Monat: Februar 2026

Der Emma Mampe-Babnigg Lauf

Nach einem kurzen Hoyos Läuferl gestern, das ich nur auf meiner Homepage veröffentlichen werde, bin ich heute noch einmal in die City in Gedenken an die Opernsängerin Emma Mampe-Babnigg, die heute ihren 201. Geburtstag gehabt hätte.

Emma hatte schon als Kind eine sehr schöne Stimme und erhielt zuerst von ihrem Vater, dem Opernsänger Anton Babnigg, Gesangsunterricht. Schon im Alter von 18 Jahren wagte sie einen ersten Bühnenversuch als Rosina im „Barbier von Sevilla“ am Hoftheater Dresden. Danach wurde sie sofort engagiert. Nach drei Jahren in Dresden kam sie an das Stadttheater in Hamburg. In den darauffolgenden Jahren wurde sie an mehreren Theatern und Opern der Liebling des Publikums. Besonders die Opernsaison 1849 bis 1850 war ein Goldquelle für die Theaterkasse. Während der ganzen Zeit ihres dortigen Engagements sah man stets ausverkaufte Häuser, sobald der Name „Babnigg“ auf dem Zettel zu lesen war.

Nach ihrer Hochzeit mit Dr. Mampe zog sie sich von der Bühne zurück und zog nach Wien in die Riemergasse 14 bzw. Kumpfgasse 11 (das dortige Haus hat zwei Adressen). Sie gab aber weiterhin noch Gastspiele an diversen Bühnen. Ab 1867 bis in die 1890er Jahre war sie eine gesuchte Gesangspädagogin und bekam aufgrund ihrer Gesangskunst den Namen der „Schlesischen Nachtigall“. Insgesamt soll sie 220 Partien gesungen haben. . Zu ihren Schülerinnen zählte unter anderen Erzherzogin Maria Josepha, Mutter des späteren Kaisers Karl I..

Der Emma Mampe-Babnigg Lauf:

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf

Mein Lauf am Dienstag führte mich in die kleine Hoyosgasse hinter der Karlskirche. Wer war eigentlich dieser Hoyos? Johann Ernst Hoyos entstammte dem Adelsgeschlecht Hoyos, das im 16. Jahrhundert aus Spanien nach Niederösterreich eingewandert war. Im Alter von 20 Jahren trat er in die österreichische Landwehr ein und wurde Kommandeur eines Bataillons, das er aus eigener Tasche bezahlte. Mit seinem Bataillon nahm er an den Feldzügen von 1813, 1814 und 1815 in Italien und Frankreich teil. 1836 wurde er Ritter des Goldenen Vlieses und Generalmajor, 1838 dann Feldmarschallleutnant.

Graf Hoyos war kein Berufssoldat, aber er nahm als Freiwilliger der Wiener Landwehr von 1809 bis 1815 an den Napoleonischen Kriegen teil. Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Wien wurde der bereits 70 Jahre alte Hoyos am 14. März 1848 zum Oberkommandanten der Wiener Nationalgarde ernannt, war aber mit seinen eher gemäßigten Methoden nicht in der Lage, Wien zu befrieden. Nach der Revolution zog sich Hoyos ins Privatleben auf sein Schloss bei Horn zurück, wo er am 23. Oktober 1849 einen Reitunfall im benachbarten Mold erlitt und an dessen Folgen verstarb. Eine Gedächtniskapelle an dieser Stelle erinnert heute daran. Vielleicht führt mich an dieser Kapelle auch einmal ein Lauf vorbei.

Bereits im Jahr 1900 wurde die kleine Hoyosgasse nach ihm benannt. Die Hoyosgasse wurde anstelle einer Gartenanlage hinter der Karlskirche angelegt. In der Hoyosgasse befinden sich zwei späthistorische Baublöcke: Der Kreuzherrenhof und das Mietpalais Hoyos-Sprinzenstein.

Der Johann Ernst Hoyos-Sprinzenstein Lauf:

Der Resi Hammerer Lauf

Heute wieder einmal ein historischer Lauf in die Innenstadt auf den Spuren der österreichischen Skirennläuferin Therese „Resi“ Hammerer, die heute 101 Jahre alt geworden wäre. Gestorben ist sie allerdings im Juni 2010. Resi Hammerer gewann die Bronzemedaille in der Abfahrt bei den Olympischen Winterspielen 1948, wurde vierfache österreichische Meisterin und gewann mehrere internationale Rennen.

Die Vorarlbergerin Resi Hammerer stammte aus dem Kleinwalsertal. Unter anderem gewann Resi Hammerer im Winter 1948/49 in der Hahnenkammabfahrt von Kitzbühel und belegte dort Rang zwei im Slalom und in der Kombination.

Aufgrund ihrer Verdienste als Skirennläuferin erhielt Hammerer die damals noch notwendige Genehmigung für die Herstellung von Textilien. Nach dem Ende ihrer Skikarriere begann sie mit der Produktion eigener Skibekleidung und eröffnete in Bregenz ein Sport-Mode-Geschäft. In den 1950er- und 1960er-Jahren folgten weitere Filialen in Wien und Linz. Neben der Winterbekleidung wurde sie vor allem für ihre Trachten- und Loden-Kollektionen international bekannt und erhielt mehrere Auszeichnungen.

Nach ihrer Heirat mit einem Wiener Rechtsanwalt zog Therese Hammerer nach Wien. Dort entwickelte sie im Laufe der Zeit eine eigenständige hochwertige Kollektion: „Loden und Sportcouture“. Das Wesentliche an ihren Textilien waren die immer wiederkehrenden Farben, insbesondere das Hammerer-Oliv. Die Teile blieben über viele Saisonen kombinierbar. Sie verwendete in erster Linie hochwertigen österreichischen Loden im Winter und Leinen im Sommer. Die Kollektionen wurden in ihrem Atelier in der Wollzeile 17 entwickelt. Resi Hammerer eröffnete neben dem Ursprungsgeschäft in Bregenz eigene Boutiquen in Wien, Linz und Innsbruck. Die Boutique in Wien befand sich in der Himmelpfortgasse 6, wo sich jetzt neben dem Cafe Frauenhuber eine leere Geschäftsfläche befindet. In Köln und München wurden Geschäfte als Franchise betrieben.

Aufgrund ihres Alters verkaufte sie 1989 ihr Unternehmen an die Mode Holding in München. Von dort übernahm Dr. Peter Frey 1992 die Firma und brachte sie in die Gruppe Lodenfrey ein. (Quelle: https://www.resi-hammerer.com )

Der Resi Hammerer Lauf:

Der Schani Breitwieser Lauf

Eigentlich wollte ich heute ja in die Donaustadt laufen, aber gestern Abend hab ich einen sehr interessanten Artikel über den Robin Hood von Wien gelesen und so begab ich mich auf seine Spuren nach Meidling.

Um Schani Breitwieser ranken sich viele Mythen. Als sicher gilt, dass er am 13. April 1891 in eine bitterarme Familie in Wien Meidling geboren wird. Angeblich hatte er noch 15 Geschwister, sieben sind verbrieft. Die Kinder schlafen auf Strohsäcken, in Waschtrögen. Schani hat in einem Koffer auf Lumpen geschlafen. Die Mutter ist Wäscherin, der Vater Hilfsarbeiter, der nebenbei auf dem Meidlinger Friedhof jobbt. Der Friedhof wird zur Spielwiese der Breitwieser-Bälge. Schani zieht aber bald weiter zum Gatterhölzl, einem kleinen Meidlinger Waldstück, wo zwielichtige Gestalten herumstrolchten.

Schani Breitwieser ist ein schlauer Bursch, aber auch jähzornig und herrschsüchtig. Als er mit 14 Jahren einmal von der versifften Meidlinger Vorstadt in die Wiener Innenstadt schlenderte, wurden ihm die zwei Welten Wiens bewusst. Am 5. Februar 1906 stand Schani erstmals vor einem Richter. Der Richter fragte ihn, warum er mehrere Paare Filzschuhe stehlen wollte. Schani antwortete nur knapp:“ Aus Not.“ Der Bursche kam danach einen Monat ins Gefängnis. Dieses Urteil vor 120 Jahren begründet den Beginn einer glamourösen kriminellen Karriere, die Breitwieser zur Wiener Legende machen wird.

Zwischen Gelegenheitsjobs als Tierpräparator, Markthelfer und Schirmfabrikhelfer dreht Breitwieser seine krummen Dinge bis er in seiner Platte (damals Bezeichnung für Bande) namens „Bruderschaft der schwarzen Larven“ zum Profiverbrecher heranreift. Schani ist brutal, aber gutherzig. Einen großen Teil seiner Beute gibt er Armen weiter.

Er liefert sich Verfolgungsjagden mit der Polizei. Als einmal die Polizei das „Räuber und Gendarm Spiel“ gewonnen hätten, täuscht Schani eine psychische Erkrankung vor um nach Steinhof versetzt zu werden. Wenig später bricht er dort aus. Ein anderes Mal meldet er sich zum Kriegsdienst, um einer Zwangsarbeit zu entgehen, und desertiert am ersten Tag.
Sein größter Coup gelingt ihm am 19. Jänner 1919, als er in die Hirtenberger Waffen- und Munitionsfabrik einbrach. Er stahl dort eine halbe Million Kronen.
Breitwieser wuchs in die Rolle des sozialen Rebellen und Wohltäters. Kurzum, er wurde für die Bevölkerung zu einem symbolträchtigen Hero, der nur stehle um andere zu beschenken.
Drei Monate nach dem Einbruch in die Hirtenberger Fabrik ist Schani tot. Von einem Polizisten wurde er in seiner Villa in St. Andrä-Wördern erschossen. Als er zu Grabe getragen wurde, haben dem Ganoven bis zu 40000 Menschen die letzte Ehre erwiesen. Nur am Begräbnis des Kaisers nahmen mehr Besucher teil als an jenem von Schani Breitwieser.

Der Schani Breitwieser Lauf:

Der Werner Schwab Lauf

Kurzer Morgenlauf nach Ottakring, wo in der Payergasse 12 der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Werner Schwab ein paar Jahre wohnte. Schwab wäre heute 68 Jahre alt geworden, ist aber am 1. Februar 1994 im Alter von 36 Jahren an einer Alkoholvergiftung in seiner Wohnung in Graz gestorben.

Werner Schwab wurde als Sohn einer Haushälterin und eines Maurers in Graz geboren. Der Vater verließ kurz nach seiner Geburt die Familie und die Mutter musste wegen fehlender Unterhaltszahlungen in ihr Elternhaus zurückziehen. Kurzfristig musste sie auch ihren Sohn in Pflege geben, bis sie eine Stelle als Hausmeisterin bekam und sie mit ihm in eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung ziehen konnte. Darin verbrachte Werner Schwab zusammen mit seiner religiösen Mutter eine schwere Kindheit, die er mit der Einführung seines Alter Ego Herrmann Wurm in „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ zu verarbeiten versuchte.

Schwab wollte früh Künstler werden und besuchte die Kunstgewerbeschule in Graz. Zwei Jahre später verließ er die Schule, weil er sich weigerte eine Kunstgeschichteprüfung abzulegen. Später versuchte er, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien aufgenommen zu werden. Dies scheiterte zunächst, und Schwab begann mittellos die elektroakustischen Vorlesungen von Dieter Kaufmann in Wien zu besuchen.

Später wurde er doch noch von der Akademie akzeptiert und erhielt Waisenrente und Höchststipendium zugesprochen, wodurch sich seine finanzielle Situation erheblich verbesserte. 1981 zog er mit seiner Freundin Ingeborg Orthofer nach Kohlberg, wo sie eine Landwirtschaft erworben und begannen aus verderblichen Materialien wie Fleisch, Knochen und Tierkadavern verwesende Skulpturen zu erschaffen.

Das Leben in Kohlberg ließ Fahrten nach Wien kaum noch zu, weswegen Schwab 1982 aus der Akademie ausschied und sich vermehrt dem Schreiben zuwandte. Da Schwab trank, ging die Beziehung mit Orthofer allerdings später in die Brüche.

Schwab erhielt mehrere Literaturförderpreise, wie beispielsweise den Literaturförderpreis der Stadt Graz oder für „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ den Mühlheimer Dramatikerpreis und wurde auch als Dramatiker des Jahres von Literaturzeitschriften geehrt. Am 1. Jänner 1994 fand man Schwab mit 4,1 Promille Blutalkoholkonzentration tot in seiner Wohnung, gestorben an einer durch eine Alkoholvergiftung hervorgerufenen Atemlähmung.

Der Werner Schwab Lauf:

Der Karl Marinelli Lauf

Nass und feucht war es bei meinem gestrigen Morgenlauf, dafür diesmal mit über 13 Kilometern wieder etwas länger nach einem intensiven Wochenende in Köln.

Karl Marinelli war Schauspieler und Theaterdirektor des Leopoldstdädter Theaters, in dem er auch wohnte. Vom Theater sieht man heute nichts mehr, es war an der Adresse Praterstraße 31/Zirkusgasse 12. Hätte bei meiner Umrundung nach etwaigen Erinnerungen gesucht, aber nichts gefunden.

Karl Marinelli war der Begründer der Wiener Lokalposse und schrieb mehrere Stücke. Gemeinsam mit Johann Josef La Roche gründete er an einer günstigen Stelle das Leopoldstädter Theater. Durch das Auftreten von Johann Josef La Roche, bewarb sich Marinelli um ein kaiserliches Privileg für ein stehendes Theater (im Gegensatz zu Wanderbühnen) in der Leopoldstadt, das er am 28.12..1780 erhielt. Schon am 20. Oktober 1871 konnte das Leopoldstädter Theater als erste „stehende“ Volksbühne Wiens eröffnet werden. Als Direktor hat Marinelli wohl selbst nicht mehr mitgespielt, schrieb aber zahlreiche Lustspiele und Lokalpossen.

Der Karl Marinelli Lauf:

Der Wolfgang von Kempelen Lauf

Bevor es heute Abend nach Köln geht, noch schnell 10,5 Kilometer nach Favoriten und zurück im Zeichen von Wolfgang von Kempelen, nach dem die Kempelengasse benannt wurde. Kempelen war Architekt, Mechaniker und Erfinder und baute unter anderem 1791 den ersten funktionstüchtigen Sprechapparat.

Europaweite Bekanntheit erlangte Kempelen auch durch die Konstruktion seines Schachtürken, was damals eine Art Schachautomat war. Im Gerät befand sich ein menschlicher Schachspieler, der mithilfe einer kunstreichen Mechanik die Schachzüge einer türkisch gekleideten Puppe steuerte.

Während der Schachtürke lediglich zu Unterhaltungszwecken diente, baute Kempelen 1791 die erste Sprechmaschine zur Hervorbringung menschlicher Sprachlaute. Kempelen baute auch ein Hilfsmittel für den Blindenunterricht. Für die Sängerin, Komponistin und Pianistin, die wegen ihrer Blindheit Analphabetin geblieben war, baute er einen dreidimensional tastbaren Letternsatz und brachte der Blinden damit das Lesen und Schreiben bei.

Der Wolfgang von Kempelen Lauf:

Der Helmut Eisendle Lauf

Flotter Lauf durch die Stadt bei kalten Temperaturen und Sonnenschein. Herrlich. Der Schriftsteller Helmut Eisendle wäre heute 87 Jahre alt geworden, ist aber 2003 an Speiseröhrenkrebs gestorben. Gelebt hat er im 4. Bezirk in der Schäffergasse 13.

Zuerst war Helmut Eisendle Telefonmechaniker und holte parallel die Matura auf einer Abendschule nach. Nach der Matura studierte er Psychologie, Philosophie und Biologie. Daneben arbeitete er als Werkstättenlehrer an der Höheren Technischen Lehranstalt in Graz.

Bevor er Schriftsteller wurde, arbeitete er als Erziehungsberater in einer Gruppenpraxis. Als Schriftsteller war er Mitarbeiter der Literaturzeitschrift Manuskripte und lebte abwechselnd in Barcelona, Berlin, München, Friaul, teilweise in der Südsteiermark, dann wieder in Wien und Amsterdam. Helmut Eisendle war ein Vertreter der sprachskeptischen und sprachkritischen Strömung in der neueren österreichischen Literatur. In seinen Prosawerken, Essays und Hörspielen räumte er seinem Fachgebiet, der Psychologie und deren Kritik, breiten Raum ein.

Der Helmut Eisendle Lauf: