Kategorie: Geschichte

Der Joseph Sonnleithner Lauf

Nach dem Lauf Opening Mödling heute früh nur ein lockerer, langsamer Lauf in die City, bewölkt war’s diesmal wieder einmal wie zuletzt oft.

Joseph Sonnleithner war auf der Fischerstiege 2 geboren. Sein Vater war der Komponist Christoph Sonnleithner, dessen Kompositionen von Joseph II. sehr geschätzt wurden. Der Vater verstarb früh und der Kaiser förderte danach die Beamtenlaufbahn von Joseph Sonnleithner. Durch seine künstlerische Begabung und seine Kontakte zur Wiener Kulturszene wurde er 1804 zum Hoftheatersekretär ernannt, in dessen Funktion er bis 1814 das Burgtheater und das Kärntnertortheater leitete.

Sonnleithner war auch Schriftsteller und verfasste zahlreiche Operntextbücher, darunter 1805 „Fidelio oder Die eheliche Liebe“, den Text der Urfassung von Beethovens „Fidelio“.
Sonnleithner war auch einer der Mitbegründer der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und einer der frühesten Volksliedsammler in Österreich. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Franz Schubert und seinem Neffen Grillparzer. Sein Humor und seine Bonmots, die jahrzehntelang in der Wiener Gesellschaft kursierten, waren Legende.

Der Joseph Sonnleithner Lauf:

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf

Mein Lauf am Dienstag führte mich in die kleine Hoyosgasse hinter der Karlskirche. Wer war eigentlich dieser Hoyos? Johann Ernst Hoyos entstammte dem Adelsgeschlecht Hoyos, das im 16. Jahrhundert aus Spanien nach Niederösterreich eingewandert war. Im Alter von 20 Jahren trat er in die österreichische Landwehr ein und wurde Kommandeur eines Bataillons, das er aus eigener Tasche bezahlte. Mit seinem Bataillon nahm er an den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815 in Italien und Frankreich teil. 1836 wurde er Ritter des Goldenen Vlieses und Generalmajor, 1838 dann Feldmarschallleutnant.

Graf Hoyos war kein Berufssoldat, aber er nahm als Freiwilliger der Wiener Landwehr von 1809 bis 1815 an den Napoleonischen Kriegen teil. Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Wien wurde der bereits 70 Jahre alte Hoyos am 14. März 1848 zum Oberkommandanten der Wiener Nationalgarde ernannt, war aber mit seinen eher gemäßigten Methoden nicht in der Lage, Wien zu befrieden. Nach der Revolution zog sich Hoyos ins Privatleben auf sein Schloss bei Horn zurück, wo er am 23. Oktober 1849 einen Reitunfall im benachbarten Mold erlitt und an dessen Folgen verstarb. Eine Gedächtniskapelle an dieser Stelle erinnert heute daran. Vielleicht führt mich an dieser Kapelle auch einmal ein Lauf vorbei.

Bereits im Jahr 1900 wurde die kleine Hoyosgasse nach ihm benannt. Die Hoyosgasse wurde anstelle einer Gartenanlage hinter der Karlskirche angelegt. In der Hoyosgasse befinden sich zwei späthistorische Baublöcke: Der Kreuzherrenhof und das Mietpalais Hoyos-Sprinzenstein.

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf:

Der Schani Breitwieser Lauf

Eigentlich wollte ich heute ja in die Donaustadt laufen, aber gestern Abend hab ich einen sehr interessanten Artikel über den Robin Hood von Wien gelesen und so begab ich mich auf seine Spuren nach Meidling.

Um Schani Breitwieser ranken sich viele Mythen. Als sicher gilt, dass er am 13. April 1891 in eine bitterarme Familie in Wien Meidling geboren wird. Angeblich hatte er noch 15 Geschwister, sieben sind verbrieft. Die Kinder schlafen auf Strohsäcken, in Waschtrögen. Schani hat in einem Koffer auf Lumpen geschlafen. Die Mutter ist Wäscherin, der Vater Hilfsarbeiter, der nebenbei auf dem Meidlinger Friedhof jobbt. Der Friedhof wird zur Spielwiese der Breitwieser-Bälge. Schani zieht aber bald weiter zum Gatterhölzl, einem kleinen Meidlinger Waldstück, wo zwielichtige Gestalten herumstrolchten.

Schani Breitwieser ist ein schlauer Bursch, aber auch jähzornig und herrschsüchtig. Als er mit 14 Jahren einmal von der versifften Meidlinger Vorstadt in die Wiener Innenstadt schlenderte, wurden ihm die zwei Welten Wiens bewusst. Am 5. Februar 1906 stand Schani erstmals vor einem Richter. Der Richter fragte ihn, warum er mehrere Paare Filzschuhe stehlen wollte. Schani antwortete nur knapp:“ Aus Not.“ Der Bursche kam danach einen Monat ins Gefängnis. Dieses Urteil vor 120 Jahren begründet den Beginn einer glamourösen kriminellen Karriere, die Breitwieser zur Wiener Legende machen wird.

Zwischen Gelegenheitsjobs als Tierpräparator, Markthelfer und Schirmfabrikhelfer dreht Breitwieser seine krummen Dinge bis er in seiner Platte (damals Bezeichnung für Bande) namens „Bruderschaft der schwarzen Larven“ zum Profiverbrecher heranreift. Schani ist brutal, aber gutherzig. Einen großen Teil seiner Beute gibt er Armen weiter.

Er liefert sich Verfolgungsjagden mit der Polizei. Als einmal die Polizei das „Räuber und Gendarm Spiel“ gewonnen hätten, täuscht Schani eine psychische Erkrankung vor um nach Steinhof versetzt zu werden. Wenig später bricht er dort aus. Ein anderes Mal meldet er sich zum Kriegsdienst, um einer Zwangsarbeit zu entgehen, und desertiert am ersten Tag.
Sein größter Coup gelingt ihm am 19. Jänner 1919, als er in die Hirtenberger Waffen- und Munitionsfabrik einbrach. Er stahl dort eine halbe Million Kronen.
Breitwieser wuchs in die Rolle des sozialen Rebellen und Wohltäters. Kurzum, er wurde für die Bevölkerung zu einem symbolträchtigen Hero, der nur stehle um andere zu beschenken.
Drei Monate nach dem Einbruch in die Hirtenberger Fabrik ist Schani tot. Von einem Polizisten wurde er in seiner Villa in St. Andrä-Wördern erschossen. Als er zu Grabe getragen wurde, haben dem Ganoven bis zu 40000 Menschen die letzte Ehre erwiesen. Nur am Begräbnis des Kaisers nahmen mehr Besucher teil als an jenem von Schani Breitwieser.

Der Schani Breitwieser Lauf:

Der Walter Absil Lauf

Der heutige Morgenlauf ging durch das graue Wien, diesmal eher locker und langsam unterwegs. Wieder ging es in den dritten Bezirk, wo Walter Absil in der Bechardgasse 16 aufgewachsen ist. Walter Absil war ein österreichischer Holocaust-Überlebender, der nach Kanada ausgewandert ist. Vor dem Marxer-Hof in der Bechardgasse findet man leider keine Gedenktafeln oder Stolpersteine. Seine Eltern sind über das Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert worden, wo sie gleich nach der Ankunft vergast wurden.

Otto und Margarethe Bondy (der ursprüngliche Nachname von Walter war Bondy) lebten mit ihren Kindern Walter und Lieselotte in einer gutbürgerlichen Wohnung in Wien-Landstraße, Bechardgasse 16. Der Vater betrieb dort eine kleine Firma für Ledergürtel. Sein Sohn Walter beschrieb das Leben seiner Familie in Wien vor 1938 so: „Wir waren eine liberale jüdische ,middle class-family‘. Das frühere Leben in Wien, damals eine der lebendigsten Städte Europas wie Paris oder London, habe ich in angenehmer Erinnerung. Meine Schwester und ich hatten ein Kindermädchen, das mit uns in den Park ging, eine Haushaltshilfe unterstützte meine Mutter.“

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland verließ die Familie die Stadt Richtung Belgien. Nach der deutschen Invasion in Belgien wurde Walters Schule, die nur jüdische Kinder besuchten, sofort geschlossen. 1942 verhalf der Famile ein Schulfreund von Walter, dessen Vater Kommunist war und Verbindungen zum Widerstand hatte, zu einem Versteck in einem gemieteten Warenlager, das zum Wollgeschäft seiner Mutter gehörte. Schließlich versteckten die Lebruns, wie die Quartiergeber hießen, Otto und Margarethe Bondy sowie deren Kinder. Augusta Absil, die Tante von Frau Lebrun, adoptierte Walter, um ihm die belgische Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Aus Walter Bondy wurde nun Walter Siegfried Absil, wegen des Kontaktes zu seiner Wiener Familie lebte er weiter versteckt.

Eines Tages entdeckte Frau Lebruns Vermieter, dass sie den Lagerraum nicht, wie angegeben, als zweites Geschäft nutzte, sondern dort eine Familie versteckt hielt. Der Vermieter verriet die Familie Bondy zwar nicht, sie musste sich allerdings nach einer neuen Unterkunft umsehen. Im September 1943 wurden Otto und Margarethe Bondy im neuen Versteck verhaftet. Ihre Kinder Walter und
Lieselotte waren zu diesem Zeitpunkt zufälligerweise nicht anwesend, was deren Glück war.

Der Walter Absil Lauf:

Der Franz von Zahlheim Lauf

Bei schönem Laufwetter gab es heute einen etwas ungewöhnlichen Lauf auf den Spuren eines Mörders durch den ersten Bezirk. Der Heiratsschwindler, Dieb und Mörder Franz von Zahlheim war in Österreich der letzte, der gerädert wurde. Dabei wurden dem Betroffenen mit einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen um sie danach zwischen die Radspeichen zu flechten und zur Absprechung auszustellen. Franz von Zahlheim wurde damit von der Schranne am Hohen Markt bis zur Hinrichtungsstätte am Rabenstein (Türkenstraße/Ecke Schlickplatz gebracht.

Von Zeitgenossen wurde Franz von Zahlheim wie folgt beschrieben: „… ein äußerst leichtsinniger und kolerischer Junge, in allen seinen Leidenschaften heftig, immer aber mehr ein Spiel der düsteren Affekten, nämlich: des Zorns, Furcht, Schwermuth, als den sanfteren Empfindungen“.

Seine Mutter starb 9 Tage nach seiner Geburt und da sein Vater mit der Erziehung überfordert war, schickte dieser ihn mit 16 Jahren in eine Jesuitenschule. Ab April 1776 war Franz von Zahlheim Praktikant und Kanzleianwärter beim Magistrat der Stadt Wien. Man rechnete ihm hohe Karrierechancen an und ab 1783 verdiente er 400 Gulden im Jahr als Beamter. Zuvor arbeitete er aber 8 Jahre als Praktikant ohne Verdienst, musste sich oft wegen Krätze im Spital behandeln lassen und pflegte einen gehobenen Lebensstil. Daher reichte sein Geld oft nicht und er verbrachte viel Zeit in Spelunken und beim Glücksspiel.

1776 lernte er auch Josefa Ambrokin, eine ehemalige Prostituierte, die von ihren ansehnlichen Ersparnissen lebte. Sie lebte im Haus neben Franz von Zahlheim, wo er mit seinem Vater lebte. Nach dem Tod seines Vaters erbte er kaum etwas, und er musste das Haus räumen. Er versprach Josefa Ambrokin die Ehe um sich ihr Vermögen zu sichern. Einige seiner Schulden zahlte sie, aber sie weigerte sich natürlich, alle seine Schulden zu übernehmen.

Eines Tages entwendete von Zahlheim eine größere Summe von Josefa Ambrokin, um Spitalskosten zu decken. Josefa Ambrokin fiel der Diebstahl nicht auf, doch er beschloss sie zu töten, da er den Diebstahl so verbergen wollte. Er lud Ambrokin in seine Wohnung in die Neutorgasse ein. Später ging sie auf seinen Dachboden um sich etwas auszuleihen. Zusätzlich räumte sie diesen auch auf. Als sie sich über eine Truhe lehnte, attackierte sie Zahlheim von hinten und schnitt ihr die Kehle mit einem Küchenmesser durch.

Erst zwei Wochen später wurde Ambrokins Verschwinden von ihrer Schwester der Polizei gemeldet und durch sein seltsames Verhalten geriet Zahlheim schnell in Verdacht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man die Leiche und den Rest des gestohlenen Bargelds. Der Fall gilt als einer der ersten Beispiele von systematischer Polizeiarbeit in Wien.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Prozess um Zahlheim im kollektiven Gedächtnis der Österreicher und er erhielt den Spitznamen „dernière roué de l’autriche“ (franz. das letzte Rad Österreichs). Die häufige Diskussion um Zahlheims Hinrichtung führte zudem dazu, dass man seine Straftat häufig verharmloste oder sogar sein Opfer, Josefa Ambrokin, ignorierte. Es gab dazu auch eine Vielzahl an Dramen und literarischen Verarbeitungen.

Der Franz von Zahlheim Lauf:

Der Josef Bratfisch Lauf

Laufen an der Nordsee ist fürs erste vorbei, jetzt bin ich wieder auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten. Diesmal ging’s nach Hernals, wo der Fiaker Josef Bratfisch in der Veronikagasse 26 bzw. in der Lacknergasse 60 wohnte.

Josef Bratfisch wurde wegen seiner Leibesfülle auch „Nockerl“ genannt und war Leibfiaker des Kronprinzen Rudolf und Wienerlied Sänger. Er war auch für seine gelegentlich auch derben Wiener Lieder bekannt. Erzherzog Rudolf haben diese Lieder sehr gefallen und deshalb machte er ihn auch zum Leibfiaker. Josef Bratfisch ging in die Geschichte ein, weil er Mary Vetsera auf ihrer letzten Fahrt nach Mayerling kutschierte, wo sie sich gemeinsam mit Erzherzog Rudolf dann umbrachte.

 

 

 

 

Der Hof ließ sich das Schweigen von Josef Bratfisch über die Umstände der Tragödie von Mayerling viel Geld kosten. Der Kutscher erhielt ein Haus in der Lacknergasse in Hernals und eine Fiakerkonzession. Drei Jahre später starb er allerdings eines natürlichen Todes und er nahm die Umstände über die Tragödie wie versprochen mit ins Grab. Es gab einige Gerüchte über finanzielle Zuwendungen des Hofes an Bratfisch, doch er hinterließ nach seinem Tod beträchtliche Schulden und auf dem Haus in der Lacknergasse lastete eine Hypothek.

 

 

 

Der Josef Bratfisch Lauf:

Der Oskar Adler Lauf

Eigentlich war ich heute morgen nicht motiviert um zu Laufen, aber nachdem ich gelesen habe, dass heute der Weltlauftag ist, musste ich dann wohl. Ein schöner Lauf in die Leopoldstadt, viele Strava-Segmente, aber ziemlich schwül war’s.

Der österreichische Arzt und Musiker Oskar Adler, Bruder von Max Adler, hätte heute seinen 150. Geburtstag gehabt. Daher ging mein Lauf in die Franzensbrückengasse 22, wo er mit seiner Frau gelebt hat und dort ziemlich viel passiert ist. Gedenktafeln oder Erinnerungssteine gibt es dort von niemandem, der/die dort gewohnt hat.

Die Franzensbrückenstrasse 22 ist ein hoch aufragendes Gründerzeithaus, wo Oskar Adler lebte, Jugendfreund und musikalischer Guru von Arnold Schönberg. „Durch ihn erfuhr ich zum ersten Mal, dass es so etwas wie eine musikalische Theorie überhaupt gibt“, erklärte Schönberg später.

In diesem Gebäude lebte auch der Kaufmann Ludwig Meisl mit seiner Familie. Sohn Hugo verließ erst 1919 die elterliche Vier-Zimmer-Wohnung und wurde später als Chef des Wunderteams weltberühmt. Weder an Oskar Adler, noch an Hugo Meisl erinnert nichts in der Franzensbrückenstraße 22. Stattdessen gibt es dort zwei leerstehende Geschäftslokale und auch das Gebäude selbst ist in die Jahre gekommen.

Im Winter 1938 gelingt Oskar Adler die Flucht. Er nutzt eine Konzerteinladung, um Wien für immer zu verlassen. Er lebte bis zu seinem Tod in London.
Im Jahr 1913 ist in diesem Haus sehr viel passiert. In diesem Jahr brütete Oskar Adler über Zukunftsperspektiven, Hugo Meisl trat sein Amt als Verbandskapitän der österreichischen Nationalmannschaft an, der Architekt Fritz Keller plante das Haus am Friedrich Schmidt-Platz 5 und Arnold Schönberg durchlebte ein einzigartiges Wechselbad von Triumph und Desaster. 1913 war ein entscheidendes Jahr für Schönberg und seinen Freundeskreis.

Im Februar erfolgt die bejubelte Uraufführung der Gurre-Lieder unter Franz Schreker, einen Monat später allerdings das legendäre „Watschenkonzert“ im Musikverein, das nach wüsten Tumulten abgebrochen werden musste. ( http://www.pratercottage.at/2013/02/19/schoenbergs-lehrmeister-oskar-adler/ )

Der Oskar Adler Lauf:

Der Joseph Appel Lauf

Mit dem österreichischen Song Contest Beitrag „Wasted Love“ im Kopf einen flotten Lauf durch die Wiener Innenstadt, wo wohl nächstes Jahr der ESC stattfinden wird. Anfangs war’s noch trocken, dann aber in einen Regenguss gekommen.

Joseph Appel, der an der Tuchlauben 18 wohnte, war ein österreichischer Numismatiker. Von seinem Vater bekam er die Münzen vererbt und sein Bruder die Medaillen. Mit der Zeit sammelte er weitere Münzen und erwies sich als sehr kenntnisreich. Ab 1787 arbeitete er als Bediensteter des Staates und war Kommissär der kaiserlich-königlichen Einlösungs- und Tilgungs-Deputation.

Appel war in der Fachwelt wegen seiner Kenntnisse, aber auch wegen seiner Sammlungen ein geschätzter Numismatiker. Er konnte gut Münzen auf ihre Echtheit prüfen und auch unleserliche Schriften aus dem Mittelalter lesen. In seinen Ämtern beim Staat entschied er komplizierte Fälle.

Der Joseph Appel Lauf:

Der Udo Proksch Lauf

Zu meinem gestrigen Lauf noch ein paar Zeilen, wo es bei optimalen Lauftemperaturen in die City ging. Gestern vor 40 Jahren ist Udo Proksch wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit dem Untergang der Lucona verhaftet worden. Der Drahtzieher der Lucona-Affäre, dem größten Politskandals der zweiten Republik, trieb sich oft in der Wiener Innenstadt herum.

Udo Proksch hat sechs Menschen ermordet. Sechs Besatzungsmitglieder der „Lucona“, die im Indischen Ozean ihren Tod fanden, als das Schiff am 23. Jänner 1977 gesprengt wurde: Teil eines raffinierten Versicherungsbetruges, der Proksch um 212 Millionen Schilling reicher machen hätte sollen.

Bei Udo Proksch hat man gesehen, wie schnell jemand in der Wiener Gesellschaft ganz nach oben kommen kann. Und auch, dass nicht jeder „Clown“ harmlos ist, selbst wenn anfangs alle über und mit ihm lachen. Udo Proksch war eigentlich immer ein Scherzbold, den niemanden ernst genommen hat.

Demel Zuckerbäcker

Eines seiner Stammlokale war die Zuckerbäckerei Demel Hof, wo er mit einem Panzer vor gefahren ist. Im Gutruf traf er sich öfters mit Künstlern und Intellektuellen zum Mittagessen. Das Demel würde heute einen Chef wie Udo Proksch es damals war wieder guttun. Der Demel ist heute nicht mehr das, was er unter Proksch war. Heute ist das Demel eine Touristenfalle. Unter Proksch war es ein Traditionsbetrieb, wo alles selbst gemacht wurde, so seine erste Frau Erika Pluhar.

 

Gutruf

Udo Proksch hat die Geschäftsführung im Demel 1972 übernommen und hat immer penibel darauf geachtet, dass die Gäste gut betreut wurden. Später sei er aus der Bahn geraten, als er im Demel den „Club 45“ gründete, wo nackte Frauern an den Tischen saßen und sich im dritten Stock des Demel Hauses würdige Herren aus der Sozialdemokratie, aus Kunst und Medien versammelten. Aus einer harmlosen Männerrunde wurde schnell ein Club des gegenseitigen Nutzens, so Bruno Aigner. Bruno Aigner hatte den „Club 45“ SPÖ-intern schon 1981 als „Sündenfall der Sozialdemokratie“ und „Eiterbeule“ bezeichnet. Udo Proksch hat Wien in jedem Fall geprägt, aber zum Negativen.

 

Eden Bar

Gemeinsam mit Erika Pluhar hat Udo Proksch Anfang der 60er Jahre in einer Wohnung in der Weyrgasse im dritten Bezirk gelebt. ABer er ist oft stundenlang durch die Innenstadt flaniert und gerne in vielen Lokalen gewesen. Die Eden-Bar in der Liliengasse, das Restaurant Oswald & Kalb in der Bäckerstraße oder der „Weisse Rauchfangkehrer“ in der Weihburggasse waren auch Hotspots für Udo Proksch. Udo Proksch war überall ein gern gesehener Gast, auch wenn er immer mit einer geladenen Waffe unterwegs war.

 

 

 

 

 

 

 

Der Udo Proksch Lauf:

Der Karoline von Perin Lauf

Heute bei etwas Schnee gleich noch ein kleines Lauferl in den Volksgarten angehängt. Dort soll ein Gedenkstein für den Ersten Wiener Demokratischen Frauenverein sein, den ich aber komischerweise nicht gefunden habe. Also entweder bin ich wirklich „schasaugat“ wie meine liebe Frau immer sagt oder die haben den Gedenkstein entfernt. Wer findet also diesen Stein im Volksgarten? Heute ist der 219. Geburtstag von Karoline von Perin. Nach ihr wurde auch eine Straße in der Seestadt benannt, aber das war mir heute zu weit.

Karoline von Perin setzte sich 1848 neben demokratiepolitischen Anliegen auch für die Frauenemanzipation ein. Am 28. August 1848 versammelten sich rund 150 Frauen „zu patriotischen Zwecken“ im Salon des Wiener Volksgartens. Die Veranstaltung verlief von Anfang an turbulent. Zunächst kam es aufgrund politisch unterschiedlicher Ausrichtungen zu intensiven Diskussionen der Frauen untereinander. Danach wurde die Versammlung von Männern gestört, die sich über die politischen Bestrebungen der Frauen lustig machten, ihnen aber auch Gewalt androhten. Die Veranstaltung musste schließlich unterbrochen und verlegt werden.

Trotz aller Widrigkeiten kam es an diesem Tag zur Gründung des „Wiener demokratischen Frauenvereins“, dessen Präsidentin Karoline von Perin wurde. Es war der erste Frauenverein in Österreich, der explizit politische Ziele verfolgte. Trotz des kurzen Bestehens des Vereins kam es zu zahlreichen Aktivitäten. Mit der Niederschlagung der Revolution am 31. Oktober 1848 war das Leben von Karoline von Perin in Gefahr.

Karoline von Perin und Alfred Julius Becher hatten die Flucht bereits vorbereitet, doch ihr Versteck wurde verraten. Karoline von Perin wurde am 4. November 1848 verhaftet. Nach 23 Tagen in Haft, während der sie auch misshandelt wurde, kam sie als psychisch kranke Frau frei. Auf Initiative von Verwandten wurde ihr das Sorgerecht über ihren jüngsten Sohn entzogen und auch ihr Vermögen wurde konfisziert. Später emigrierte Karoline von Perni nach München und distanzierte sich von ihren politischen Aktivitäten. Sie kehrte danach nach Wien zurück und eröffnete ein Stellenvermittlungsbüro.

Der Karoline von Perin Lauf