Kategorie: Geschichte

Der Walter Absil Lauf

Der heutige Morgenlauf ging durch das graue Wien, diesmal eher locker und langsam unterwegs. Wieder ging es in den dritten Bezirk, wo Walter Absil in der Bechardgasse 16 aufgewachsen ist. Walter Absil war ein österreichischer Holocaust-Überlebender, der nach Kanada ausgewandert ist. Vor dem Marxer-Hof in der Bechardgasse findet man leider keine Gedenktafeln oder Stolpersteine. Seine Eltern sind über das Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert worden, wo sie gleich nach der Ankunft vergast wurden.

Otto und Margarethe Bondy (der ursprüngliche Nachname von Walter war Bondy) lebten mit ihren Kindern Walter und Lieselotte in einer gutbürgerlichen Wohnung in Wien-Landstraße, Bechardgasse 16. Der Vater betrieb dort eine kleine Firma für Ledergürtel. Sein Sohn Walter beschrieb das Leben seiner Familie in Wien vor 1938 so: „Wir waren eine liberale jüdische ,middle class-family‘. Das frühere Leben in Wien, damals eine der lebendigsten Städte Europas wie Paris oder London, habe ich in angenehmer Erinnerung. Meine Schwester und ich hatten ein Kindermädchen, das mit uns in den Park ging, eine Haushaltshilfe unterstützte meine Mutter.“

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland verließ die Familie die Stadt Richtung Belgien. Nach der deutschen Invasion in Belgien wurde Walters Schule, die nur jüdische Kinder besuchten, sofort geschlossen. 1942 verhalf der Famile ein Schulfreund von Walter, dessen Vater Kommunist war und Verbindungen zum Widerstand hatte, zu einem Versteck in einem gemieteten Warenlager, das zum Wollgeschäft seiner Mutter gehörte. Schließlich versteckten die Lebruns, wie die Quartiergeber hießen, Otto und Margarethe Bondy sowie deren Kinder. Augusta Absil, die Tante von Frau Lebrun, adoptierte Walter, um ihm die belgische Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Aus Walter Bondy wurde nun Walter Siegfried Absil, wegen des Kontaktes zu seiner Wiener Familie lebte er weiter versteckt.

Eines Tages entdeckte Frau Lebruns Vermieter, dass sie den Lagerraum nicht, wie angegeben, als zweites Geschäft nutzte, sondern dort eine Familie versteckt hielt. Der Vermieter verriet die Familie Bondy zwar nicht, sie musste sich allerdings nach einer neuen Unterkunft umsehen. Im September 1943 wurden Otto und Margarethe Bondy im neuen Versteck verhaftet. Ihre Kinder Walter und
Lieselotte waren zu diesem Zeitpunkt zufälligerweise nicht anwesend, was deren Glück war.

Der Walter Absil Lauf:

Der Franz von Zahlheim Lauf

Bei schönem Laufwetter gab es heute einen etwas ungewöhnlichen Lauf auf den Spuren eines Mörders durch den ersten Bezirk. Der Heiratsschwindler, Dieb und Mörder Franz von Zahlheim war in Österreich der letzte, der gerädert wurde. Dabei wurden dem Betroffenen mit einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen um sie danach zwischen die Radspeichen zu flechten und zur Absprechung auszustellen. Franz von Zahlheim wurde damit von der Schranne am Hohen Markt bis zur Hinrichtungsstätte am Rabenstein (Türkenstraße/Ecke Schlickplatz gebracht.

Von Zeitgenossen wurde Franz von Zahlheim wie folgt beschrieben: „… ein äußerst leichtsinniger und kolerischer Junge, in allen seinen Leidenschaften heftig, immer aber mehr ein Spiel der düsteren Affekten, nämlich: des Zorns, Furcht, Schwermuth, als den sanfteren Empfindungen“.

Seine Mutter starb 9 Tage nach seiner Geburt und da sein Vater mit der Erziehung überfordert war, schickte dieser ihn mit 16 Jahren in eine Jesuitenschule. Ab April 1776 war Franz von Zahlheim Praktikant und Kanzleianwärter beim Magistrat der Stadt Wien. Man rechnete ihm hohe Karrierechancen an und ab 1783 verdiente er 400 Gulden im Jahr als Beamter. Zuvor arbeitete er aber 8 Jahre als Praktikant ohne Verdienst, musste sich oft wegen Krätze im Spital behandeln lassen und pflegte einen gehobenen Lebensstil. Daher reichte sein Geld oft nicht und er verbrachte viel Zeit in Spelunken und beim Glücksspiel.

1776 lernte er auch Josefa Ambrokin, eine ehemalige Prostituierte, die von ihren ansehnlichen Ersparnissen lebte. Sie lebte im Haus neben Franz von Zahlheim, wo er mit seinem Vater lebte. Nach dem Tod seines Vaters erbte er kaum etwas, und er musste das Haus räumen. Er versprach Josefa Ambrokin die Ehe um sich ihr Vermögen zu sichern. Einige seiner Schulden zahlte sie, aber sie weigerte sich natürlich, alle seine Schulden zu übernehmen.

Eines Tages entwendete von Zahlheim eine größere Summe von Josefa Ambrokin, um Spitalskosten zu decken. Josefa Ambrokin fiel der Diebstahl nicht auf, doch er beschloss sie zu töten, da er den Diebstahl so verbergen wollte. Er lud Ambrokin in seine Wohnung in die Neutorgasse ein. Später ging sie auf seinen Dachboden um sich etwas auszuleihen. Zusätzlich räumte sie diesen auch auf. Als sie sich über eine Truhe lehnte, attackierte sie Zahlheim von hinten und schnitt ihr die Kehle mit einem Küchenmesser durch.

Erst zwei Wochen später wurde Ambrokins Verschwinden von ihrer Schwester der Polizei gemeldet und durch sein seltsames Verhalten geriet Zahlheim schnell in Verdacht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man die Leiche und den Rest des gestohlenen Bargelds. Der Fall gilt als einer der ersten Beispiele von systematischer Polizeiarbeit in Wien.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Prozess um Zahlheim im kollektiven Gedächtnis der Österreicher und er erhielt den Spitznamen „dernière roué de l’autriche“ (franz. das letzte Rad Österreichs). Die häufige Diskussion um Zahlheims Hinrichtung führte zudem dazu, dass man seine Straftat häufig verharmloste oder sogar sein Opfer, Josefa Ambrokin, ignorierte. Es gab dazu auch eine Vielzahl an Dramen und literarischen Verarbeitungen.

Der Franz von Zahlheim Lauf:

Der Josef Bratfisch Lauf

Laufen an der Nordsee ist fürs erste vorbei, jetzt bin ich wieder auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten. Diesmal ging’s nach Hernals, wo der Fiaker Josef Bratfisch in der Veronikagasse 26 bzw. in der Lacknergasse 60 wohnte.

Josef Bratfisch wurde wegen seiner Leibesfülle auch „Nockerl“ genannt und war Leibfiaker des Kronprinzen Rudolf und Wienerlied Sänger. Er war auch für seine gelegentlich auch derben Wiener Lieder bekannt. Erzherzog Rudolf haben diese Lieder sehr gefallen und deshalb machte er ihn auch zum Leibfiaker. Josef Bratfisch ging in die Geschichte ein, weil er Mary Vetsera auf ihrer letzten Fahrt nach Mayerling kutschierte, wo sie sich gemeinsam mit Erzherzog Rudolf dann umbrachte.

 

 

 

 

Der Hof ließ sich das Schweigen von Josef Bratfisch über die Umstände der Tragödie von Mayerling viel Geld kosten. Der Kutscher erhielt ein Haus in der Lacknergasse in Hernals und eine Fiakerkonzession. Drei Jahre später starb er allerdings eines natürlichen Todes und er nahm die Umstände über die Tragödie wie versprochen mit ins Grab. Es gab einige Gerüchte über finanzielle Zuwendungen des Hofes an Bratfisch, doch er hinterließ nach seinem Tod beträchtliche Schulden und auf dem Haus in der Lacknergasse lastete eine Hypothek.

 

 

 

Der Josef Bratfisch Lauf:

Der Oskar Adler Lauf

Eigentlich war ich heute morgen nicht motiviert um zu Laufen, aber nachdem ich gelesen habe, dass heute der Weltlauftag ist, musste ich dann wohl. Ein schöner Lauf in die Leopoldstadt, viele Strava-Segmente, aber ziemlich schwül war’s.

Der österreichische Arzt und Musiker Oskar Adler, Bruder von Max Adler, hätte heute seinen 150. Geburtstag gehabt. Daher ging mein Lauf in die Franzensbrückengasse 22, wo er mit seiner Frau gelebt hat und dort ziemlich viel passiert ist. Gedenktafeln oder Erinnerungssteine gibt es dort von niemandem, der/die dort gewohnt hat.

Die Franzensbrückenstrasse 22 ist ein hoch aufragendes Gründerzeithaus, wo Oskar Adler lebte, Jugendfreund und musikalischer Guru von Arnold Schönberg. „Durch ihn erfuhr ich zum ersten Mal, dass es so etwas wie eine musikalische Theorie überhaupt gibt“, erklärte Schönberg später.

In diesem Gebäude lebte auch der Kaufmann Ludwig Meisl mit seiner Familie. Sohn Hugo verließ erst 1919 die elterliche Vier-Zimmer-Wohnung und wurde später als Chef des Wunderteams weltberühmt. Weder an Oskar Adler, noch an Hugo Meisl erinnert nichts in der Franzensbrückenstraße 22. Stattdessen gibt es dort zwei leerstehende Geschäftslokale und auch das Gebäude selbst ist in die Jahre gekommen.

Im Winter 1938 gelingt Oskar Adler die Flucht. Er nutzt eine Konzerteinladung, um Wien für immer zu verlassen. Er lebte bis zu seinem Tod in London.
Im Jahr 1913 ist in diesem Haus sehr viel passiert. In diesem Jahr brütete Oskar Adler über Zukunftsperspektiven, Hugo Meisl trat sein Amt als Verbandskapitän der österreichischen Nationalmannschaft an, der Architekt Fritz Keller plante das Haus am Friedrich Schmidt-Platz 5 und Arnold Schönberg durchlebte ein einzigartiges Wechselbad von Triumph und Desaster. 1913 war ein entscheidendes Jahr für Schönberg und seinen Freundeskreis.

Im Februar erfolgt die bejubelte Uraufführung der Gurre-Lieder unter Franz Schreker, einen Monat später allerdings das legendäre „Watschenkonzert“ im Musikverein, das nach wüsten Tumulten abgebrochen werden musste. ( http://www.pratercottage.at/2013/02/19/schoenbergs-lehrmeister-oskar-adler/ )

Der Oskar Adler Lauf:

Der Joseph Appel Lauf

Mit dem österreichischen Song Contest Beitrag „Wasted Love“ im Kopf einen flotten Lauf durch die Wiener Innenstadt, wo wohl nächstes Jahr der ESC stattfinden wird. Anfangs war’s noch trocken, dann aber in einen Regenguss gekommen.

Joseph Appel, der an der Tuchlauben 18 wohnte, war ein österreichischer Numismatiker. Von seinem Vater bekam er die Münzen vererbt und sein Bruder die Medaillen. Mit der Zeit sammelte er weitere Münzen und erwies sich als sehr kenntnisreich. Ab 1787 arbeitete er als Bediensteter des Staates und war Kommissär der kaiserlich-königlichen Einlösungs- und Tilgungs-Deputation.

Appel war in der Fachwelt wegen seiner Kenntnisse, aber auch wegen seiner Sammlungen ein geschätzter Numismatiker. Er konnte gut Münzen auf ihre Echtheit prüfen und auch unleserliche Schriften aus dem Mittelalter lesen. In seinen Ämtern beim Staat entschied er komplizierte Fälle.

Der Joseph Appel Lauf:

Der Udo Proksch Lauf

Zu meinem gestrigen Lauf noch ein paar Zeilen, wo es bei optimalen Lauftemperaturen in die City ging. Gestern vor 40 Jahren ist Udo Proksch wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit dem Untergang der Lucona verhaftet worden. Der Drahtzieher der Lucona-Affäre, dem größten Politskandals der zweiten Republik, trieb sich oft in der Wiener Innenstadt herum.

Udo Proksch hat sechs Menschen ermordet. Sechs Besatzungsmitglieder der „Lucona“, die im Indischen Ozean ihren Tod fanden, als das Schiff am 23. Jänner 1977 gesprengt wurde: Teil eines raffinierten Versicherungsbetruges, der Proksch um 212 Millionen Schilling reicher machen hätte sollen.

Bei Udo Proksch hat man gesehen, wie schnell jemand in der Wiener Gesellschaft ganz nach oben kommen kann. Und auch, dass nicht jeder „Clown“ harmlos ist, selbst wenn anfangs alle über und mit ihm lachen. Udo Proksch war eigentlich immer ein Scherzbold, den niemanden ernst genommen hat.

Demel Zuckerbäcker

Eines seiner Stammlokale war die Zuckerbäckerei Demel Hof, wo er mit einem Panzer vor gefahren ist. Im Gutruf traf er sich öfters mit Künstlern und Intellektuellen zum Mittagessen. Das Demel würde heute einen Chef wie Udo Proksch es damals war wieder guttun. Der Demel ist heute nicht mehr das, was er unter Proksch war. Heute ist das Demel eine Touristenfalle. Unter Proksch war es ein Traditionsbetrieb, wo alles selbst gemacht wurde, so seine erste Frau Erika Pluhar.

 

Gutruf

Udo Proksch hat die Geschäftsführung im Demel 1972 übernommen und hat immer penibel darauf geachtet, dass die Gäste gut betreut wurden. Später sei er aus der Bahn geraten, als er im Demel den „Club 45“ gründete, wo nackte Frauern an den Tischen saßen und sich im dritten Stock des Demel Hauses würdige Herren aus der Sozialdemokratie, aus Kunst und Medien versammelten. Aus einer harmlosen Männerrunde wurde schnell ein Club des gegenseitigen Nutzens, so Bruno Aigner. Bruno Aigner hatte den „Club 45“ SPÖ-intern schon 1981 als „Sündenfall der Sozialdemokratie“ und „Eiterbeule“ bezeichnet. Udo Proksch hat Wien in jedem Fall geprägt, aber zum Negativen.

 

Eden Bar

Gemeinsam mit Erika Pluhar hat Udo Proksch Anfang der 60er Jahre in einer Wohnung in der Weyrgasse im dritten Bezirk gelebt. ABer er ist oft stundenlang durch die Innenstadt flaniert und gerne in vielen Lokalen gewesen. Die Eden-Bar in der Liliengasse, das Restaurant Oswald & Kalb in der Bäckerstraße oder der „Weisse Rauchfangkehrer“ in der Weihburggasse waren auch Hotspots für Udo Proksch. Udo Proksch war überall ein gern gesehener Gast, auch wenn er immer mit einer geladenen Waffe unterwegs war.

 

 

 

 

 

 

 

Der Udo Proksch Lauf:

Der Karoline von Perin Lauf

Heute bei etwas Schnee gleich noch ein kleines Lauferl in den Volksgarten angehängt. Dort soll ein Gedenkstein für den Ersten Wiener Demokratischen Frauenverein sein, den ich aber komischerweise nicht gefunden habe. Also entweder bin ich wirklich „schasaugat“ wie meine liebe Frau immer sagt oder die haben den Gedenkstein entfernt. Wer findet also diesen Stein im Volksgarten? Heute ist der 219. Geburtstag von Karoline von Perin. Nach ihr wurde auch eine Straße in der Seestadt benannt, aber das war mir heute zu weit.

Karoline von Perin setzte sich 1848 neben demokratiepolitischen Anliegen auch für die Frauenemanzipation ein. Am 28. August 1848 versammelten sich rund 150 Frauen „zu patriotischen Zwecken“ im Salon des Wiener Volksgartens. Die Veranstaltung verlief von Anfang an turbulent. Zunächst kam es aufgrund politisch unterschiedlicher Ausrichtungen zu intensiven Diskussionen der Frauen untereinander. Danach wurde die Versammlung von Männern gestört, die sich über die politischen Bestrebungen der Frauen lustig machten, ihnen aber auch Gewalt androhten. Die Veranstaltung musste schließlich unterbrochen und verlegt werden.

Trotz aller Widrigkeiten kam es an diesem Tag zur Gründung des „Wiener demokratischen Frauenvereins“, dessen Präsidentin Karoline von Perin wurde. Es war der erste Frauenverein in Österreich, der explizit politische Ziele verfolgte. Trotz des kurzen Bestehens des Vereins kam es zu zahlreichen Aktivitäten. Mit der Niederschlagung der Revolution am 31. Oktober 1848 war das Leben von Karoline von Perin in Gefahr.

Karoline von Perin und Alfred Julius Becher hatten die Flucht bereits vorbereitet, doch ihr Versteck wurde verraten. Karoline von Perin wurde am 4. November 1848 verhaftet. Nach 23 Tagen in Haft, während der sie auch misshandelt wurde, kam sie als psychisch kranke Frau frei. Auf Initiative von Verwandten wurde ihr das Sorgerecht über ihren jüngsten Sohn entzogen und auch ihr Vermögen wurde konfisziert. Später emigrierte Karoline von Perni nach München und distanzierte sich von ihren politischen Aktivitäten. Sie kehrte danach nach Wien zurück und eröffnete ein Stellenvermittlungsbüro.

Der Karoline von Perin Lauf

Der Franz Schuhmeier Lauf

Nach einer Woche endlich wieder ein morgendlicher Lauf, etwas langsamer als normal. Schönes, kaltes Wetter. Perfekt. Nachdem vor 112 Jahren der Volkstribun aus Ottakring, Franz Schuhmeier, erschossen wurde, ging’s diesmal nach Ottakring. Geboren wurde Franz Schuhmeier aber in Wien Mariahilf in der Hirschengasse 21 als Sohn eines Bandmachergesellen und einer Wäscherin. Sein älterer Bruder starb mit nur 13 Jahren bei einem Arbeitsunfall. Dieses Ereignis war sehr prägend für ihn und war ein wesentlicher Grund, dass später der Kampf gegen Kinderarbeit eine seiner Hauptaufgaben wird. Auch Franz Schuhmeier hat bereits als Kind schwere Arbeiten verrichtet. Im Alter von nur sechs Jahren kommt er zu seinem Onkel, einem Fiaker, nach Matzleinsdorf in „Kost und Logis“.

Nach diversen Hilfstätigen und einer Wanderschaft nach Schlesien, wo er bei seiner Großmutter wohnte, kam er 1882 nach Wien zurück und tritt in die Buntpapierfabrik Goppold & Schmiedel in Gumpendorf ein. Schuhmeier liest alles, was er in die Finger bekommt und erweist sich so bei poiltischen Debatten immer als der „Gescheitere“.

Politische Vereine durften damals, wenn überhaupt, nur getarnt existieren und so gründete er den Raucherklub Lassalle, der drei Jahre später von der Polizei ausgehoben wird und Schuhmeier in U-Haft kam. Nach seiner Haftentlassung gründete er den nächsten Raucherklub Apollo. Diesmal legt er der Polizei jedoch Statuten zur Gründung eines Arbeiterbildungsvereins vor, die nach einigen Änderungen schlussendlich sogar genehmigt werden. Aus dem „Arbeiterbildungsverein Apollo“, der seinen Sitz in der „Roten Bretze“ in Neulerchenfeld hat, wird schließlich die sozialdemokratische Bezirksorganisation in Ottakring hervorgehen.

Schuhmeier ist wegen seiner im Wiener Dialekt vorgetragenen Schlagfertigkeit gefürchtet und schrammt dabei oft hart an der Grenze zur politischen Hetze vorbei. Als begnadeter Rhetoriker liefert er sich legendäre Wortgefechte mit dem ebenso redegewandten Bürgermeister Karl Lueger und avanciert bald zum „meistgehassten Sozial­demokraten“ Wiens.
Er eckt mit seiner „derb-proletarischen“ Art auch innerhalb der eigenen Partei an, besonders bei Victor Adler, der seinen Radau-Opportunismus als ganz unmöglich findet.

Schuhmeier Hof

1901 baut Schuhmeier die erste Volkshochschule Wiens, das Volksheim in Ottakring. Weiters setzt er den 9-Stunden-Tag für Bergarbeiter durch.
Bei seiner Rückkehr von einer Wahlkundgebung in Stockerau wird Franz Schuhmeier am Abend des 11. Februar 1913 in der Ankunftshalle des Wiener Nordwestbahnhofs von Paul Kunschak, dem Bruder des christlich-sozialen Abgeordneten Leopold Kunschak, abgepasst und niedergeschossen. Der Metallarbeiter Kunschak gibt beim Verhör an, er sei „wegen der ständigen Verfolgung durch die Sozialdemokraten“ eineinhalb Jahre lang arbeitslos gewesen und habe sich durch diese Tat an der Partei rächen wollen. Die Beerdigung des Arbeiterführers am Ottakringer Friedhof gerät zu einer beispiellosen Massenkundgebung. ( http://der-rote-blog.at/franz-schuhmeier-volkstribun-aus-ottakring )

Der Franz Schuhmeier Lauf

Der Richard Buchta Lauf

Etwas kalt war es bei meinem heutige Morgenlauf, wenigstens war*s nicht windig. Sonst hätte es gefühlt nicht minus 6 Grad, sondern minus 10 Grad gehabt. Bin in eher lockerem Tempo nach Wien Wieden und über den Karlsplatz, Getreidemarkt und die Stiegen im Museumsquartier zurück.

Heute hätte der Afrikaforscher, Autor und Fotograf Richard Buchta, der in der Frankenberggasse 3 wohnte, seinen 180. Geburtstag gehabt. Das Haus in der Frankenberggasse ist das Palais Fischer und ist denkmalgeschützt. Das Haus wurde von den Otto-Wagner-Schülern Emil Hoppe, Marcel Kammerer und Otto Schönthal umgebaut. Über dem Tor befindet sich ein Glasmosaik (Sibylle mit Tauben) von Leopold Forstner. Die Frankenberggasse kannte ich vorher überhaupt nicht, das Gebäude ist aber sehenswert.

Schon mit 20 Jahren begann Richard Buchta ausgedehnte Reisen durch Deutschland, Frankreich, Ungarn, die unteren Donauländer, den Balkan, die Türkei und Kleinasien. Später reiste er nach Khartum und erforschte den türkisch-ägyptischen Sudan. Er bereiste vor allem den südlichen Sudan, das nördliche Uganda, das Gebiet um den Nil und Ägypten.
Obwohl Richard Buchtas Fotografien bis etwa zur Jahrhundertwende häufig in Reiseberichten über Ostafrika reproduziert wurden, gerieten seine Veröffentlichungen im 20. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit. Richard Buchtas Fotografien befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Weltmuseums in Wien.

 

Der Richard Buchta Lauf:

 

 

Der Melanie Adler Lauf

Bei meinem morgendlichen Lauf heute Früh nicht sehr motiviert gewesen, was wahrscheinlich am Wind lag. Danach fühlte es sich aber trotzdem wieder gut an, wie immer eigentlich.
Der Lauf heute ging nach Döbling in die Lannergasse 9 ins Elternhaus der Ärztin Melanie Adler. Melanie Adler war die Tochter des österreichischen Musikwissenschaftlers Guido Adler. Melanie Adler begann ihr Medizinstudium in München und beendete es in Wien. Es gibt unterschiedliche Meinungen, wie Melanie Adler als Ärztin arbeitete. Einige sagen, dass sie sich nie als Ärztin niedergelassen habe. Forschungen ergaben aber, dass sie für mehrere Ärzte in München und Wien als ausgebildete Homöopathin arbeitete.
Melanie Adler führte ein sehr unabhängiges Leben und verreiste viel. Sie hat sich auch oft außerhalb von Wien, vor allem in München und Graz aufgehalten. Für die Famile war das Leben von Melanie Adler häufig ein Rätsel gewesen. Sie trug meistens Männer-Kleidung und gegenüber der jüdischen Kultur war sie eher distanziert. Es gab immer wieder Gerüchte über ihre angebliche Homosexualität. Familienmitglieder bezeichneten sie als „strange bird“ und „the complete nut of the family“. Abgesehen vom Vater hatte kein Familienmitglied ein positives Bild von ihr. Auch ihr Wohnort war der Familie unbekannt gewesen bis sie 1938 nach Wien zurückzog um ihren Vater zu pflegen bis dieser im Februar 1941 in der Lannergasse 9 verstarb.
Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich gerieten Melanie Adler und ihr Vater in eine prekäre finanzielle Lage, wie etwa durch Zahlungen wie die Judenvermögensabgabe. Den Hauptteil des Hauses mussten Melanie Adler und ihr Vater der Witwe eines Kreisleiters sowie einem NSDAP-Mitglied zur Verfügung gestellt werden. Freunde im Ausland rieten ihnen zur Flucht, doch Melanie Adler und ihr Vater blieben in Wien. Vermutlich waren das Alter und der gesundheitliche Zustand des Vaters die Gründe dafür. Die beiden glaubten aber auch an ein zeitnahes Ende des NS-Regimes.
Melanie Adlers Vater hinterließ nach seinem Tod neben Haus und Kunstwerken eine umfangreiche, wertvolle musikwissenschaftliche Bibliothek mit seltenen Werken und Korrespondenzen mit bedeutenden Komponisten, die er sich in seiner Zeit an der Universität Wien aufgebaut hatte. Melanie Adler versuchte zwar, die Bibliothek zu retten, diese wurde jedoch im Februar 1941 von der Gestapo beschlagnahmt und „arisiert“. Trotzdem versuchte sie nach wie vor die Bibliothek zu retten und wurde letztendlich von der Gestapo als Staatsfeind deklariert. Kurz vor Weihnachten 1941 nach einigen ergebnislosen Versuchen zur Emigration tauchte Melanie Adler unter. Wo sie Zuflucht fand, isr unbekannt. Im Mai 1942 wurde sie entdeckt und verhaftet.
Am 20. Mai 1942 wird Melanie Adler in die Nähe von Minsk ins Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert und dort am 26. Mai 1942 umgebracht.
Der Melanie Adler Lauf