Monat: Januar 2026

Der Josef Kainz Lauf

Nachdem ich gestern für den Frühlauftreff nicht motiviert genug war, musste ich heute raus und so ging’s zum Türkenschanzpark bergauf und bergab. Vorher aber durch den Josef Kainz Park. Josef Kainz war einer der größten deutschsprachigen Theaterschauspieler, der heute den 167. Geburtstag gehabt hätte.

Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er von seiner Mutter maßgeblich gefördert und debütierte bereits als 15jähriger am Sulkowskitheater in Matzleinsdorf. Nach einigen Gastspielreisen wirkte Kainz am neu gegründeten Deutschen Theater in Berlin und entwickelte sich dort zum berühmtesten deutschsprachigen Charakterdarsteller seiner Zeit. Er brillierte unter anderem als Hamlet, Richard II., Don Carlos und Franz Moor in Friedrich Schillers Drama Die Räuber.

1899 wechselte er schliesslich ins Wiener Burgtheater, wo er zum Hofschauspieler ernannt wurde. 10 Jahre blieb er am Burgtheater, doch nach langen Verhandlungen bekam er schliesslich einen 6jährigen Urlaub zuerkannt. Für Josef Kainz war das Burgtheater ein „verbeamtetes Theater“ und die Qualitätsansprüche konnten dem unverträglichen und launenhaften Künstler nicht mehr erfüllt werden.

Im Herbst 1909 erkrankte Josef Kainz an Darmkrebs, dessen zunehmende Beschwerden die Bühnenpraxis beeinflussten. Eine Operation war zuerst erfolgreich, doch das Leiden kehrte wieder zurück. Auf seinem Sterbebett erreichte Kainz am 20. September 1910 als besondere Auszeichnung noch die schriftliche Ernennung zum Burgtheaterregisseur.

Der Josef Kainz Lauf:

Der Antonie Adamberger Lauf

Wahrscheinlich der letzte Lauf im 2025er Jahr, außer ich hab morgen noch einmal Lust. Ich war bei einem Zehner auf den Spuren der Schauspielerin Antonie Adamberger, die am Fleischmarkt 6 wohnte und im 2. Bezirk gibt es auch eine Adambergergasse.

Antonie Adamberger debütierte als 16jährige am Burgtheater in Wien und wurde sofort als Hofschauspielerin engagiert. Sie wurde schnell einer der Lieblinge des Wiener Publikums. Beethoven komponierte speziell für Antonie Adamberger die Lieder des Klärchen für seine Musik zu Goethes Trauerspiel Egmont. Wie sie später erwähnt hatte, hat sie sehr gerne mit Beethoven zusammen gearbeitet und seine Arbeit sehr geschätzt.

Als der deutsche Schriftsteller und Freiheitskämpfer Theodor Körner ans Burgtheater berufen wurde, hat Antonie ihn erstmals bei einer Probe des Lustspiels „Der grüne Domino“ gesehen. Bereits im selben Jahr verlobten sich die beiden und er schrieb bald an seinem Drama Toni, bei der Antonie Adamsberger die Hauptrolle übernahm.
Körner widmete ihr bis zu seinem Tod 1813 Gedichte und neben dem Drama Toni auch noch das Stück Zriny. Einige Jahre nach seinem Tod verließ Adamberger die Bühne und heiratete im selben Jahr den Archäologen Joseph Arneth. Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, den Historiker und Politiker Josef von Arneth. Später wurde sie Vorleserin der Kaiserin Karoline Auguste. Die Kaiserin hat Adamsberger auch zur Oberin des Karolinenstifts ernannt, einem Erziehungsinstitut für Soldatenkinder.

Der Antonie Adamberger Lauf:

Der Hilde Zaloscer Lauf

Die aktuelle Nebelsuppe über Wien seit mehr als einer Woche macht das Laufen etwas schwieriger, die Motivation ist nicht so groß, aber man muss halt trotzdem raus. Also begab ich mich auf die Spuren von Hilde Zaloscer, die vor allem im Literaturhaus in der Seidengasse und am Institut für Kunstgeschichte im Alten AKH sehr präsent war. Im Hof 9 des Alten AKHs wird auch an sie gedacht gemeinsam mit anderen Ermorderten, Vertriebenen und Ausgegrenzten im zweiten Weltkrieg.

Geboren wurde Hilde Zaloscer in Tuzla, wo sie wie auch in Banja Luka ihre Kindheit verbrachte. Mit dem Zusammenbruch der Habsburgmonarchie fand ihre unbekümmerte Kindheit ein jehes Ende und die ganze Familie musste aus Bosnien nach Wien fliehen. Hilde Zaloscer besuchte in Wien die Schule und maturierte auch. 1921 schrieb sie sich für Kunstgeschichte an der Universität Wien ein. Hilde Zaloscer nahm die zunehmende Polarisierung und den ansteigenden Antisemitismus allerdings erst nach Abschluss ihrer Promotion 1927 wahr, als sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Probleme hatte, eine Stelle in Österreich zu finden. Aufgrund ihrer schlechten Zukunftsaussichten entschied sie sich Anfang der 1930er Jahre zur Emigration nach Ägypten.

1936 wurde ihr über Bekannte eine Stelle als Haushaltshilfe in Alexandria vermittelt. Dieser Beruf entsprach nicht ihren Qualifikationen, aber er war gut für einen Neuanfang. Allerdings kündigte sie schon nach fünf Monaten, da das Spannungsverhältnis innerhalb dieser Familie sehr groß war und die Hausherrin hätte sie aus Eifersucht drangsaliert und zur Kündigung gezwungen.

Ohne finanzielle Absicherung entschied sie sich aber trotzdem in Ägypten zu bleiben. Die ägyptische Kultur hatte eine immense Faszination auf sie ausgeübt. Ihren Unterhalt verdiente sie als Gästeführerin und freie Autorin. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs stand sie in Ägypten wieder vor einer unsicheren Zukunft. Ihre Haupteinnahmequelle – archäologische und kunsthistorische Führungen – fiel infolge des Zweiten Weltkriegs fast gänzlich weg.

Außerdem wurde Zaloscer als österreichische Staatsbürgerin in Ägypten, das unter britischer Besatzung stand, zum enemy alien erklärt. Um einer drohenden Internierung als ,feindliche Ausländerin‘ oder Ausweisung nach Österreich zu entgehen, ging sie 1939 eine Scheinehe mit einem Ägypter ein und erlangte so die ägyptische Staatsbürgerschaft.

Schein- oder Schutzehen für deutschsprachige Jüdinnen spielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle als Schutzinstrument vor Ausweisung und Diskriminierung, teilweise wurden sie sogar durch Institutionen wie das jüdische Krankenhaus in Alexandria vermittelt. In Hilde Zaloscers Fall stellte ein befreundetes Ehepaar den Kontakt zu einem ägyptischen Fabrikangestellten her, der sie gegen Zahlung von 50 Pfund heiratete. Damit konnte sie im Land bleiben. Zaloscer nahm den Namen „Samira Shukri“ an und trat während der Trauung formal zum Islam über. Der Kontakt zu ihrem Ehemann, der kurz darauf verstarb, beschränkte sich nur auf die Hochzeitszeremonie.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs konnte sie in Erfahrung bringen, dass der Großteil ihrer Familie in die USA geflohen ist und überlebt hatte. Vater und Schwester kehrten 1947 nach Wien zurück. Auch Hilde kehrte nach Wien zurück, wurde aber bald wieder enttäuscht und sah keine Perspektive für sich in Österreich. Daher kehrte sie wieder in ihre neue Heimant Ägypten zurück.
Ende der 1940er Jahre verbesserte sich ihre Situation in Ägypten schlagartig. Der bekannte ägyptische Schriftsteller Taha Hussein, den sie persönlich kannte, war zum Bildungsminister ernannt worden und berief sie als Professorin für Kunstgeschichte an die Universität in Alexandria ein. Sie war ab diesem Zeitpunkt also keine Emigrantin mehr, sondern eine ägyptische Beamtin mit gutem Einkommen. Nun fühlte sie sich in Ägypten angekommen und musste sich keine Sorgen mehr um ihr Auskommen machen. Doch bald merkte sie, dass auch Ägypten im Umbruch war.
Ein erstarkender ägyptischer Nationalismus und mehrere verlorene Kriege gegen den 1948 gegründeten Staat Israel gaben Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Ägypten Auftrieb. Sie fühlte sich als Jüdin nicht mehr sicher in diesem Land.

Nach dem Ende des Sechstagekriegs im Jahr 1967 verschlechterte sich die Situation für Jüdinnen und Juden in Ägypten dramatisch. Hilde Zalsoscar wurde mehrfach mitten in der Nacht von der Polizei abgeholt und verhört bzw. mehrfach unter Hausarrest gestellt. So verabschiedete sich 1968 nach einigen Schwierigkeiten mit dem Ausreisevisum von ihrem Leben in Ägypten und kehrte nach Wien zurück.

Wien war aber keine Heimat mehr für sie. Sie fühlte sich in Wien als Fremde und fiel in eine schwere Depression. Für vier Jahre zog sie aufgrund einer Gastprofessur noch einmal nach Kanada. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie aber in Wien, wo sie sich aber nicht mehr beheimatet fühlte. ( https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/guenter-hilde-zaloscer )

Der Der Hilde Zaloscer Lauf:

Der Adalbert Seligmann Lauf

Grau in grau bei meinem heutigen Morgenlauf durch den Wienerberg bis nach Liesing. Mystische Stimmung, passt momentan ganz gut zu mir.

Wo ging’s hin? Nach einigen Umwegen, da es nicht so einfach war, in die Seligmanngasse in den 23. Bezirk und dann noch weiter zur U6. Wer war also Adalbert Seligmann, der heute seinen 80. Todestag hat? Seligmann war ein österreichischer Maler und Kunstkritiker. Seligmann war auch als Lehrer tätig und war besonders um die Jahrhundertwende ein sehr geschätzter Historienmaler, der auch Kunstkritiken für die Neue Freie Presse schrieb. Er war auch einer der Mitbegründer der Frauenkunstschule, aus der später die Wiener Frauenakademie wurde. Sein bekanntestes Gemälde stellt den im Hörsaal vor versammeltem Auditorium operierenden Chirurgen Theodor Billroth dar.

Von seinem Vater hat er die Schädelfragmente Beethovens übernommen und bewahrte diese bis 1936 in seiner Wiener Wohnung auf. Später hielt er diese bis Kriegsende an einem unbekannten Ort versteckt. Seligmann war teilweise jüdischer Herkunft, überstand den Krieg und das NS-Regime in Wien aber unbeschadet. Über seine Erben wanderte der Beethoven Schädel 1990 nach San José in Kalifornien ans Center for Beethoven Studies der San José State University.

Der Adalbert Seligmann Lauf:

Der Ödön von Horvath Lauf

Der ungarisch-österreichische Schriftsteller Ödön von Horvath lebte zwar nicht lange in Wien, doch ein Bezirk inspirierte ihn zu einem seiner größten Werke, und zwar die „Geschichten aus dem Wienerwald“. Deshalb begab ich mich an seinem 124. Geburtstag zu einem flotten Lauf durch die Josefstadt. Das Haus in der Lange Gasse 26 diente ihm als Vorlage für seine „Geschichten aus dem Wienerwald“. In dem Horvath Stück befindet sich in diesem Haus die Fleischerei von Oskar und das Geschäft des Zauberkönigs. Auch eine kleine Trafik gab es in dem Haus. Von diesen Geschäften gibt es in dem Haus nichts mehr, aber das Beisl „Das Lange“ ist hier eingemietet und eine Tafel erinnert an den Schriftsteller.

Einige Hausnummern weiter kommt man zum Hotel Zipser, in dem Horvath immer wieder wohnte, wenn er Wien besuchte. 1904 war es noch ein Heim für junge Mädchen, danach wurde es in eine Pension umgebaut und mittlerweile ist es ein Hotel. Das Wappen an der Gebäudefassade ist jenes der französischen Stadt Orsay. Weiter ging es in die Piaristengasse, wo Horvath als junger Maturant öfters bei seinem Onkel Josef Prehnal in der Piaristengasse 62 lebte.

Weiter ging es über das Rathaus zurück in die Josefstädter Straße, wo sich auf Nummer 9 zu Horvaths Zeiten ein Geschäft für Zauber- und Faschingsartikel befand. Heute befinden sich dort einige kulinarische Angebote. Im Lokal „Aloha Bowl“ gibt es schmackhafte hawaiianische Bowls, Pizzas bekommt man daneben und ein ehemaliges asiatisches Lokal steht mittlerweile leer.

Auch das Theater in der Josefstadt ist sehr mit Ödön von Horvath verbunden. Dort wurden seine Stücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Jugend ohne Gott“ und „Kasimir und Karoline“ aufgeführt. Im Theater in der Josefstadt wurde auch Horvaths verschollenes Stück „Niemand“ am 1. September 2016 uraufgeführt wurde. Das von Horvath als Tragödie bezeichnete Stück behandelt die Geschichte der unterschiedlichen BewohnerInnen eines Mietshauses und dessen Besitzer, sowie deren Konflikte und Einzelschicksale.

Der Ödön von Horvath Lauf:

Der Norbert Sterk Lauf

Heute früh ging es laufend wieder einmal westwärts hinter dem Roten Berg vorbei die Veitingergasse hinauf, wo der Komponist Norbert Sterk wohnt und dort auch seine Logopädie Praxis hat. Norbert Sterk hat heute seinen 57. Geburtstag und studierte am Wiener Konservatorium Klavier, Kontrabass, Tonsatz und Komposition. An der Universität Wien studierte er auch noch Philosophie, Musik- & Theaterwissenschaft.

Gleichzeitig absolvierte er auch die Ausbildung zum Logopäden und besuchte Seminare bei den Komponisten Ernst Krenek, Kurt Schwertsik, Alfred Schnittke, Karl Heinz Füssl und Ivan Eröd.
Seine Kompositionen werden weltweit bei vielen Festivals wie Wien Modern aufgeführt. Er arbeitet auch viel mit Künstlern anderer Sparten zusammen, wie beispielsweise den Malern und Malerinnen Elisabeth Holzer und Federico Vecchi und den Schriftstellern Semier Insayif und Doron Rabinovici. ( https://www.norbert-sterk.at/artikel/text//bio )

Der Norbert Sterk Lauf: