherin Amalia Mohaupt. Über 30 Jahre waren die beiden verheiratet, die Kinderlosigkeit belastete das Paar aber schwer. Deshalb nahmen die Stifters Juliane, eine Nichte von Amalia als Ziehtochter auf. Die Ziehtochter riss aber mehrmals von zuhause aus. Als sie einmal mehrere Tage verschwunden war, fand man letztendlich ihre Leiche in der Donau. Ob Unfall oder Selbstmord blieb für immer ungeklärt. Der Verlust traf die Stifters schwer.

Gegen Ende der 1850er Jahre verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Adalbert Stifter schwer. Er nutzte öfters Kuraufenthalte und konnte auch seinen Lehrberuf nicht mehr ausüben. Stifter galt auch als übermäßiger Esser und Trinker, was seiner Gesundheit auch schadete. Von einem Wiener Freund ließ er sich regelmäßig Lahners Frankfurter Würstel senden. Stifter hat für gewöhnlich täglich sechs Mahlzeiten gegessen und es kam nicht selten vor, dass sein zweites Frühstück bereits ein Schnitzel mit Erdäpfelsalat war. Aufgrund einer Leberzirrhose fügte er sich in einem Spital eine Schnittwunde zu, durch die er letztendlich verstorben ist.

Adalbert Stifter gilt als Meister der biedermeierlichen Naturdarstellungen. Stifter hat die ländliche Lebenswelt in seinen Werken als Idylle idealisiert. Seine erste Nacht in Wien verbrachte Stifter im Gasthof „Roter Hahn“ (3, Landstraße Hauptstraße 40), das seit 2007 leer steht. Das Haus war eines der ältesten Wirtshäuser im dritten Bezirk. Das Haus in der Landstraßer Hauptstraße soll saniert werden. Nach Angaben der Baupolizei wird im Hof des Gebäudes ein Einfamilienhaus errichtet. Für die Zufahrt der Baufahrzeuge musste bereits die Hauseinfahrt des Straßentraktes vergrößert werden. Ein Totalabriss des Hotels kommt für den Eigentümer Alexander Proschofsky nach wie vor nicht in Frage. „Wir planen eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Apartments, Gewerbe und Geschäften, wie dies auch früher der Fall war“, erklärt er.

Seine letzte Wiener Wohnung, die er 1848 räumte, befand sich im vierten Stock der Seitenstettengasse 2. Dazwischen lebte er in Wien in 15 Wohnungen, wo er meist kurzweilig lebte, unter anderem zum Beispiel in der Beatrixgasse 4b. Die Sommermonate verbrachte er in Oberplan, Friedberg oder in Linz.

Der Adalbert Stifter Lauf:

Der Fritz Stüber-Gunther Lauf

Heute mal ein kurzer Mittagslauf zwischendurch nach Meidling und zurück auf den Spuren des österreichischen Schriftstellers Fritz Stüber-Gunther, der in der Arndtgasse 82 geboren wurde. Stüber-Gunther wurde Finanzbeamter und brachte es bis zum Rechnungshofpräsident. Nebenbei widmete er sich seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Er gehörte zu diesen Volksschriftstellern, die eine ausgesprochene Wiener Tradition darstellen und das Leben des Durchschnittswieners schildern.

Mit Ironie und Sarkasmus erzählte er das Leben in und rund um Wien. Die Geschichten sind meist heiter, aber mit einer gewissen Sozialkritik. Diese Wiener Skizzen sind meistens im Neuen Wiener Tagesblatts und der „Volkszeitung“ herausgegeben.

 

Im Alter von 50 Jahren ist er nach einem Schlaganfall in seiner Wohnng in der Wallgasse 28 gestorben, wo es eigentlich auch eine Gedenktafel geben sollte, ich hab aber leider keine gefunden.
Seine wichtigsten Werke sind beispielsweise „Auf dem Küniglberg“, „Der Stellwagen“ oder Romane wie der Rappelkopf, in dem er das Leben Ferdinand Raimunds behandelte.

 

 

 

Der Fritz Stüber-Gunther Lauf:

Der Alice Gurschner Lauf

Etwas schnelleres Morgenläufchen, dafür etwas kürzer. Nach 30 Minuten war’s erledigt. Diesmal auf den Spuren der Schriftstellerin Alice Gurschner durch Wien Neubau und die Gumpendorfer Straße zurück.

Wohnhaus von Alice Gurschner

Alice Pollak wurde als einziges Kind des jüdischen Bankgeschäfts-Inhabers Ludwig Pollak und seiner Frau Emma in Wien geboren. Ihre Mutter war die Cousine von Adele Strauß, der dritten Gattin von Johann Strauß. In ihren unveröffentlichten autobiographischen Schriften erwähnt Alice zwar ihre glückliche Kindheit. Die fürsorgliche Erziehung bedeutete jedoch auch, dass sie sich „unselbstständig und unbeholfen“ fühlte. Vor Gästen aus dem Wiener Kultur- und Gesellschaftsleben präsentierte sie oft ihre selbstverfassten Dramen auf der hauseigenen Bühne im Haus ihres Vaters am Opernring 23, wo die Familie Pollak ein kleines Kaffeehaus betrieb. Zu den prominenten Besuchern des „Kaffeehauses Pollak“ zählten viele bekannten Persönlichkeiten: Johann Strauß, Karl Kraus, Felix Dörmann und auch Olga Wisinger-Florian. Von einem Kaffeehaus sieht man dort heute nichts mehr.

Ehem. Kaffeehaus Pollak

 

In den 1890er Jahren begann Alice Pollak Gedichte und Romane zu veröffentlichen: Die beiden Werke „Gernrode“ und „Asolanen“ erschienen schon unter ihrem Pseudonym Paul Althof. Alice Pollak heiratete 1897 den 24-jährigen Tiroler Bildhauer Gustav Gurschner und konvertierte nach dem Tod ihres Vaters zum katholischen Glauben.

Alice Gurschner und ihr Mann Gustav gehörten durchaus zu den Begeisterten des Ersten Weltkriegs zählten, was ein Gedicht an den Kaiser zeigt, in dem Paul Althof die Helden, die für „Österreich’s Ehr‘ und Habsburgs Krone sterben“, huldigt.

Für eine Wohltätigkeitsaktion zu Gunsten von Kriegsopfern stellte Alice zudem Plaketten aus der Werkstatt ihres Mannes zur Verfügung. Nach dem ersten Weltkrieg lernte sie Paula Grogger und Karl Heinrich Waggerl kennen, die dem nationalsozialistischen Regime zugeneigt waren. Ihr 1938 erschienenes Buch „Drei Häuser“ wurde allerdings als artfremde Literatur gebrandmarkt.

 

 

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ersuchten Bekannte den „Führer“ um die „Arisierung“ von Alice Gurschner. Dieser Vorstoß wurde jedoch mit einem Berufsverbot für ihren Mann Gustav beantwortet. Seiner „arischen“ Abkunft sowie den Überweisungen eines hohen Jahresbeitrags an den Ältestenrat der Juden in Wien verdankte sie, dass sie von einer Deportation in
ein Vernichtungslager verschont blieb. Nach jahrelangem Hausarrest starb sie am 26. März 1944 in ihrem Haus in der Lindengasse 7.

Der Jeannie Ebner Lauf

Frisch war es heute in den frühen Morgenstunden beim Laufen, aber an Sonntagen kein Verkehr und kaum Stopps an den Ampeln.

Die Schriftstellerin Jeannie Ebner hat heute ihren 21. Todestag. Geboren wurde sie im November 1918 in Sydney, da ihr Vater mit 17 Jahren nach Australien ausgewandert ist. Er war dort als Kaufmann tätig und hat sich ein Vermögen aufgebaut. Als Jeannie Ebner zwei Jahre alt war, kehrte die Familie zurück nach Österreich und Jeannie wuchs in Wiener Neustadt auf.

Wohnhaus von Jeannie Ebner

Jeannie Ebner schrieb ihr erstes Gedicht nach eigener Erinnerung mit zwölf Jahren. Weil ihr Vater gestorben war und aufgrund der Wirtschaftslage verarmte die Familie und Jeannie Ebner musste das Gymnasium verlassen, weil die Mutter das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnte. Außerdem verloren sie auch ihr Wohnhaus. Jeannie Ebner besuchte die Handelsschule und begann eine Lehre in der familieneigenen Spedition. Später übernahm sie die Spedition und studierte nebenbei Bildhauerei an der Kunstakademie.

1945 wurden das Wohnhaus und die Geschäftsräume durch Bombenangriffe zerstört. Ebner zog mit ihrer Mutter auf einem Pferdewagen nach Tirol, wo sie ein Jahr gemeinsam in einer Berghütte am Kitzbüheler Horn lebten. 1946 kam Ebner nach Wien zurück und lebte von Englisch-Nachhilfe und Schleichhandel.

Jeannie Ebner begann kleinere Texte verschiedenen Zeitschriften anzubieten. Ebner setzte sich jahrelang in verschiedensten Gremien für die soziale Absicherung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern ein. Sie war Gründungsmitglied und von 1983 bis 1988 Vizepräsidentin der IG Autorinnen und Autoren. Sie kümmerte sich um das finanzielle Überleben von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Not.

Einen Jeannie-Ebner-Weg in Floridsdorf gibt es auch noch, ich bin aber heute nur zu zwei ihrer Wohnungen in die Liechtensteinstraße 20 und die Reisnerstraße 7 gelaufen.

 

 

 

Der Jeannie Ebner Lauf:

Der Else Feldmann Lauf

Nebelig, feucht und bewölkt. Ich hatte heute Morgen fast keine Motivation zum Laufen, aber danach fühlt man sich gut und meine heutige Laufstrecke war auch sehr interessant. Die Schriftstellerin und Journalistin Else Feldmann, die vom NS-Regime im Vernichtungslager Sobibor ermordert wurde, wuchs in der Brigittenau auf und lebte in Wien, bis sie 1942 ins Vernichtungslager Sobibor gebracht wurde.

Else Feldmann wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einer kinderreichen jüdischen Familie in der Wiener Brigittenau in der Staudingergasse 9 auf, wo es auch eine Gedenktafel zu ihrem ersten Roman „Löwenzahn, eine Kindheit“ gibt. Else Feldmann besuchte eine Armenschule und musste später aufgrund der Arbeitslosigkeit ihrers Vaters ihre Ausbildung abbrechen um als Fabriksarbeiterin zum Unterhalt der Familie beitragen.

Else Feldmann befasste sich in ihren Arbeiten, von denen viele autobiografisch geprägt waren, mit den sozialen Fragen ihrer Zeit. Die Armut in den Elendsbezirken Wiens, verwahrloste Kinder, Jugendkriminalität, das jüdische Proletariat und insbesondere die Situation von Frauen bildeten wiederkehrende Themen. Trotz ihrer produktiven schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit konnte sie ihren Lebensunterhalt nur schlecht bestreiten und hatte stets mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Das Schaffen von Else Feldmann wurde lange Zeit kaum beachtet und erfuhr erst seit den 1990er Jahre vermehrt Aufmerksamkeit. Ihre erste selbstständige Buchveröffentlichung war 1921 der Roman „Löwenzahn – Eine Kindheit“. Die Bezirksvorstehung Brigittenau widmete ihr auf ihrem früheren Wohnhaus in der Staudingergasse 9 eine Gedenktafel, auf der der Buchdeckel des Romans Löwenzahn abgebildet ist. Im Roman Löwenzahn erzählt Else Feldmann die stark autobiografisch gefärbte Geschichte ihrer Kindheit in den 1920er Jahren in Wien. Löwenzahn ist ein berührendes Porträt der damaligen Arbeiterschicht und zeigt auf beeindruckende Weise, wie schwer man hochkommt, wenn man arm ist. Die Ich-Erzählerin Marianne, etwa 12 Jahre alt, lebt mit ihrer schwerkranken Schwester und ihrem ein paar Jahre älteren Bruder in Wien. Vater und Mutter gehen arbeiten, trotzdem lebt die Familie von den Einkünften mehr schlecht als recht.
milena-verlag.at

Der Else Feldmann Lauf:

Der Marie von Najmájer Lauf

Nach dem Aufstehen am Morgen war die Motivation zum Laufen noch nicht besonders groß, danach fühlte sich aber alles doch recht leicht und locker an. Es zahlt sich schon aus, wenn man am Abend davor nichts ißt.

Die Schriftstellerin Marie von Najmájer hätte heute ihren 181. Geburtstag, also begab ich mich auf ihre Spuren zur Seilerstätte und in die Ungargasse. Dank eines offenen Haustors konnte ich mir auch den Innenhof in der Ungargasse 3 anschauen, der wirklich sehr schön ist.

Marie von Najmájer wurde in Ungarn geboren, ihre Familie übersiedelte aber nach Wien, als sie 3 Jahre alt war. Der Vater starb, als sie 10 Jahre war, und hinterließ der Frau und der Tochter ein beträchtliches Vermögen. Mutter und Tochter lebten eher zurückgezogen in der Seilerstätte 22. Marie von Najmájer begann bereits im Alter von 11 Jahren von Schiller beeinflusste Gedichte auf deutsch zu schreiben. Später lernte sie Franz Grillparzer kennen, der sie zur Veröffentlichung ihrer Gedichte ermutigte. 1868 erschien dann der erste Gedichtband mit dem Titel „Schneeglöckchen“.

Fortan war Najmájer als freie Schriftstellerin tätig. In journalistischen Texten befasste sie sich mit Bildung und Emanzipation der Frauen, Kunst, Musik und Literatur. 1873 lernte Najmájer die 14 Jahre ältere Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach kennen. Von ihrer über 30 Jahre andauernden Freundschaft zeugen ca. 150 Briefe im Nachlass Ebner-Eschenbachs. Beide Frauen wurden 1885 Mitbegründerinnen des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien.

 

 

 

 

Der Marie von Najmájer Lauf

Der Peter Altenberg Lauf

An einem eher windigen Samstagmorgen begab ich mich auf meiner heutigen Laufrunde auf die Spuren von Peter Altenberg, der Autor, Journalist, Flaneur und Schnorrer war.

Peter Altenberg, der eigentlich Richard Engländer hieß (9.3.1859 bis 1919) war Autor, Journalist, Flaneur und Schnorrer. Für die einen war er anziehend, für die anderen abstossend. Sein Pseudonym Peter Altenberger wählte er nach der 13-jährigen Bertha Lecher, die Engländer (selbst ca. 20-jährig) in Altenberg an der Donau (gehört heute zur Gemeinde St. Andrä-Wördern) kennenlernte und die von ihren Brüdern wie ein Diener behandelt und „Peter“ gerufen wurde.

Obwohl von den Eltern immer unterstützt, schaffte er das Abitur erst im zweiten Anlauf. Sein Lehrer sagte über ihn: „Ein Genie ohne Fähigkeiten! Gerade das, was dazu gehört im Leben, fehlt ihm, schade, man wird ihn nie anerkennen!“
Das Studium der Rechtswissenschaften brach er nach einem Semester ab, auch der nächste Versuch, Medizin, scheiterte. Die Buchhändlerlehre in Stuttgart ebenso. Zurück in Wien wurde er durch seine exzentrische Lebensführung und als ständiger Gast renommierter Kaffeehäuser (Central, Herrenhof) eine legendäre Figur.

Altenberg hatte immer Geldsorgen und galt als Schnorrer. Er verlangte von seinen Freunden eine Rente. Karl Kraus etwa steckte ihm regelmäßig 30 Kronen zu. Es gab weitere zehn bis fünfzehn wohlhabende Leute in Wien, von denen er eine Monatsrente erbat.
Altenberg bewohnte keine eigene Wohnung, sondern zog es vor, bei Bekannten oder in Hotels zu logieren. In seinen letzten sechs Jahren wohnte er im Grabenhotel im ersten Bezirk in der Dorotheergasse 3, Zimmer 51.

Altenberg sah sich auch als Frauenversteher. Dabei hat er selten erfüllte Liebschaften erlebt. Lina Loos, eine seiner unerfüllten Lieben, erinnert sich: „Peter Altenberg galt als Frauenverehrer. Er war es nicht! Er hat uns gehasst. Er hat uns Frauen gehasst, wie er reiche Leute hasste, die ihren Reichtum nicht zu verwenden wussten.“

Im Cafe Central gibt es noch immer eine lebensgroße Figur von Peter Altenberg beim Eingang. Auch im Büro des Wiener Bürgermeisters gibt es eine solche Figur, die Altenberg beim Zeitung lesen darstellt. In Döbling gibt es auch eine Peter Altenberg Gasse, die aber diesmal nicht in meine Laufrunde passte. ( https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-wiener-dichter-peter-altenberg-stammgast-schnorrer-und-100.html )

 

Der Peter Altenberg Lauf

 

 

 

 

 

 

Der Jakov Lind Lauf

Noch eher gemütlich unterwegs bei meinem Morgenlauf, ging es heute bei Sonnenschein nach Kaisermühlen.

Der als Heinz Landwirth am 10.2.1927 in Wien geborene Jakov Lind wuchs im Goethehof in Kaisermühlen auf und wurde als 11jähriger Bub mit einem Kindertransport 1938 von seinen Eltern nach Holland geschickt. Zwischen November 1938 und September 1939 gelang so etwa 10000 unbegleiteten jüdischen Kindern die Flucht vor den Nationalsozialisten. Nachdem er zwei Jahre im Untergrund in Holland lebte, fiel auch dort die Wehrmacht ein.

Aus Heinz Landwirth wurde dank falscher Papiere Jan Gerrit Overbeek. Er lebte in drei verschiedenen Kinderheimen und ebenso vielen Pflegefamilien. In Gouda wurde er in einem Hachschara-Lager auf ein Pionierleben in Palästina vorbereitet, die zwei letzten Kriegsjahre verbrachte er zuerst als Knecht auf einem Bauernhof, später als Schiffsjunge auf Rheindampfern und kurz vor Kriegsende sogar als Kurier für Görings Reichsluftfahrtministerium.

Seine nächste Station, inzwischen nannte er sich Jaakov Chaklan, war Palästina, wo er im Unabhängigkeitskrieg 1948 kämpfte. Danach arbeitete er als Strandfotograf, Orangenverkäufer, Privatdetektiv und Übersetzer, bis er 1950 über Amsterdam und Wien nach London ging, wo er unter dem Namen Jakov Lind im Sommer lebte und arbeitete. Die Wintermonate verbrachte er im Künstlerort Deià auf Mallorca.

Großes Aufsehen verursachte sein Erzählungsband „Seele aus Holz“, wo er seine Erlebnisse während der Schoa verarbeitete. Spätere Bücher, insbesondere der Roman „Landschaft in Beton“, stießen bei Publikum und Kritik auf weniger Verständnis. Denn Jakov Linds Schreibstil hatte mit anderen Stilbegriffen kaum etwas gemein, denn er bevorzugte das Grosteske, ja sogar Vulgäre – kurz, den Schwarzen Humor.

Seit Ende der 1960er Jahre war Jakov Lind kein deutschsprachiger Autor mehr und wollte das bewusst nicht sein. „Wer meine Muttersprache sieht, weiche ihr aus oder bringe sie um, oder übersetze sie in normale Sprache noch ehe man sie ausspricht“. Der Bruch mit der deutschen Sprache war es vermutlich, dass sich seine Bücher deshalb am deutschen Lesemarkt nie durchsetzen konnten, obwohl sie von Kritikern wie Reich-Ranicki immer gelobt wurden. Anders in Großbritannien und den USA.

Die Stadt Wien würdigte den Schriftsteller erst spät. 1997 erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold, in der Leopoldstadt wurde eine Straße nach ihm benannt (Die Zusatztafel, auf der nur Schriftsteller und Maler steht, ist etwas mager) und den Theodor-Kramer-Preis bekam er erst 2007. Im selben Jahr starb er in London. (https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/ironie-des-ueberlebens/ )

Der Jakov Lind Lauf: